HANNOVER/CELLE. Zehn Schüler der Paul-Klee-Schule in Celle erleben die Zukunft der Vergangenheit. “Sie erfahren mit allen Sinnen, das Faszinierende und Schöne des historischen Fachwerks. Sie lernen spielerisch, warum es sich lohnt, sorgfältig mit Vergangenem umzugehen. Sie bauen als Handwerker ganz selbstverständlich Fachwerkdetails nach. All dies passiert so selbstverständlich, wie es in einer inklusiven Gesellschaft normal ist, verschieden zu sein”, erläutert Doris Olbeter von Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege das brandneue Pilotprojekt des Landesamts, das am 26. April startet.

„denkmal an schule” – unter diesem Motto startet das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege seine Aktivitäten, um die Erhaltung des kulturellen Erbes und die Förderung der Baukultur zukunftsfähig zu gewährleisten. “Die Bewahrung unserer gestalteten Umwelt wird eine bedeutende Aufgabe für die heranwachsenden Generationen sein. Die Identifikation der jungen Menschen mit ihrer kulturellen Vergangenheit ist dafür eine Voraussetzung”, so Olbeter. Das Wissen über Herkunft und Bedeutung der Kultur-denkmale bilde die Grundlage. Mit den unterschiedlichsten Angeboten aus „denkmal an schule” will das Landesamt für Denkmalpflege kommenden Generationen die Möglichkeit geben, die Vergangenheit in ihre Zukunft mitzunehmen.

„Fachwerk allumfassend” mit der Paul-Klee-Schule in Celle

Mit der Paul-Klee-Schule in Celle als Kooperationspartner konnte ein passender Partner für das neue Pilotprojekt gewonnen werden. „Gemeinsam Leben lernen – auf bunten Wegen”, das ist das Motto der Schule, mit dem sie ihre Schüler auf ihrem Lebensweg individuell begleitet, fördert und unterstützt, im Sinne einer selbstständigen, sinnerfüllten und eigenverantwortlichen Lebensführung. „Fachwerk allumfassend” unterstützt den Anspruch der Schule, den Schülern mit besonderem Unterstützungsbedarf vielfältige, individuelle Lernwege – ihren unterschiedlichsten Kompetenzen entsprechend – anzubieten. Fünf Mädchen und fünf Jungen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren werden das Projekt mit Leben füllen.

Die Stadt Celle mit weit über 300 Fachwerkhäusern allein in der Innenstadt bildet nach Meinung der Akteure eine wunderbare Kulisse mit viel authentischem Anschauungs- und Lernmaterial, um sich den Aufgaben des historischen Fachwerkbaus, dem Leben in diesem Umfeld und der Stadtgeschichte zu nähern.

Das Landesamt für Denkmalpflege hat in enger Zusammenarbeit mit der Kunsthistorikerin Meggie Hönig und der Paul-Klee-Schule Celle ein facettenreiches Programm für die Projekttage „Fachwerk allumfassend” entwickelt. Für die Umsetzung des Pilotvorhabens stehen zwei ausgewiesene Fachleute aus Celle zur Verfügung: Herr Dietrich Klages, Ehrenvorsitzender des „Kulturkreis Fachwerk im Celler Land e.V.”, und Zimmermeister Jörg Reinstorf, der mit seinem Unternehmen Holzwerk für größte Sorgfalt und Sachkenntnis bei der Sanierung von Fachwerkgebäuden steht. Der Kunst- und Werkunterricht mit den engagierten Lehrkräften Skirmante Borsette und Frank Töller ist die Plattform, auf der die verschiedenen Aufgaben im Thema Fachwerk er- und bearbeitet werden.

Beginnend mit dem 26. April 2017 ist für sieben Wochen ein abwechslungsreiches Projektpaket geschnürt worden. Die Projekttage finden wöchentlich jeweils am Mittwoch statt und erwarten die Schüler mit spannenden bau- und stadtgeschichtlichen Informationen. Unter anderem: eine besondere Stadtführung mit Erläuterungen zur Grundkonstruktion eines Fachwerkhauses, zu Schmuckformen und der Bedeutung von Inschriften. Oder die Schüler stellen Holznägel und Fachwerk selbst her, bauen den Altenceller Kirchturm mit Haselnussruten und Kabelbindern nach und errichten ein kleines Fachwerkmodellhaus.

Eine Exkursion zum Museumshof Winsen unterstützt das Verständnis für das Leben damals wie heute und zeigt den Weg vom Baumstamm zum Fachwerkhaus auf. Ein besonderer Höhepunkt soll der ganztägige Ausflug zum Freilichtmuseum am Kiekeberg in Rosengarten bei Hamburg werden

Am Freitag, den 9. Juni findet von 10.00 bis 12.00 Uhr die Abschlusspräsentation statt. Die Schüler stellen die Ergebnisse der Projektarbeit vor, insbesondere die selbst hergestellten Fachwerk-Arbeiten, und zeigen, welche theoretische Kenntnisse, welche handwerklichen und praktischen Fähigkeiten sie erworben haben.

Begleitende Ausstellung mit Werken von Horstheinrich Erlemann

Die gesamten Projektwochen werden begleitet durch eine thematisch passende Ausstellung: Der 1939 in Celle geborene Künstler Horstheinrich Erlemann zeigt detailreiche Zeichnungen mit Fachwerkmotiven aus Celle, aber auch aus Süddeutschland und dem Elsass. Die Ausstellung wird am 25. April in der Paul-Klee-Schule eröffnet und macht das Thema Fachwerk für die gesamte  Schule allgegenwärtig.

Inklusion als Menschenrecht für Menschen mit Behinderung

Die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft von Menschen mit Behinderung ist der Leitgedanke der UN-Behindertenrechtskonvention und findet auch im Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz Berücksichtigung. Demnach ist es in einer inklusiven Gesellschaft normal, verschieden zu sein. Jeder ist willkommen. “Und davon profitieren wir alle: zum Beispiel durch den Abbau von Barrieren, damit die Umwelt für alle zugänglich wird, aber auch durch weniger Barrieren in den Köpfen, mehr Verständnis, Offenheit, Toleranz und ein besseres Miteinander. Inklusion gelingt nur, wenn möglichst viele mitmachen – und auch über sinnvolle Wege dorthin berichten. Jeder kann in seinem Umfeld dazu beitragen. Und je mehr wir über Menschen mit Behinderungen wissen, desto eher schwinden Berührungsängste und Vorbehalte”, sagen Doris Olbeter und Meggie Hönig.

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