CELLE. Die Stadt will das Thema offenbar aussitzen – die für den morgigen Umweltausschuss zugesagte Beantwortung von Fragen nach mutmaßlich überzogenen Ausgaben für umstrittene Fahrradbügel findet sich nicht auf der Tagesordnung.  

Wir erinnern uns: neue Fahrradbügel in der Celler Altstadt sollten das Stadtbild verschönern, die alten seien nicht mehr zeitgemäß gewesen. Neben 87 Ersetzte wurden offenbar 100 neue für satte 100.000 Euro angeschafft. So steht es zumindest im Protokoll und seit Aufdecken und Nachfrage seitens CELLEHEUTE redet sich die Stadtverwaltung um Kopf und Kragen, eine Panne folgt auf die andere. 

Viele der neuen Ständer konnten mit einem Handgriff aus der Verankerung gehoben werden, einige sind offenbar ganz verschwunden. Doch die Frage alle Fragen: Wie kann ein einziger Bügel 1000 Euro kosten? Erklärungsversuche seitens der Stadt, u.a. mit einem sogenannten „Klartext-Video“ auf ihrem Facebook-Kanal redeten alles, nur keinen Klartext. Als Schmankerl obendrein wurden – versehentlich, wie es im Nachhinein hieß – die angeblich unzeitgemäßen alten Fahrradständer wieder aufgebaut, um sie keine 24 Stunden wieder abzubauen, als CELLEHEUTE erneut nachfragte.

Keinen Politiker im Stadtrat scheint die Steuerverschwendungs-Posse zu interessieren. Während der FDP-Ratsvorsitzende Joachim Falkenhagen immerhin grübelt und sich nicht „vorstellen kann, dass ein Bügel 1000 Euro kosten soll“, fühlen sich die anderen RatskollegInnen nicht zuständig. „Das ist nicht Aufgabe des Rates“, ist CDU-Vorsitzender Heiko Gevers überzeugt. Ratsherr Oliver Müller (BSG / Die Linke) pflichtet ihm bei: „Es ist nicht Aufgabe der Politik, sich jede Ausschreibung im Detail anzuschauen“, Er halte es allerdings für selbstverständlich, dass die Verwaltung die Fragen „schnellstmöglich und präzise beantwortet.“ Alle anderen Parteien ebenfalls: „nicht zuständig“, 100.000 Euro sind angesichts der Haushaltslage offenbar Peanuts.  

Fragen gestellt hat neben CELLEHEUTE allerdings einzig und allein die AfD über ihren Vorsitzenden Anatoli Trenkenschu. Seine erste blieb erwartungsgemäß unbeantwortet und seine zweite auch. Anfang März, vor drei Monaten, wurden diese gestellt. Erst nach erneuter Anfrage wurde ihm die Beantwortung im Umweltausschuss am Mittwoch, den 6.6., zugesichert. Es gibt da nur ein Problem: Auf der Tagesordnung steht sie nicht. Auf Nachfrage von CELLEHEUTE an die Verwaltung nach den Gründen: Keine Antwort. 

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