Faslam for Future – Bargfeld vertreibt den Winter 

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am So., 09.02.2020 - 19:29

BARGFELD. Das dürfte es dann mit dem Winter gewesen sein. Er kann mit seinem Grau von Dannen ziehen. Die Bargfelder Faslam-Community müsste ihn mit ihren vor Kreativität und Buntheit nur so strotzenden Kostümen und Wagendekorationen und ihrer guten Laune erfolgreich vertrieben haben. Auf diesen Ursprung geht die vorwiegend im nördlichen Niedersachsen verbreitete Tradition des Faslams zurück. Knechte und Mägde zogen verkleidet und mit viel Lärm von Haus zu Haus und sammelten Eier und Wurst, um sie bei einem Fest gemeinsam zu verspeisen, in erster Linie jedoch, um die bösen Geister der kalten Jahreszeit zu vertreiben.

Die Bargfelderin Sandra Stempniewicz hat die Jahreszahl, mit der in dem kleinen Bauerndorf alles begann, sofort parat: „Seit 1891 gibt es den Club Einigkeit“, erläutert sie. Viel Zeit für mehr Erklärungen bleibt nicht, am Faslamwochenende sind die Dorfbewohner beschäftigt. Sie haben sich zu einem bunten Zug formiert, ziehen von Haus zu Haus, werden bewirtet, eine Blaskapelle untermalt musikalisch, parkende Autos der zuschauenden Gäste so weit das Auge reicht. Von der ortsüblichen Ruhe keine Spur, das Dorfevent hat sein Stammpublikum. „Ein übergeordnetes Motto gibt es nicht“, berichtet der zweite Vorsitzende des Clubs Einigkeit, Cord-Hinrich Lübbe, „jede Gruppe hat ihr eigenes.“ „Und das wird geheim gehalten“, ergänzt Dörte Lübbe. Erst heute, pünktlich zum Start um 13 Uhr, kamen wandelnde Litfaßsäulen, gesichtslose Horrorgestalten, Seeanemonen, lebendige Maoams mit Tüllröckchen, Hüterinnen des Eichenhains - dieser bildet den Mittelpunkt des Dorfes – und vieles mehr zum Vorschein.

Auch FFF ist vertreten, Faslam for Future, originell und zeitgemäß, aber in einem Ort, wo Historie auf Zukunft trifft, Brauchtum quasi digitalisiert wird, eigentlich überflüssig. Die Wagen sind mit kleinen Bildschirmen ausgestattet, die Litfaßsäule heißt hier #Litfas(s)lam, Alt und Jung füllen die Tradition mit Leben, Alteingesessene treffen auf Neubürger. Eine von ihnen ist Sisi Rautenberg, 2017 zog sie mit ihrer Frau nach Bargfeld. „Wir kamen aus Frankreich und Köln“, berichtet sie, von daher kennt sie den Kölner Karneval. „Der ist etwas ganz anderes“, antwortet sie auf die Frage nach Gemeinsamkeiten. Gewisse Parallelen wie Umzugswagen und Verkleidungen sind nicht zu übersehen, aber Wurstmaxe und Eierlotto haben sie gewiss nicht. Für Letzteres ist Sisi Rautenberg verantwortlich, sie hat sich gemäß dem Motto „Ei“ kostümiert und verkauft Lose fürs Lotto. „Wer der Zahl der tatsächlich gesammelten Eier mit seiner Schätzung am nächsten kommt, hat Chancen auf einen Gewinn“, erläutert sie mit einem Kopfschmuck, der einen Vorgeschmack gibt auf die Jahreszeit, die den sich langsam verabschiedenden Winter ablösen wird. Auf dem Haar der Bargfelderin thront ein Osternest.