Bundeswehr mietet Lerchenschule – Faßberg baut für 12 Millionen Euro neue Grundschule

Politik Von Susanne Zaulick | am Do., 21.05.2020 - 12:19

FASSBERG. Was tut man nicht alles, um die Bundeswehr am Ort zu halten. Die Gemeinde Faßberg plant derzeit den Bau einer neuen Grundschule für ca. 12 Millionen Euro. Und das, obwohl die bisherige Lerchenschule alles bietet, was für die Beschulung der Faßberger Kinder nötig ist: Großzügiges Raumangebot, Sporthalle, Lehrschwimmbecken und eine Mensa. Gut 3 Millionen Euro wurden in den vergangenen 20 Jahren in das Gebäude investiert.

Doch die Größe der ehemaligen Grund-, Haupt- und Realschule, die jetzt nur noch als Grundschule genutzt wird, ist aus Sicht von Bürgermeister Frank Bröhl ein Problem. Schon lange schwebte ihm vor, die Grundschule in der ehemaligen Peter-Härtling-Schule am Marktweg unterzubringen, einem Bau aus den 30er Jahren, der dem Landkreis gehört und der bis zur Umsetzung der Inklusion als Sonderschule genutzt wurde. Da die Bundeswehr ihre Fachschulgebäude auf dem Fliegerhorst sanieren will, bot sich ein "Deal" an: Die Fachschule der Luftwaffe bekommt den Gebäudekomplex der Lerchenschule vermietet und die Faßberger Grundschule zieht in die ehemalige Sonderschule. Aus den Mieteinnahmen für die Lerchenschule würde man die Härtling-Schule soweit baulich anpassen können, dass sie als Grundschule tauglich wird. So der Plan.

Doch die Rechnung wird nicht wie geplant aufgehen. Ein Gutachten hat im vergangenen Jahr ergeben, dass die Investitionen in die Härtling-Schule weit höher ausfallen würden als anvisiert. „Es wird so teuer, dass man neu bauen kann“, sagt Bürgermeister Frank Bröhl. In erster Linie wären es die Investitionen in den Brandschutz, die hier zu Buche schlagen würden. Vor allem die Decken sind nicht ausreichend widerstandsfähig gegen Feuer. 

Da die Option eines Neubaus schon bei Beauftragung des Gutachtens 2018 bestand, hat man 2019 flexibel reagiert und entsprechend Gelder in den vom Rechnungsprüfungsamt mittlerweile genehmigten Haushalt 2020 eingestellt. 2,75 Millionen Euro können in diesem Jahr für Planung und Baubeginn ausgegeben werden. Bis 2022 rechnet man mit 12,2 Millionen Euro Gesamtkosten für den Grundschulbau. Die Gegenrechnung lautet: „Ein Abzug der über 400 Dienstposten aus der Gemeinde Faßberg könnte einen volkswirtschaftlichen Schaden im siebenstelligen Bereich jährlich für die Gemeinde bedeuten. Zusätzlich zu erwarteten Steuereinnahmeverlusten im mittleren sechsstelligen Bereich...“, wie Bürgermeister Frank Bröhl bereits 2018 in einem Pressegespräch erläuterte.

Mittlerweile ist der Mietvertrag mit der Bundeswehr unterzeichnet. Bis zum Sommer 2023 muss dann die Lerchenschule baulich soweit angepasst werden, dass die Fachschule der Luftwaffe hier einziehen kann und für die Grundschule muss ein neuer Bau bereit stehen. „Die Verwaltung sieht es so, dass ein Schulneubau ein wichtiger Impuls für die Gemeinde wäre“, sagt Frank Bröhl. Der Verwaltungsausschuss hat dem Neubau ebenfalls zugestimmt. Ob der dann allerdings auf dem Areal der Härtling-Schule platziert wird, ist derzeit noch offen. Der Bauausschuss hat sich in seiner jüngsten Sitzung am Mittwoch mit vier potentiellen Standorten befasst: dem Grundstück der Härtling-Schule am Marktweg, erweitert durch ein benachbartes Grundstück der Kirche, wobei laut Kirchengemeinde der Blick auf die Michaelkirche nicht „verbaut“ werden dürfe. Zweite Möglichkeit ist das Gelände des Tennisclubs, das nicht weit vom Marktweg entfernt und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kindergarten Hasenheide liegt. „Auf der grünen Wiese“ gäbe es ebenfalls Möglichkeiten: Neben dem Schwimmbad Herrenbrücke könnte man sich baulich frei entfalten. Und last but not least, ist eine vierte Option, auf dem Gelände der Lerchenschule zu bauen. Dann allerdings müsste der Mietvertrag mit der Bundeswehr wieder gekündigt, neu verhandelt und ein Teil des Grundstücks herausgenommen werden. 

Vertreter von CDU und FDP bekundeten in der Sitzung Sympathie für den Standort in Kindergartennähe. Der liege nicht nur zentral sondern habe mit 17.000 Quadratmeter auch genug Platz für die zweizügige Schule, die rund 3500 Quadratmeter Grundfläche haben wird. Mit dem Tennisverein müssten dann entsprechende Verhandlungen geführt werden. Klaus Glagla sprach sich hingegen für den Standort am Schwimmbad aus. „Wir wollen ein Konzept für die nächsten 50 Jahre“, so das Ratsmitglied der Grünen. Nur hier habe man ausreichend Erweiterungsmöglichkeiten. In der Verwaltung glaubt man hingegen aufgrund des demografischen Wandels eher nicht, dass dieses Potential ausgeschöpft werden muss. Welcher Standort auch immer am Ende „das Rennen“ macht, wird sich für alle Ratsmitglieder schon weit vor 2070 die Frage stellen: Was passiert mit der Lerchenschule, wenn die Bundeswehr ihre Gebäude saniert hat und wieder auf den Fliegerhorst zurückkehrt.