Faßberger Grundschüler auf den Spuren der Luftbrücke in Berlin

Gesellschaft Von Redaktion | am Do., 14.02.2019 - 13:19

BERLIN/FASSBERG. Fast 70 Jahre ist es her, dass das letzte Flugzeug der Berliner Luftbrücke den Fliegerhorst Faßberg verließ, um die letzte von insgesamt 540.000 Tonnen Kohle nach Berlin zu fliegen. Aus diesem Anlass sind in Faßberg für 2019 mehrere Aktionen geplant, um das historische Ereignis zu feiern. Der Höhepunkt wird der Tag der Bundeswehr am 15. Juni 2019 sein, wo gut 30 Rosinenbomber des Typs Douglas C-47 und DC-3 in Faßberg erwartet werden. Im Vorfeld dieses Luftbrückenjubiläums haben die Grundschulen Faßberg und Müden eine gemeinsame Projektgruppe aus Lehrkräften sowie aus Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen gebildet mit dem Ziel, das Faßberger Luftbrückenmuseum kindgerechter zu gestalten.

So sollen unter anderem kleine Filmsequenzen aufgezeichnet werden, in denen die Kinder Erklärungen und Erläuterungen zu dieser Thematik selbst einsprechen. Nachdem die Gruppe bereits einige Male im Luftbrückenmuseum war, um sich mit der Materie auseinandersetzen, wurde als Höhepunkt nun eine dreitägige Projektfahrt nach Berlin durchgeführt. Gemeinsam mit den verantwortlichen Lehrkräften Heike Conrads und Maren Holubek begleiteten Hauptmann Martin Sagehorn und Oberstabsfeldwebel Paul Hicks vom Luftbrückenmuseum das gemeinsame Projektteam in die Hauptstadt.

Die Aufregung der Kinder war groß, als sich der Bus morgens auf die Reise in die Hauptstadt machte. Direkt nach der Ankunft in Berlin ging es um 13 Uhr im Alliiertenmuseum mit dem ersten Programmpunkt los. Kurator Bernd von Kostka wartete bereits auf die 31 Kinder, um sie durch das Museum zu führen. Der Schwerpunkt lag natürlich auf dem Thema Luftbrücke Berlin und zum Ende des Besuchs konnten die Kinder noch Fallschirme mit einer original Herschey Schokolade von der im Alliiertenmuseum stehenden Hastings abwerfen. Der zweite Tag begann mit einem Besuch der West Side Gallery, wo die Kinder einen Blick auf die dort stehenden Segmente der ehemaligen Berliner Mauer werfen konnten. Anfassen, Fotos machen, die bunten Graffiti anschauen und viele Fragen stellen; das stand hier im Vordergrund. Anschließend ging es zum Paul-Löbe-Haus, wo die Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Kirsten Lühmann, die Gruppe erwartete und sich viel Zeit nahm, um die vielen Fragen wie „Haben Sie schon einmal mit Frau Merkel gesprochen, Was haben Sie gemacht, bevor Sie Politikerin wurden?“, geduldig und ausführlich zu beantworten. Ein Besuch des Reichstagsgebäudes und der anschließende weitreichende Blick von der Reichtagskuppel über Berlin rundeten diesen Tag bei herrlichem Wetter ab.

Am dritten und letzten Tag ging es unmittelbar nach dem Frühstück zum ehemaligen Zentralflughafen Tempelhof, wo die Gruppe zunächst durch das geschichtsträchtige Flughafengebäude und über das beeindruckende Außenareal geführt wurde. Danach trafen sich die Kinder und Begleiter mit Mercedes Wild in Tempelhof zu einer Fragestunde. Mercedes Wild wurde bekannt, weil sie als Siebenjährige im Jahr 1948 einen Brief an den damaligen Rosinenbomberpiloten Gail Halvorsen schrieb und ihn bat, Süßigkeiten direkt über dem Haus ihrer Eltern abzuwerfen. Halvorsen selbst erlangte während der Luftbrücke Berühmtheit, weil er kleine Fallschirme mit Süßigkeiten abwarf und den am Flughafen Tempelhof wartenden Kindern mit wackelnden Flügen seine Ankunft signalisierte. „Du fliegst jeden Tag über mein Haus und so erkennst du unser Haus: wir haben weiße Hühner, sie legen keine Eier mehr, weil sie Angst vor Flugzeugen haben. Aber wenn Fallschirme kommen, ist die Welt in Ordnung“, so Mercedes in ihrem Brief.

Es kam jedoch kein Fallschirm, sondern stattdessen ein Päckchen mit Süßigkeiten und es entwickelte sich eine bis heute andauernde Freundschaft mit Gail Halvorsen. Über diese Geschichte wurde zudem ein Buch geschrieben. Die heute 78-jährige Mercedes Wild spricht gerne mit Kindern über diese prägende Zeit der Luftbrücke. Und auch die Faßberger und Müdener Viertklässler hatten viele Fragen an Mercedes Wild zu ihren persönlichen Erlebnissen mitgebracht. So war unter anderem von Interesse, was es während der Luftbrücke zu essen gab und wie das alltägliche Leben in Berlin aussah.

Diese Schülerinnen und Schüler sind Teil einer Arbeitsgruppe, die in Kooperation beider Grundschulen für dieses Projekt verantwortlich ist. Damit die neue, kindgerechte Erinnerungsstätte Luftbrücke Berlin in Faßberg im Mai 2019 eröffnet werden kann, veranstalteten die Grundschulen den Ausflug nach Berlin. Die Kinder sollten dort zunächst ein Verständnis für die Geschichte der Luftbrücke gewinnen und die gewonnenen Informationen in ihr Projekt einfließen lassen. Ziel sei es, so die Erinnerungsstätte Luftbrücke, dass jeder Besucher, egal ob Klein oder Groß, die Hilfsmaßnahmen für die Berliner Bevölkerung 1948/49 nachvollziehen kann.
Text: Paul Hicks