Abriss und Neubau: Faßberger Grundschule soll am Marktweg entstehen 

Politik Von Susanne Zaulick | am Mi., 09.12.2020 - 13:48

FASSBERG. Die neue Grundschule der Gemeinde Faßberg soll am Marktweg gebaut werden. Das hat der Rat gestern Abend mit vier Gegenstimmen (von WGF und zwei CDU-Mitgliedern) mehrheitlich beschlossen. Damit ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einem nicht unumstrittenen Bauprojekt gesetzt.

Zuvor hatten in der Sitzung Stadtplaner Dirk Haas und Architektin Päivi Kataikko-Grigoleit vom Essener Planungsbüro Reflex die Vor- und Nachteile der drei Standorte aufgezeigt, die zuletzt noch im Rennen waren: Der außerhalb des Ortes liegende Standort „Herrenbrücke“ zwischen Ortsgrenze und Schwimmbad, das Areal „Hasenheide“, das an den gleichnamigen Kindergarten angrenzt und derzeit als Tennisanlage genutzt wird, und den „Marktweg“ - Standort der ehemaligen Peter-Härtling-Förderschule (Foto) zuzüglich einer Fläche der ev. luth. Kirchengemeinde. Aus Sicht der Planer und Berater, die in den vergangenen Wochen auch mit Vertretern der örtlichen Politik, Verwaltung und der Grundschule, Workshops zur Meinungsfindung durchgeführt hatten, überwiegen im Marktweg die Vorteile deutlich: Nur hier existiert bereits ein Flächennutzungsplan, der einen Schulbau ermöglicht und scheint der Erwerb des Areals unproblematisch und kostengünstig. Nur hier ist nach Einschätzung von „Reflex“ mit einer Umsetzung des Bauprojektes binnen dreieinhalb Jahren zu rechnen. Für die Hasenheide schätzen die Planer eine Fertigstellung des Schulgebäudes bis November 2025 für machbar, für Herrenbrücke erst für Sommer 2027. Sie stellten zudem klar, dass die Gemeinde bei einem außerörtlichen Schulneubau wie am Standort „Herrenbrücke“ nachweisen müsse, dass das Projekt innerorts nicht realisierbar ist. 

Während sich die Mehrheit des Rates durch diese Darstellung offenbar überzeugen ließ, bekundeten zwei CDU-Mitglieder, dass „Herrenbrücke“ nach wie vor ihr Favorit sei und sie deshalb gegen den Standort Marktweg stimmen würden. Für Korbinian Boksch steht der Fußweg der Schüler zum Sportunterricht (gut 400 Meter) klar im Gegensatz zu einer modernen Schulplanung. „Einen Schulneubau ohne Sporthalle halte ich für ein No-Go“, so der Faßberger, der auch bedauert, dass man sich mit dem Standort Marktweg von vielen Punkten des gemeinsam erarbeiteten pädagogischen Konzeptes verabschiede. Als ältestes Ratsmitglied und stellvertretender Bürgermeister meldete sich Peter Pudschun zu Wort. Auch er wies auf das Potential der Herrenbrücke für die weitere Entwicklung hin. Die Gemeinde möchte dort Sportanlagen bauen und hat dafür Fördergelder beantragt. Die bisherigen Sportplätze innerorts sollen in Faßberg und Müden irgendwann zu Bauland werden, so die aktuelle Vorstellung der Verwaltungsspitze.

Volker Nickel (CDU) als Vorsitzender des Bauausschusses und Michael Gebers, Sprecher der CDU-FDP-Gruppe, zeigten sich einig, dass der Standort am Marktweg aus planerischer und verkehrstechnischer Sicht am besten geeignet sei, auch wenn der Abriss der Härtling-Schule nochmal zusätzliche Kosten verursache. Dafür könne man das Schulgrundstück für einen Euro erwerben, so Gebers. Er erinnerte, ebenso wie zu Beginn der Sitzung Bürgermeister Frank Bröhl, auch noch einmal an den Hintergrund des ganzen mittlerweile sieben Jahre währenden Prozederes: Eine leerstehende Förderschule im Marktweg, eine überdimensionierte Grundschule Lerchenschule, die früher einmal Grund-, Haupt- und Realschüler beherbergt hat und als ausschlaggebender Faktor die Angst vor dem möglichen Kaufkraftverlust von 500 Lehrgangsteilnehmern und Lehrkräften der Fachschule der Luftwaffe, wenn diese nach Sanierung ihrer Gebäude auf dem Fliegerhorst möglicherweise an einem anderen Standort heimisch geworden sein könnten. Den Kaufkraftverlust beziffert die Verwaltung auf rund 2 Millionen Euro jährlich, der Bau der Grundschule wird die Gemeinde nach derzeitiger Schätzung rund 12 Millionen Euro kosten. Zu Buche schlagen wird auch die Sanierung der Lerchenschule, die als Interimsquartier dann ab 2024 der Fachschule als Unterkunft dienen wird.

Neben Angelika Cremer (SPD), die für die SPD-Grünen-Gruppe auf einen „steinigen Weg“ zurückblickte, äußerten sich auch die beiden anwesenden WGF-Mitglieder vor der Abstimmung. „Nach wie vor sind wir der Meinung, dass wir uns das nicht leisten können“, so Torben Wehmeyer, der ähnlich wie Manfred Franzen „unverlässliche Zahlen“ und das Fehlen eines Bodengutachtens beanstandete.