„Es zählt nicht allein die Wirtschaft“ – FDP nominiert Anja Schulz für Bundestagswahl

Politik Von Anke Schlicht | am Di., 23.02.2021 - 11:35

UNTERLÜSS. „Zu einem gesellschaftlichen Leben gehört so viel mehr als Wirtschaft“, sagt Anja Schulz am Montagabend im Bürgerhaus Südheide in Unterlüß. Die FDP-Kreisverbände Uelzen und Celle haben diesen Ort ausgesucht für ihre Mitgliederversammlung des Wahlkreises 44 Celle/Uelzen. Auf der Agenda steht die Nominierung einer Bewerberin für die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag im September dieses Jahres.

Aufgeregt muss die 35-jährige gelernte Bankkauffrau bei ihrem kurzen Vorstellungsreferat nicht sein, denn einen Gegenkandidaten oder -kandidatin hat sie nicht. Souverän trägt die selbständige Finanzberaterin vor, dem unbeteiligten Zuschauer bleibt nicht verborgen, dass Veranstaltungen wie diese für sie nichts Neues sind. Vor vier Jahren trat sie schon einmal an als Direktkandidatin der FDP, und sie ist kommunalpolitisch engagiert. „Ich wollte hautnah erfahren, wie Politik funktioniert“, berichtet Anja Schulz über ihre Beweggründe, mit 27 Jahren der Partei der Liberalen beizutreten. „Meine Eltern wählten anders“, sagt sie lachend im Interview, „aber für mich kam nur diese Partei in Frage. Ein selbstbestimmtes Leben, nicht so viele Vorschriften – das ist mir wichtig, und das bietet die FDP“, sagt sie. In einem kleinen 150-Seelendorf im Landkreis Uelzen wuchs sie auf. „Wir wurden sehr offen erzogen“, berichtet sie über ihre Kindheit. Ihr Bruder kam mit dem Down-Syndrom auf die Welt. „Ich kenne die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen“, begründet sie ihr Engagement in der Arbeit mit beeinträchtigten Frauen und Männern. Auch in anderen sozialen Bereichen ist sie aktiv, sie weiß, wovon sie spricht, wenn sie sagt: „Ich möchte das Ehrenamt mehr in den Fokus stellen.“ In ihrem Vorstellungsreferat ruft sie den Applaus von den Balkonen für die Pflegekräfte zu Beginn der Pandemie vor einem Jahr ins Gedächtnis zurück: „Und was hat sich seitdem verbessert für diese Berufe und für die Erzieherinnen?“, stellt sie rhetorisch in den Raum. Dass sich in diesem Bereich etwas zum Besseren verändert, steht bei ihr ganz oben auf der Agenda. Als weiteres großes Thema benennt sie die digitale Infrastruktur in Deutschland und legt auch hier den Finger in die Wunde: „Wir verlieren international den Anschluss. Die Behörden sind nicht vorbereitet auf die digitale Kommunikation.“ Corona brachte diese Defizite ans Licht, Schulz kritisiert in ihrer Rede: „Verantwortungen werden wie ein Wanderpokal hin- und hergeschoben“, und fragt wiederum rein rhetorisch: „Wofür haben wir eigentlich eine Digitalministerin?“

Zehn Minuten stehen Anja Schulz zur Verfügung für ihre Vorstellung, sie reichen aus, um einen Eindruck zu geben von ihrer Person und ihren politischen Zielen. Ihre 55 Parteikollegen quittieren den Redebeitrag mit anerkennendem Applaus. Für die Nominierung als Direktkandidatin ist die absolute Mehrheit, also 28 Stimmen, nötig. Anja Schulz vereinigt 49 Stimmen auf sich, drei Anwesende enthalten sich, zwei stimmen mit „Nein“, ein Stimmzettel ist ungültig. „Damit ist Anja Schulz gewählt“, verkündet der Vorsitzende der Wahlkreismitgliederversammlung und Landtagsabgeordnete Jörg Bode. Und die frisch gekürte Direktkandidatin kommentiert ihre Nominierung im anschließenden Interview mit: „Ich freue mich und bin gespannt auf das Wahljahr!“

 

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