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Der Dichter ist nicht vergessen

Feierstunde zum 200. Todestag von Ernst Schulze

30.06.2017 - 14:05 Uhr     CelleHEUTE    0

CELLE. Auf dem Hehlentorfriedhof waren rund 50 Menschen zusammengekommen, um des Celler Dichters an seinem 200. Todestag zu gedenken. Die Ernst-Schulze-Gesellschaft hatte zu einer Feierstunde eingeladen, und die Besucher versammelten sich um den Gedenkstein, den der bedeutende Verleger Brockhaus 1855 hier aufgerichtet hatte, lange nach des Dichters Tod.

Zur Einstimmung spielte Dietrich Ackermann auf der Trompete die Melodie eines Liedes, das Franz Schubert zu einem Gedicht von Ernst Schulze komponiert hat: „Im Frühling“. Zur Freude der Anwesenden trug Lothar Haas, Vorsitzender der Ernst-Schulze-Gesellschaft, die erste Strophe dieses Liedes auch im Text vor:

„Still sitz’ ich an des Hügels Hang,
Der Himmel ist so klar,
Das Lüftchen spielt im grünen Tal,
Wo ich beim ersten Frühlingsstrahl
Einst, ach, so glücklich war.“

So war Ernst Schulze, der Dichter der Romantik, gleich zu Beginn im Wort und in Schuberts Musik gegenwärtig.

Dietrich Klatt, Kulturpreisträger der Stadt Celle, lenkte in seiner Ansprache den Blick näher auf den Gedenkstein, einen Findling aus Granit mit einer gusseisernen Tafel: „Wir stehen vor einem großen Stein für einen großen Dichter.“ Klatt betonte, Ernst Schulze sei es in seinen Dichtungen,  vor allem dem großen Versroman „Cäcilie“, seinen zahlreichen Gedichten und dem Versepos „Die bezauberte Rose“, das durch das gesamte 19. Jahrhundert eine große begeisterte Leserschaft gehabt hat, ganz besonders um die Form der Dichtung gegangen. Alte Versformen wie die Stanze habe er traumwandlerisch eingesetzt, seine Verse flössen im einmal gefundenen Rhythmus leicht dahin. Die streng gebauten Sonette läsen sich wie selbstverständlich.

Das Naturgeschehen habe Schulze immer wieder in seine Dichtung einbezogen. In „Die bezauberte Rose“ habe er die rote Rose ins Zentrum gestellt, in die die begehrte Prinzessin durch einen Feenzauber verwandelt werde.

Wenn Schulze auf Sagen und Mythen vergangener Zeiten zurückgegriffen habe, sagte Klatt, und sich so das Ziel gesetzt habe, große Werke zu schaffen, so sei damit auch das Bestreben verbunden gewesen, die Bildung den Bürgern zu öffnen. Nach zwei Weltkriegen aber hätten Schulzes Themen zu anderen Formen gefunden. Heute sei Information und Aufklärung nötig, um das verschüttete Werk Schulzes wieder lebendig werden zu lassen. Dafür sei es gut, zu bedenken, dass Ernst Schulze auch humorvoll, ironisch oder gar bissig die kleinstädtische Gesellschaft Celles beschreibt und die wichtigen Minen von „Neuigkeitskrämern“ oder „schöngeisterischen Karrikaturen“ wortschöpferisch ausmacht.

All dies traf das Empfinden der auf dem Hehlentorfriedhof Zusammengekommenen, die sich auch durch den kräftigen Regen, der eingesetzt hatte, nicht von dem Blick auf den Dichter ablenken ließen. Lothar Haas hob hervor, auf der Gedenktafel seien nur die Worte zu finden: DEM DICHTER ERNST SCHULZE. Haas: „Damit ist alles gesagt.“

Dietrich Klatt schloss seine Ansprache mit den Worten: „Die Stadt Celle sollte stolz sein, einen solchen Bürger hinter ihren Mauern gehabt zu haben. Wir verneigen uns vor ihm.“ In diesem Sinne wurden die Rosen, die in der Feierstunde vor dem Gedenkstein gestanden hatten, einzeln an die Anwesenden verteilt.

Fotos: Peter Müller

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