WATHLINGEN. Zehn Tage nach unserer Anfrage an Feuerwehr und die Samtgemeinde Wathlingen äußert sich nun Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Grube. In einem anonymen Schreiben hatten offenbar Feuerwehrleute das Verhalten ihres Ortsbrandmeisters beklagt. Da sie nach mehreren Jahren kein Gehör gefunden hätten, hätten sie keinen weiteren Weg gewusst, als sich an die Öffentlichkeit zu wenden. In Folge dieses Streits hatte auch der langjährige Pressesprecher Olaf Rebmann gekündigt. Während er und die aufgebrachten Feuerwehrleute von Wathlingens Bürgermeister Torsten Harms Verständnis erfahren, stellt sich Grube demonstrativ hinter den Ortsbrandmeister und klar, dass „der Träger der Freiwilligen Feuerwehr die Samtgemeinde Wathlingen und nicht die Gemeinde ist“. Wir geben Fragen und Stellungnahme wie gewohnt ungekürzt und unkommentiert wieder.

1. Ist unsere bisherige Berichterstattung korrekt, stimmen die Vorwürfe gegenüber dem Ortsbrandmeister?

Ihre bisherige Berichterstattung ist in Teilen korrekt. Der Ortsbrandmeister hat am 16.01.2018 die Drehleiter der Samtgemeindefeuerwehr ohne entsprechende Fahrerlaubnis zum Einsatzort gefahren. Durch die Alarmierung mussten der Ortsbrandmeister sowie vier wartende Kameraden davon ausgehen, dass für den Betroffenen jede Minute von großer Bedeutung ist. Dennoch warteten sie einige Zeit und versuchten telefonisch einen Fahrer zu organisieren. Als sie sich entschieden hatten, die Drehleiter zum Einsatzort zu fahren, war keine Person mit entsprechender Fahrerlaubnis anwesend. Nachweislich (Zeugenaussagen und Einsatzbericht) kam der erste Kamerad mit der Fahrerlaubnis für die Drehleiter erheblich später am Gerätehaus an. Leider enthält das anonyme Schreiben eine Vielzahl von Unwahrheiten und Unterstellungen. Das Fahren ohne entsprechende Fahrerlaubnis stellt eine Straftat dar. Wenn ein Menschenleben in Gefahr ist, kann dies zur Hilfeleistung (Nothilfe) allerdings gerechtfertigt sein. Das Risiko trägt der jeweilige Einsatzleiter, da er neben der rechtlich umstrittenen Lage auch den Versicherungsschutz riskiert.

2. Im anonymen Schreiben wird nur ein mutmaßliches Vergehen genannt, aber darauf hingewiesen, dass es mehrere gab. Das wurde auch von Bürgermeister Harms bestätigt. Welche waren das?

Der Samtgemeinde Wathlingen ist kein anderes derartiges Vergehen bekannt. Bekannt ist, dass das Fahrzeug auf dem Grundstück zur Reinigung/Wartung aus der Halle gefahren wurde.

3. Falls Sie diese nicht nennen wollen oder dürfen – was hat die Samtgemeinde in den Jahren/Monaten davor unternommen, um Schaden von der Feuerwehr und der Gemeinde abzuwenden?

Die Feuerwehrführung hat das Handeln nach dem Einsatz thematisiert. Im Übrigen handelt es sich um eine Personalangelegenheit, die wir grundsätzlich nicht öffentlich diskutieren.

4. Falls die Gemeinde nichts unternommen hat, warum nicht?

Verweis auf Frage Nr. 3

5. Was tut die Gemeinde jetzt im aktuellen Fall, um die Angelegenheit zu klären und zu lösen?

Die Samtgemeinde Wathlingen hat mit den betroffenen Personen Gespräche geführt und den Sachverhalt aufgeklärt. Ob der Gefahrengrad, die gute Absicht der Hilfeleistung und das vorliegende Maß an Gefährdung für Leib und Leben des Bürgers als Rechtfertigungsgrund ausreicht, müssen die zuständigen Organe beurteilen. Zudem wird am 05.03.2018 eine Dienstversammlung der Ortswehr unter der Leitung des Kreisbrandmeisters stattfinden.

6. Warum hat Pressesprecher Olaf Rebmann sein Amt niedergelegt? Welche Gründe wurden genannt? Gab es hier im Vorfeld Versuche zu einer einvernehmlichen Lösung?

Olaf Rebmann hat sein Amt als Fachberater für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Freiwilligen Feuerwehr der Samtgemeinde Wathlingen nach langjähriger hervorragender Arbeit für uns überraschend niedergelegt. Herr Rebmann bemängelte, dass die Kommunikation mit der Presse in dieser Angelegenheit über die Feuerwehrführung und den Samtgemeindebürgermeister erfolgte. Dies sahen wir als notwendig an, da es sich um eine Personalangelegenheit handelt. Das Vorgehen entspricht im Übrigen unserer Dienstvereinbarung vom 06.01.2015.

7. Stimmt es, dass Sie als Samtgemeinde Herrn Rebmann untersagt hat, hier selbst Auskunft zu geben? Wenn ja, warum?

Herr Rebmann kennt die bestehende Dienstanweisung, nach der sich neben dem Samtgemeindebürgermeister und dem Gemeindebrandmeister nur der Fachberater für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Freiwilligen Feuerwehr der Samtgemeinde Wathlingen zu Belangen der Samtgemeindefeuerwehr äußern darf. Mit Aufgabe dieses Amtes zum 01.03.2018 entfällt dieses Sonderrecht.

Unserer Auffassung nach war in diesem besonderen Einzelfall dieses mutmaßliche Fehlverhalten des Ortsbrandmeisters gerechtfertigt.

Nach CelleHeute-Informationen wird es heute Abend eine außerordentliche Mitgliederversammlung der Wathlinger Feuerwehr geben.

„Hauen und Stechen“ – Führungskrise bei Wathlinger Feuerwehr

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