HERMANNSBURG. Zu einem besonderen Filmabend am 18. Juli um 19 Uhr im Hermannsburger Ludwig-Harms-Haus lädt das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) ein: im Rahmen seiner Wechselausstellung „Befreit!“ mit Bildern von Solomon Raj zeigt es den preisgekrönten äthiopisch-amerikanischen Spielfilm „Das Mädchen Hirut“ – die Geschichte einer Brautentführung, die in Äthiopien heftige Diskussionen auslöste.

Die Geschichte, die der Film erzählt, ist so authentisch wie der kulturelle Hintergrund, vor dem er spielt: Es ist das Jahr 1996. Die 14-jährige Hirut wird auf dem Schulweg unweit von Addis Abeba von mehreren Männern entführt. Einer von ihnen vergewaltigt sie, in der Absicht, sie zu heiraten. In manchen ländlichen Gegenden Äthiopiens erlaubt die alte Tradition der „Telefa“, die Braut vor der Eheschließung zu entführen. Hirut allerdings kann fliehen und erschießt in Notwehr ihren Peiniger. Doch sie wird wegen Mordes angeklagt, ihr droht die Todesstrafe.

Regisseur Zeresenay Mehari erzählt in seinem Film über den Kampf eines äthiopischen Mädchens um Gerechtigkeit, unterstützt von der Anwältin Meaza Ashenafi, die Frauen und Kindern in Not kostenlosen Rechtsbeistand leistet. Im Laufe des Films wird deutlich: Es geht bei dem Prozess nicht nur um Hiruts Leben, sondern auch um den Kampf gegen archaisch anmutende Traditionen und die kulturell bedingte Unterdrückung von Mädchen und Frauen.

Durch den Abend führt ELM-Referentin Gabriele De Bona. Vor dem Hintergrund ihrer Arbeit zum Thema Geschlechtergerechtigkeit in internationaler Perspektive mit besonderem Fokus auf Äthiopien, wird sie an diesem Abend in die Thematik und den Film einführen. „Die ,Telefa‘ ist eine Form von Gewalt gegen Frauen“, so De Bona, dabei das Augenmerk auf das Thema lenkend, das hinter dem in dem im Film verhandelten Fall aufscheint. Erschreckend und verstörend sei die gesellschaftliche Akzeptanz, die Verharmlosung des Gewaltaktes und die Verdrehung der Rollen von Opfer und Täter. „Dieser Fall spielt in Äthiopien, doch Gewalt gegen Frauen findet jeden Tag überall in der Welt statt, auch in Deutschland.“ Damit bietet der Film genügend Gesprächsstoff für die Diskussion, zu der Gabriele De Bona im Anschluss einlädt.

Der Filmabend reiht sich ein in eine Folge von Rahmenveranstaltungen rund um die aktuelle Wechselausstellung mit Bildern des indischen Theologen und Künstlers Dr. P. Solomon Raj ein. Der Eintritt ist frei.

Veranstaltungsort für alle Veranstaltungen: Ludwig-Harms-Haus, Harmsstraße 2, 29320 Südheide/Hermannsburg

Die Ausstellung ist geöffnet: täglich 9 – 18 Uhr, Sonntag ab 14 Uhr

Das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) ist Teil eines großen Netzwerkes, das im Verbund mit 23 Kirchen in 19 Ländern arbeitet. Es engagiert sich personell im Austausch von TheologInnen und Entwicklungsfachkräften zwischen evangelischen Kirchen in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika und unterstützt Projekte seiner Partner finanziell.

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