Weltweit den Gedanken des Friedens verbreiten – Mandala-Schau zieht weiter

Kunst Von Anke Schlicht | am Mo., 19.10.2020 - 17:52

CELLE. Was haben Mandalas mit Frieden zu tun? Diese Frage stellt sich unwillkürlich, wenn wie am Sonntag zu einer Finissage für eine Ausstellung namens „Mandalas für den Frieden“ eingeladen wird. Im konkreten Sinne wohl nicht viel bis gar nichts, zumal Mandalas in der westlichen Welt eine andere Bedeutung haben als in anderen Teilen der Erde. Ausmalbilder mit einer Fülle unterschiedlicher geometrischer Formen firmieren in Europa unter diesem Begriff, mancher mag sich auch an Handarbeitsmuster erinnern, sobald Mandalas zu betrachten sind.

Ihr Ursprung hat jedoch mit der Rubrik Freizeitgestaltung und Deko nichts zu tun. Erstmals war von ihnen im indischen Buddhismus in der Bedeutung von heiliger Kreis, Zentrum, Essenz die Rede. Das Mandala dient im Buddhismus und Hinduismus der Veranschaulichung von Zusammenhängen wie etwa einem religiösen Ritus oder auch des gesamten Universums und darüber hinaus als Meditationsobjekt, dessen Anschauen zu vertiefter Konzentration verhelfen soll. „Mönche malten Mandalas in den Sand, anders als wir integrierten sie das Element der Vergänglichkeit“, erläutert die Erste Vorsitzende des in diesem Jahr ins Leben gerufenen Vereins „Kultur Tri(f)ft“, Sabine Schöllchen. Die Idee, mit Hilfe von Mandalas weltweit den Gedanken des Friedens zu verbreiten, geht auf eine brasilianische Künstlergruppe zurück. „Wir kommen zur Ruhe, wir sind ein ruhiges Friedensland, das ist der Grundgedanke“, erläutert die Vorsitzende. Die Celler Gruppe griff den Gedanken auf, und nun ist Celle Teil dieser internationalen Bewegung, denn dem Aufruf des Vereins, die von ihm herausgegebenen Druckvorlagen zu bemalen, um anschließend eine Friedensbotschaft per Mandala-Kette in Fenstern und an Wänden entlang der Bahnhofstraße und der Trift zu verbreiten, schlossen sich Kindergärten, Schulen, die VHS, Stadtteilmanagements, Firmen, Bibliotheken und viele andere Einrichtungen an. Manche Teilnehmer gingen über das Ausmalen vorgefertigter Muster weit hinaus, fertigten einen Friedenspfahl, beschrifteten ihn mehrsprachig und „rammten ihn wie eine Akupunkturnadel in die Haut der Welt“, wie Sabine Schöllchen die Aktion beschreibt. Andere wie einige Insassen der Justizvollzugsanstalt schufen eine bunte Variante aus und auf Holz, sie fand ihren Platz vor dem Sitz des Kulturvereins an einer noblen Adresse. Ein Hauch von Großbürgerlichkeit umweht den Besucher, sobald er das ehemalige Palais in zentraler Lage und Nähe zum Schloss betritt. In allen Räumen tut sich am Sonntag etwas, Besucher und Künstler stehen beieinander, es wird geredet, musiziert, getanzt und betrachtet. Anschauungsmaterial sind die Ergebnisse der zweiten Säule des Projekts: Jeweils zwei Künstler aus unterschiedlichen Ländern waren aufgefordert, in Anlehnung an ein Mandala ein Objekt künstlerisch zu gestalten. 23 Paare aus 20 Nationen beteiligten sich.

Auch Hevi Yusef mit ihrem Partner Adnan Horo sowie Reinhard und Viktoria Lutsch können dazugerechnet werden, die beiden Paare leisteten ihren Beitrag in ganz besonderer Form, sie begleiteten die Finissage musikalisch und tänzerisch. Die kurdisch-syrischen Musiker gewährten Einblick in den Schatz kurdischer Volkslieder und Reinhard und Viktoria tanzten Tango. „Es findet eine Begegnung statt, alle Gefühle werden ausgedrückt“, erläuterte Reinhard Lutsch das Wesen dieses Tanzes und schloss damit den Kreis zum Inhalt des Projektes. Am letzten Tag der Ausstellung, die nun weiterzieht ins Mehrgenerationenhaus an der Fritzenwiese machte der Verlauf der Finissage noch einmal deutlich, was eine solche Initiative leisten kann, und beantwortet damit gleichsam die Frage, was Mandalas mit Frieden zu tun haben: Sie schaffen Begegnungen zwischen Menschen.