Einsatz für Kirchengemeinden, Geflüchtete oder Kinder - FIT-Studierende absolvierten Praktika

Religion Von Extern | am Mi., 26.02.2020 - 19:58

HERMANNSBURG. Am Ende des Wintersemesters 2019/2020 sind acht Studierende der Fachhochschule für interkulturelle Theologie (FIT) nach ihrem 3 bzw. 6-monatigen Praktikum im In- und Ausland auf den Campus in Hermannsburg zurückgekehrt, um ihre Erlebnisse und Erfahrungen zu reflektieren und darüber zu berichten. Sowohl das Praktikum als auch der öffentlich zu haltende Bericht zählen zu den verbindlichen Studienleistungen.

Die meisten Studierenden haben das Praktikum in Deutschland verbracht. Eine Studierende, Ilze Reitere aus Lettland, ist nach Minneapolis in den USA gereist, um dort in einer lettischen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde herauszufinden was es bedeutet, das Pastorenamt auszuüben. Dort hat sie Bibelstudium und Unterricht in der lettischen Sonntagsschule erteilt, bei Gemeindeaktivitäten mitgewirkt, an Sitzungen teilgenommen, aber auch in Gottesdiensten gepredigt. Das Predigen waren für sie auch insofern sehr besonders, als Frauen in der lutherischen Heimatkirche in Lettland vom Pfarramt ausgeschlossen sind.

Ebenfalls in eine Kirchengemeinde hat es Jessica Izzo aus Deutschland gezogen: Sie hat Dienst in der Berlin International Community Church (BICC) getan und dort in verschiedenen Teams geholfen sowie Veranstaltungen organisiert  Als Angehörige der ev.-luth. Kirche wollte sie wissen, wie die interkulturelle Kirchengemeinde das Gemeindeleben gestaltet. Ihr Fazit: Durch Offenheit gegenüber Menschen anderer Herkunft und anderen Glaubens gelingt es der Freikirche, die Gemeindemitglieder an sich zu binden und zu einer Einheit zusammenwachsen zu lassen. Die kulturelle Diversität der Besucher wird nicht als Problem, sondern als Bereicherung angesehen. „Die Besucher kommen zum Gottesdienst, und sie bleiben wegen der Menschen“, fasst Frau Izzo es zusammen. 

Auch Timi Akemi hat sich für ein Praktikum in einer Kirchengemeinde entschieden: Als Nigerianer mit freikirchlichem Hintergrund wollte er sich in einer Gemeinde der Bremischen Evangelischen Kirche einbringen. In der Vereinigten Evangelischen Gemeinde Bremen-Neustadt hat er verschiedene Felder der klassischen Gemeindearbeit kennengelernt: Kinderbetreuung, Bibelgruppe, Konfirmandenunterricht, ein Café, Flüchtlings- und Behindertenarbeit, Gruppenangebote für Frauen und Senioren sowie Projekte der Nachbarschaftshilfe. Die Vielfalt der kirchengemeindlichen Aufgaben war eine wichtige Erfahrung für ihn.

Bei der Freiwilligenagentur KELLU Celle wollte Bhawana Gattani aus Indien sich informieren, wie ehrenamtliches Engagement bei einem städtischen und damit öffentlichen Träger in Deutschland organisiert wird. KELLU informiert, berät, und vermittelt sowohl Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, als auch Institutionen, die mit Freiwilligen zusammenarbeiten möchten. Konkret hat sie dabei mitgeholfen, öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen zu organisieren, Werbematerial zu gestalten und den Kontakt zu Freiwilligen zu pflegen. Besonders beeindruckt hat Frau Gattani die große Bereitschaft in Deutschland, sich ehrenamtlich zu engagieren. 

Auf überwiegend ehrenamtlichem Engagement beruht auch der Verein „Rückenwind für Leher Kinder e.V.“, bei dem Heike Knebel aus Brasilien ihr Praktikum abgeleistet hat. Der Verein macht in einem sozial schwachen Stadtteil Betreuungs- und Freizeitangebote für Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren. Heike Knebel hat die Kinder beim Spielen oder Erledigen der Hausaufgaben betreut und erfahren, welch wichtige stabilisierende Wirkung die Einrichtung für die Familien und das gesamte Viertel hat. Als sehr positiv empfand sie, wie in dem Verein Teamwork praktiziert wird. Die Arbeit mit den Kindern hat ihr so viel Freude gemacht, dass sie sich das auch für ihre berufliche Zukunft vorstellen könnte.

Persönlich berührende Erfahrungen hat Sarah Alupo aus dem Süd-Sudan in ihrem Praktikum gemacht. In der Remenhof gGmbH in Braunschweig hat sie sich in der Betreuung von in Obhut genommenen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen engagiert. Zu ihren Aufgaben gehörte die Begleitung der Flüchtlinge im Alltag. Da sie vor einigen Jahren selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist, konnte sie sich in die Nöte, Ängste und Traumatisierungen der betreuten Jugendlichen gut einfühlen. Aber auch ihr im Studium an der FIT erworbenes Wissen darüber, wie man den Umgang von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen gestalten kann, war hilfreich.

Corelleta Kaseke aus Simbabwe hat ihr Praktikum bei KON-TIKI Bildungs- und Erlebnisplanung Heiligenthal absolviert, einer Einrichtung, die informelle Besucherprojekte analysiert und entwickelt sowie Evaluationen und Besucherforschung betreibt. Frau Kaseke hat sich intensiv mit der Optimierung von Besucherprojekten wie z.B. Ausstellungen beschäftigt. Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit war die Datenanalyse und die computerunterstützte Optimierung von Evaluationsprozessen. Geholfen haben ihr dabei die im Studium an der FIT erworbenen Kompetenzen im Bereich Projektmanagement. Die Optimierung informeller Bildung kann auch für Kirchen in ihrer Funktion als Träger von Bildungsaktivitäten attraktiv sein.

Bei der Missionsakademie der Universität Hamburg, einem als Stiftung organisierten Begegnungs- und Studienort mit dem Schwerpunkt ökumenische Theologie und interkulturelle Begegnung, hat Sylvia Afari aus Ghana verschiedene Einblicke in die Arbeit eines Anbieters von akademischer Fortbildung sowie Veranstalters von Konferenzen gewonnen. Als studentische Hilfskraft hat sie Literaturrecherche erledigt und als Büroassistentin Tagungen, Exkursionen sowie Meetings mitorganisiert. 

Den Studierenden bietet das Praktikum Gelegenheit nicht nur zur praktischen Anwendung ihres im Studium an der FIT erworbenen Wissens, sondern auch zur Bewährung in möglichen Berufsfeldern. Mehrere FIT-Studierende haben nach Abschluss ihres Studiums bei ihrer ehemaligen Praktikumsstelle inzwischen eine Anstellung erhalten, teilt die Fachhochschule mit.