CELLE. Arbeit zu finden ist einer der Hauptwünsche vieler geflüchteter Menschen. Die Umsetzung scheitert zumeist an den Kenntnissen der deutschen Sprache. Für Asylbewerber, die nicht aus den bevorrechtigten Ländern Syrien, Iran, Irak, Eritrea und Somalia stammen, sind zurzeit die sogenannten berufsbezogenen ESF-BAMF-Sprachkurse die einzige Möglichkeit, ein höheres Sprachniveau zu erlangen. Doch die Förderperiode für die Kurse läuft Ende 2017 aus.

„Wer noch teilnehmen möchte, sollte sich schnellstmöglich bei uns melden“, sagt Evelyn Rzymelka, die gemeinsam mit Reinhard Rohde im Rahmen des Projekts „TAF – Teilhabe am Arbeitsmarkt“ geflüchtete Menschen an der Volkshochschule (vhs) Celle berät. Über die berufsbezogenen Sprachkurse – gefördert durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) – hätten in den vergangenen Monaten zahlreiche geflüchtete Personen Arbeit gefunden. In Celle wurden insgesamt sieben Kurse mit 730 Unterrichtsstunden durchgeführt. „Allein 15 Teilnehmende konnten direkt danach in reguläre Ausbildungsverhältnisse vermittelt werden, sieben in eine reguläre Vollzeitarbeit und weitere Teilnehmende in Minijobs und Maßnahmen zur Einstiegsqualifizierung“, fasst Stephan Sänger, ESF-BAMF-Projektmitarbeiter an der vhs Celle, zusammen. Der Erfolg der sechsmonatigen Deutschkurse liege in deren berufsbezogenen Aufbau: Neben Deutschkenntnissen werden auch Fachkunde, Bewerbungstraining und Berufspraktika vermittelt. Am Ende steht eine Prüfung des Sprachniveaus B1 oder B2.

„Wir sind überrascht und erfreut, wie offen sich Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gegenüber Geflüchteten zeigen“, betont TAF-Berater Reinhard Rohde. „Wer ausreichend Deutsch spricht, hat aktuell die Chance, einen Ausbildungsplatz oder Arbeit zu finden.“ Umso mehr bedauern die TAF-Berater die Entscheidung, die Förderperiode für die ESF-BAMF-Sprachkurse auslaufen zu lassen. „Die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt ist ein längerfristiger Entwicklungsprozess, der meist mehrere Jahre benötigt“, so Rzymelka. Neben zahlreichen Sprachkurs- und Qualifizierungsvarianten für Menschen aus den bevorrechtigten Ländern Syrien, Iran, Irak, Eritrea und Somalia stünden 2018 für alle anderen lediglich die landesgeförderte Basis-Sprachkurse mit 300 Unterrichtsstunden zur Verfügung, die über ein Vierteljahr laufen. Dies reiche im Zweifelsfall für ein Sprachniveau, das für eine Berufsausbildung oder einen qualifizierten Beruf nötig ist, nicht aus.

Die Nachfrage nach TAF-Beratung ist im letzten Jahr enorm gewachsen. An der vhs Celle wurden seit Beginn 2016 über 470 geflüchtete Personen beraten und unterstützt. Dies ist mehr als in den beiden Vorgängerprojekten – basic und AZF2 – zusammen. „In der Beratung helfen wir, Hindernisse zu beseitigen und einen individuellen Weg in das Arbeitsleben zu suchen,“ so die Projektmitarbeiterin Evelyn Rzymelka. Das Gesamtprojekt TAF besteht seit Januar 2016 und ist ein Verbund der drei Volkshochschulen Celle, Heidekreis und Lüneburg sowie der jeweiligen Landkreise. Es wird gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds.

Deadline für ESF-BAMF-Kurse:
Der Start für den nächsten berufsbezogenen ESF-BAMF-Kurs ist für Mittwoch, 1. November, geplant. Asylbewerber/-innen und geduldete Personen mit Arbeitserlaubnis, die schon über A1-Sprachkenntnisse verfügen, können sich jetzt noch bis Ende 2017 bei TAF melden, um dieses Jahr noch einen berufsbezogenen ESF-BAMF-Sprachkurs zu beginnen. Informationen geben Evelyn Rzymelka und Reinhard Rohde, (05141) 90 73 76 oder e.rzymelka@vhs-celle.de und r.rohde@vhs-celle.de.

„EDV-Basic-Kurs für Geflüchtete“
Der TAF-geförderte Kurs vermittelt Fertigkeiten in Word, Excel und Tastenschreiben. Start ist Montag, 9. Oktober, 8.30 bis 16.00 Uhr, im EDV-Raum der vhs Celle, Trift 20. Voraussetzungen: mindestens Sprachniveau B1 sowie erste Grundkenntnisse am Computer. Der Kurs läuft vom 9. bis 20 Oktober an jedem Wochentag. Infos unter (05141) 90 73 76

 

 

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