Förderung von Vorschulkindern: Stadt Celle ruft eigenes Programm ins Leben

Gesellschaft Von Redaktion | am Di., 01.06.2021 - 09:07

CELLE. Die Auswirkungen der Pandemie auf das Wohl von Kindern und Jugendlichen wird derzeit öffentlich viel diskutiert. Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge hatte schon während des Lockdowns immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass die geltenden Einschränkungen vor allem zu Lasten der Jüngsten gehen. In den vergangenen Monaten habe er sich immer wieder bestätigt gesehen, wenn er die mangelnde Flexibilität des Landes bemängelte – so zum Beispiel beim Beschaffen von Masken oder Tests für Schüler, hießt es aus der Stadtverwaltung. Die Stadt sei kurzerhand selbst tätig geworden.

So verhalte es sich nun auch bei der Unterstützung von Kindern im Vorschulalter, die aufgrund der Umstände wenig bis gar keine Förderung erhalten hätten. "Statt auf den Startschuss einer Bundes- oder Landesförderung zu warten, hat die Stadt Celle proaktiv ein Aktionsprogramm ins Leben gerufen, das Kinder hauptsächlich vor ihrem Eintritt in die Grundschule fördert", so die Verwaltung.

Das bundesweite Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche für die Jahre 2021 und 2022“, das auch rund 200 Millionen Euro Förderung für Kinder und Jugendliche in Niedersachsen vorsieht, werde erst in den nächsten Wochen final ausgearbeitet sein. Gleiches gelte für die Maßnahmenkataloge des Landes.

"Es ist jedoch Eile geboten. Daher geht die Stadt Celle bereits am 1. Juni mit dem eigenen Konzept zur Förderung der Jüngsten zunächst in den eigenen Einrichtungen in die Umsetzung. Das Projekt der „Aufsuchenden Hilfe“ für Kinder im Vorschulalter ist als unterstützendes Angebot insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund im Übergang von der Kita in die Grundschulen zur Überwindung von coronabedingten Schwierigkeiten nach den Kontaktbeschränkungen, zu verstehen. Es soll insbesondere Übergänge von Kitas zu den Schulen in den Fokus nehmen und begleiten", heißt es aus dem Neuen Rathaus.

Ein weiterer Schwerpunkt liege darin, die Familien darin zu bestärken ihren Kindern den Besuch in einer Kindertageseinrichtung zu ermöglichen. „Wir müssen den Kindern, aber auch deren Familien, sofort die bestmögliche Unterstützung anbieten, ohne weiter Zeit zu verlieren“, stellt Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge fest. „Es ist zu befürchten, dass die Kinder sonst durchs Raster fallen und diese Defizite nicht aufholen können. Die Gefahr ist vor allem dann besonders groß, wenn die Familien sich noch nicht in einem Netzwerk zwischen Kita und Grundschule befinden.“  Eben hier setze das Konzept an.

Das von der Stadt Celle initiierte Projekt der aufsuchenden Hilfe für benachteiligte Kita- und Grundschulkinder soll auf den notwendigen Unterstützungsbedarf von Familien reagieren und die Fachkräfte in Kita und Grundschule bei der Bewältigung der immer komplexer werdenden Herausforderungen unterstützen.

„Die Stadt Celle versteht ihr Projekt an der Stelle als ergänzenden Handlungsansatz. Wir sehen, dass es gerade jetzt Impulsen bedarf, um Lerndefizite im Vorschul- und Grundschulalter aufzuholen. Die Angebote sind aber notwendigerweise direkt im familiären Umfeld vor Ort zu unterbreiten. So wird die gesamte Familie betreut und wir sehen vor Ort welche weiteren Bedarfe gegebenenfalls notwendig sind“, erläutert Sozialdezernentin Susanne McDowell.  Das Projekt bilde den Lückenschluss zur bereits bestehenden Schulsozialarbeit und werde ebenso die vorgesehenen Förderprogramme von Bund und Land ergänzen.

Aber darüber werde auch die schulische Infrastruktur nicht vergessen. „Zum umfangreichen Sanierungsprogramm der letzten Jahre ist es uns nun zusätzlich gelungen, weitere Landesmittel zu erhalten, um den Infrastrukturausbau noch stärker voran zu bringen. Davon profitiert der Ganztagsbetrieb der Grundschulen Klein-Hehlen, Vorwerk, Neustadt, Bruchhagen und Altencelle. Insgesamt ist die Stadt Celle mit den genannten Maßnahmen sehr gut aufgestellt. Es ist unsere oberste Priorität, weitere Maßnahmen zu entwickeln und zeitnah umzusetzen, sobald diese finanzierbar sind“, betont Susanne McDowell.

„Leider wird an die Kinder immer zuletzt gedacht. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass sie buchstäblich die nachwachsende Generation sind und damit maßgeblich den Grundstock für die künftige Entwicklung unserer Gesellschaft legen. Daher stehen die Kinder im Mittelpunkt unserer Politik!“ fasst Oberbürgermeister Dr. Nigge zusammen.