"Frauen in der Politik" - Fünf Erfahrungsberichte aus Wathlingen

Politik Von Extern | am Fr., 15.10.2021 - 17:01

WATHLINGEN. "Frauen in der Politik". Zu diesem Thema hatte die Frauenbeauftragte des SoVD-Ortsverbandes Wathlingen, Gisela Siedentop, frisch gewählte Kommunalpolitikerinnen zu einem Frühstück in den 4 Generationen Park in Wathlingen eingeladen. Zur Begrüßung machte sie deutlich, dass ihr die ungleiche Bezahlung von Mann und Frau sowie vor allem die fehlenden Rentenpunkte nach wie vor ein Dorn im Auge seien und sie auf ihrer Ebene alle Hebel in Bewegung setzen werde, um  eine weitere Angleichung der Bezüge für die Frauen zu erreichen.

Nach einem leckeren und reichhaltigen Frühstück, bei dem die Teilnehmerinnen munter plauderten, übernahm der Vorsitzende des SoVD-Ortsverbandes, Jens Meyer, der einzige männliche Vertreter in der Runde, die Moderation der geladenen Diskussionspartnerinnen. Den Beginn machte Kerstin Biedermann, die zwar nicht mehr aktiv im Rat der Gemeinde Wathlingen tätig ist, aber durch ihre eigene Erfahrung und die langjährige berufliche Tätigkeit auf dem Gebiet der Beratung von ehrenamtlichen KommunalpolitikerInnen über einen großen Erfahrungsschatz verfügt. „Während ich zu Beginn meiner Tätigkeit vor zehn Jahren als Frau in den Seminaren auf einsamem Posten stand, sind heute etwa ein Drittel der Teilnehmenden weiblich“, so ihre Erfahrung. Sie machte deutlich, dass dies auch sehr von den umgebenden Strukturen und Traditionen abhängig sei. Je dörflicher, desto geringer sei der Frauenanteil in den politischen Gremien. Und sie ermutigte die Anwesenden selbstbewusst ihre Anliegen vorzubringen und aktiv bei der Gestaltung der Gemeinde mitzuwirken.

Mit ihren 66 Jahren ist Ingrid Kantoks-Albers ein „alter Hase“ in der Runde. „Zu Beginn meiner politischen Laufbahn, hatte ich Null Ahnung, was da auf mich zukommen würde, aber heute finde ich nach wie vor, dass es eine gute Entscheidung war, mich in die Kommunalpolitik einzubringen. Es ist ein sehr interessantes Gebiet, das uns alle unmittelbar betrifft“, erläuterte sie ihre Motivation, warum sie sich erneut zur Wahl gestellt hatte. In den kommenden Jahren möchte sie sich insbesondere für mehr Sitzgelegenheiten im Ort, gerade für die älteren in der Gemeinde sowie für eine bessere Anbindung mit dem ÖPNV nach Ehlershausen, Eicklingen und Wienhausen einsetzen.

Seit zwanzig Jahren ist Petra Sievert-Jünke bereits im Rat der Gemeinde Wathlingen für die SPD aktiv. Politisch geprägt wurde sie von klein auf durch ihr Elternhaus. „Zu sehen, dass man den Ort mitgestalten und etwas bewegen kann, macht mir immer noch große Freude. Deshalb bin ich immer noch gerne dabei,“ so ihr Statement zu ihrer Motivation, sich politisch zu engagieren. Sorge mache ihr die Geschwindigkeit, mit der sich der Ort vergrößere. Ihr besonderes Augenmerk liege darauf, die Entwicklung des Ortes sorgfältig vorzubereiten und die entstehenden Folgekosten, wie z. B. den Ausbau der Kindertagesstätten und die Kapazitätserweiterung des Klärwerks, nicht aus dem Blick zu verlieren.

Suzan Yilmaz, die, wie sie erzählt, durch ihr Elternhaus schon je her sehr sozial geprägt ist, berichtete von den anfänglichen Schwierigkeiten, Ehrenamt und Familie unter einen Hut zu bekommen und zeigte sich glücklich und zufrieden, einen guten Weg von den Anfängen als Elternsprecherin in Kita und Schule hin zur Kommunalpolitik gefunden zu haben. „Die Aufgabe der Frauen in den Familien liegt besonders darin, die Mädchen zu starken Persönlichkeiten zu erziehen und die Jungs zu lehren, mit diesen starken Frauen zu leben und die Gemeinsamkeiten zu entdecken“, so ihr Appell an die Anwesenden. In der kommenden Ratsperiode möchte sie besonders Angebote für Kinder und Jugendliche fördern sowie eine größere Unterstützung und Stärkung für die Erzieherinnen erreichen. „Die besten Ideen und Projekte nützen nichts, wenn sie im Regal verstauben, weil kein Personal da ist, um sie umzusetzen", begründete sie ihre Motivation.

Die Jüngste in der Runde und ein Neuling in der Ratsarbeit ist Anna Olschewski. Als gelernte Altenpflegerin und Inhaberin des Gasthauses „Zur schönen Aussicht“ sind ihr die Schwierigkeiten, die die Vereinbarkeit zwischen beruflicher Tätigkeit, Familie und ehrenamtlichem Engagement mit sich bringen, nicht fremd. „Egal, ob Mann oder Frau, es benötigt immer einen verständnisvollen Partner zu Hause, der einen unterstützt und ermutigt“, lautete ihr Fazit zu ihrem Schritt in die Kommunalpolitik. Ein besonderes Anliegen sei es für sie, Wathlingen so attraktiv zu gestalten, dass sich auch junge Menschen  wohlfühlen und dass es gelingen möge auch für die ältere Generation Betreuungsmöglichkeiten aufzubauen, damit sie nicht im Alter in die Nachbardörfer abwandern müssten, um gut versorgt zu sein.

Auf die abschließende Frage des Moderators: „Wie sähe das Morgen aus, wenn heute Nacht ein Wunder geschähe?“, fanden sich alle Anwesenden in dem Wunsch vereint: „Ich wollte Corona wäre weg bzw. es hätte es nie gegeben!“ Mit der Anregung  der Frauensprecherin, seitens der Politik doch einmal im Jahr eine Bürgerversammlung zu organisieren, endete ein informativer und abwechslungsreicher Vormittag.

Text: Monika Wille