CELLE. Sie hätten eine „freundschaftliche und einvernehmliche Einigung über einen Restitutionsanspruch bezüglich einer Tapisserie erzielen können“. Das haben heute die Stadt Celle und Marei von Saher als Erbin in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Zu den Hintergründen teilen die Celler Museen unter Leitung von Dr. Jochen Meiners mit:

Marei von Saher ist die alleinige Erbin Jacques Goudstikkers, einem renommierten holländischen jüdischen Kunsthändler, dem die Tapisserie gehörte. Kurz vor der Invasion der Nationalsozialisten im Mai 1940 konnte Jacques Goudstikker fliehen, er musste aber auch diese Tapisserie zurücklassen. Anschließend wurde die Tapisserie an Hermann Göring zwangsverkauft und über das Auktionshaus Hans W. Lange im Dezember 1940 von der Stadt Celle erworben. Das Bomann-Museum, in dessen Ausstellung im Residenzmuseum im Celler Schloss die Tapisserie ausgestellt ist, startete mit großzügiger Unterstützung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste im März 2016 ein Provenienzforschungsprojekt mit dem Ziel, die Gegenstände, die zwischen 1933 und 1945 in den Museumsbestand übergingen zu identifizieren und auf deren Herkunft zu untersuchen. Dabei stellte das Bomann-Museum fest, dass die Tapisserie in Jacques Goudstikkers Arbeitszimmer in seinem Schloss Nijenrode hing. Angesichts dieser Erkenntnis sprach das Bomann-Museum Frau Marei von Saher über ihre Rechtsanwälte von Herrick Feinstein LLP, New York an. Unter Vermittlung ihrer Rechtsanwälte konnten die Parteien sich heute über die Restitution der Tapisserie an Frau von Saher verständigen.

Die Erbin kommentiert den Vorgang wie folgt: „Es ist ermutigend zu sehen, dass die Stadt Celle und das Bomann-Museum das Richtige gegenüber den Opfern der Nazis und ihren Familien tun. Ich bin dem Bomann-Museum sehr dankbar, dass es sich zu dem Provenienzforschungsprojekt entschlossen hat und nun die Tapisserie an die Familie von Jacques Goudstikker zurückgeben möchte. Zugleich hoffe ich, dass die Restitution dieser Tapisserie auch andere Institutionen und Sammler veranlasst, in gleicher Weise so verantwortungsvoll zu handeln, wenn sie mit unrechtmäßig durch die Nazis enteigneten Kunstwerken in ihrer Sammlung konfrontiert werden. Da das Bomann-Museum keine zweite Tapisserie in dieser Qualität besitzt fragte es an, ob ich bereit sei, die Tapisserie dem Museum zu verkaufen. Infolgedessen ist gewährleistet, dass die Tapisserie auch künftig im Bomann-Museum ausgestellt wird”.

Dr. Jochen Meiners, Museumsdirektor der Celler Museen erklärte: „Wir haben einen unabhängigen Provenienzforscher engagiert, der den gesamten Museumsbestand aus der NS-Zeit überprüft. Wir wollen wissen, ob wir Kunstwerke identifizieren können, die Personen durch Enteignung, Zwangsverkäufe oder auf andere Weise verloren haben, weil sie aus rassischen, politischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen verfolgt wurden. Wir freuen uns, dass Frau von Saher uns diese wunderbare Tapisserie überlässt“.





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