NIENHAGEN. „Beratung zu umfangreichen Baumpflegemaßnahmen auf dem Friedhof Nienhagen“ lautete der 13. Tagesordnungspunkt in der  Sitzung des Rates der Samtgemeinde Wathlingen in dieser Woche. Anstelle von Pflegemaßnahmen stand jedoch die Fällung der Lindenallee, die zur Friedhofskapelle führt, zur Debatte. „Gepflegt“ worden seien die 27 Bäume, die ca. 50 bis 60 Jahre alt sind, bereits in der Vergangenheit – „und zwar zu Tode“, wie Bürgermeister Jörg Makel meint. Er sieht sowohl das bisherige Vorgehen der “ behördlichen Pflege“, als auch die jetzt beschlossenen Fällung und Bereitstellung von Geldern für neue Bäume kritisch: 500 Euro pro Baum seien zu wenig. „Ich werde weiterhin fordern, dass jeder gefällte Baum mit mindestens einer Ausgleichsmaßnahme im Wert von 1500 € ausgeglichen wird“, kündigt Nienhagens Bürgermeister an.

Seinen Standpunkt begründet er folgendermaßen:

„Vor einigen Jahren hat man es wohl für richtig  gehalten, die Kronen der Bäume einfach abzusäbeln, also als “ Pflegeschnitt“. Das Ergebnis war, dass die Bäume überleben wollten und seitlich stark ausgetrieben haben. In die Sägestümpfe drang aber Wasser, so dass Pilze, Insekten usw. den Bäumen zusetzten und nach Meinung der Verwaltung jetzt die Bäume entfernt werden müssen. Man befürchtet, dass sie umfallen könnten. Damit wird eine historisch gewachsene Allee, die für unser Ortsbild  prägend ist, beseitigt. Zunächst sollen 14 Bäume gefällt und durch Jungbäume mit einem Stammumfang von 25 cm ersetzt werden. Die Altbäume haben einen Durchmesser von 80 cm und mehr, jeder dieser Bäume speichert in seinem Holz 1,5 Tonnen CO2.

Der Aussage, dass man aus Gründen der Sicherungspflicht  die Bäume entfernen muss, kann ich nicht begegnen. Das  ist ein Argument, da kann man ja schnell jeden Baum umsägen. Dass die Bäume aber in diesem Zustand sind, haben wir selbst verursacht und dann kann und darf man sich aus meiner  Sicht nicht einfach davon stehlen, und für 500 € pro Baum einen Ausgleich vornehmen. Jeden Grundeigentümer, der einen Baum beseitigen will oder muss, fordern wir zu gleichwertigem Ersatz auf, in Nienhagen ist in der Regel ein Baum mit 1000 € zu ersetzen. Was  wir vom Bürger verlangen, muss ja wohl für uns als Gemeinde das Mindeste auch sein und als gutes Vorbild sollten wir wohl auch noch darüber hinaus gehen. In Nienhagen verfahren wir jedenfalls auch genau so.

Im Samtgemeinderat haben wir jetzt für die ersten Maßnahmen 8000 € bereit gestellt, es wurde aber beschlossen, dass sich der Fachausschuss demnächst über weitere Ausgleichsmaßnahmen in Zusammenhang mit diesen Fällungen befasst.

Ich werde weiterhin fordern, dass jeder gefällte Baum mit mindestens einer Ausgleichsmaßnahme im Wert von 1500 € ausgeglichen wird, damit könnten wir für jeden gefällten Baum drei neue Bäume mit Stammumfang von 25 cm pflanzen. Die Allee vor der Kapelle ist aber ab Herbst auf Jahre erstmal verschwunden, sie wurde sozusagen behördlich totgepflegt!

Auch der jetzt erzielte Kompromiss, dem ich mit großen  Bedenken zugestimmt habe, schließt für mich das Thema noch nicht ab. Ich werde nach weiteren Möglichkeiten suchen, den durch Fällung der Bäume erzeugten ökologischen Schaden zusätzlich auszugleichen, vielleicht über Baumpatenschaften, mit denen wir das eine oder andere auffangen können.“

In der Sitzungsvorlage der Verwaltung wird der Sachverhalt folgendermaßen beschrieben:

„Die ursprünglich 16 Linden wurden in den 80er Jahren auf Grund von Vorschädigungen gekappt. Linden sind schlechte Kompensierer, will heißen: Schnittstellen, hier besonders die großen, können nur sehr langsam oder gar nicht überwallt werden. Die Folge ist das Ausfaulen der Schnittstellen z.T. bis in das Kernholz durch Pilze, Bakterien und Insekten. Linden treiben unterhalb der Schnittstellen neue Triebe aus, die mit den Jahren die gleiche Stärke erreichen wie ein normal gebildeter Ast. Durch das Ausfaulen der Schnittstellen wird die Restwand des Stammes, an dem die neuen Triebe wachsen, immer dünner. Die Folge sind Ab- und Ausrisse. Dies ist durch Maßnahmen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht zu unterbinden bzw. vermeiden.

Die Linden auf dem Friedhof haben zu den Schwachstellen am oberen Stammende weitere Schädigungen an den Stämmen. Alles zusammen kann zum Brechen und Umkippen führen. Bei der Sichtkontrolle war keine Gefahr im Verzug erkennbar. Deshalb wurde die Empfehlung für die Fällung für den Herbst empfohlen. Inzwischen hat es eine weitere Kontrolle eines zertifizierten Sachverständigen gegeben. Dieser empfiehlt die kurzfristige Reduzierung (Rückschnitt wie eine Kopfweide) von 8 Lindenkronen wegen Bruchgefahr. In den Seitenalleen sind drei weitere Linden aufgefallen, die ebenfalls gekappt und eine besser sogar gefällt werden sollten.“

 

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