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"Ein Volk dummer Menschen"

Friedliche Demo gegen rechte Treffen in Eschede

23.09.2017 - 19:50 Uhr     CelleHEUTE    0

ESCHEDE. Etwa 80 Teilnehmer demonstrierten am Nachmittag in Eschede an der Zufahrt zum Hof Nahtz, auf dem seit Jahrzehnten regelmäßig sogenannte Brauchtumsfeste abgehalten werden. Unter ihnen auch ein Enkel von Joachim Nahtz, Jan Stöckmann. Er fand klare Worte und bezeichnete die Teilnehmer auf dem Hof als ein „Volk dummer Menschen“. Zuspruch bekam er dabei von Pastor Wilfried Manneke aus Unterlüss, der sich seit Jahren gegen die rechtsextreme und neonazistische Szene in Eschede einsetzt.

Zu der heutigen Demonstration riefen das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus und der DGB Nord-Ost-Niedersachsen auf. Mit Bannern machten die Organisatoren darauf aufmerksam, dass die so genannten Sonnwendfeste zur konkreten Planung von rechtsextremen, deutschlandweiten Umtrieben ausgenutzt würden. Außerdem kritisieren sie, dass bereits Kinder und Jugendliche, die ebenfalls bei diesen Treffen anwesend sind, mit rechtem Gedankengut infiltriert würden.

Hans-Dietrich Springhorn vom Netzwerk Südheide erinnerte in seiner Rede an die historischen Ursprünge von Erntefesten und mahnte, dass die Nazis unter Goebbels dieses Fest als nationalen Feiertag etabliert hätten, um die ländliche und bäuerliche Bevölkerung noch mehr in das System zu integrieren. Springhorn kritisierte die Gemeindeverwaltung Eschede, die zuständigen Kreisbehörden in Celle und die Landesregierung Niedersachsen, die teilnahmslos zusähen, was in Eschede geschehe.

Marlies Petersen (Bündnis 90/Die Grünen) hingegen könne sich über mangelndes Gehör gerade im Escheder Rathaus und bei den Kollegen auch der anderen Parteien nicht beschweren. Sie gehörte bis vor wenigen Monaten noch dem Escheder Gemeinderat an und wisse, dass jährlich 2000 Euro im Escheder Haushalt als Unterstützung für die Arbeit gegen rechtes Gedankengut, beispielsweise zum Druck für Flyer, verankert sei.

Redebeiträge der Organisatoren wurden immer wieder von lautstarken Trillerpfeifengeräuschen der Demoteilnehmer unterbrochen, wenn ein Auto in die Zufahrt zum Hof Nahtz einbog, durch die anwesende Polizei angehalten und dann durchgewunken wurde.

Enkel Stöckmann, der sich zu den Demonstrierenden stellte, berichtete in einem Gespräch, dass er nachdem er weder Beruf noch Wohnung in Eschede gefunden hätte, den Namen seiner jetzigen Frau angenommen und sich ideologisch von seinem Opa getrennt habe.

„Es läuft nun 100 % besser in meinem Leben“, sagte er. Stöckmann vermutete, dass es viele Escheder gäbe, die gerne bei Treffen auf dem Hof dabei wären, sich aber nicht trauten. Aus früheren Zeiten, zu denen er seinem Opa noch bei der Vorbereitung und Durchführung der Treffen geholfen hatte, wisse er, dass es bei den Treffen Gespräche der „JN“, der Jugendorganisation der NPD sowie des „Wandervogel“ gab, bei denen neue Veranstaltungen geplant wurden.

Gegen 17:30 Uhr war die Demonstration beendet. Die Polizei bestätigt: „Es kam auf beiden Seiten zu keinen nennenswerten Störungen oder Provokationen.“

Text/Fotos: Sascha Alius

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