Friedlicher Protest gegen NPD-Erntefest

Kultur + Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Sa., 25.09.2021 - 18:33

ESCHEDE. Mit einem relativ hohen Aufgebot wappnete sich die Polizei für die angekündigte Demonstration anlässlich einer Erntefest-Feier auf dem NPD-Hof außerhalb Eschedes. Es fanden laut Polizeisprecher Steffen Brümmer parallel Veranstaltungen in Hamburg und Lüneburg statt. Es sei nicht klar gewesen, wie sich die Teilnehmerzahl einpendeln würde. Abschließend sprach die Polizei von 100 Demonstranten.

Weit weniger Personen hatten sich zur Auftaktkundgebung am Bahnhof eingefunden, zu dem das Bündnis gegen Rechtsextremismus Eschede aufgerufen hatte. „Mich ärgert, dass es nur so wenige sind“, sagte eine Einwohnerin des Ortes, während der noch amtierende Bürgermeister vor rund 50 Menschen sprach. Auch der neue Bürgermeister Heinrich Lange war darunter. Wird man seine Handschrift in Zukunft im Vorgehen gegen die NPD deutlich erkennen? „Ich war von Beginn an Mitglied des Bündnisses“, antwortet er knapp. Der Vorsitzende des Bündnisses, Marlon Gollnisch, gab bekannt, dass sich das Konzept zukünftig verändern werde: „Wir wollen niedrigschwellige Angebote im Ort machen, mehr auf die Leute zugehen, zum Beispiel bei Festen oder jetzt im Herbst bei Laternenumzügen.“

Gollnisch marschierte wie etliche andere Escheder auch mit den anderen Protestanten, die sich zunächst hinter dem Bahnhof trafen und dann gen Kreuzung Finkenherd marschieren, um dort einigen Rednern zuzuhören, bevor der rund einen Kilometer lange Weg zum früheren Hof Nahtz angetreten wurde. Das Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus, das Netzwerk gegen Rechtsextremismus sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund hatten diese Form der Gegenwehr angemeldet. Nur vereinzelt fanden sich schwarz Vermummte unter den Demonstranten, Blöcke bildeten sich anders als bei Vorgängerveranstaltungen nicht. Ansprachen hielten der Vorsitzende des Netzwerkes Pastor Wilfried Manneke, der auch sein neues Buch „Braune Wölfe in der Heide“ bewarb, und Jürgen Uebel von der Vereinigung „Bad Nenndorf ist bunt“. Er berichtete von deren erfolgreicher Arbeit, die nach mehrjährigem stetigem Protest dazu führte, dass rechtsextreme Umtriebe ein Ende fanden. „Ohne Verbot“, betonte er, „ich hoffe, dieses wird hier auch gelingen.“

Am NPD-Hof angekommen, erwartete die Demonstranten das Ehepaar Nahtz hinter dem Tor stehend. Dahlien, riesige Sonnenblumen und Astern zieren den Vorgarten. Frau Nahtz möchte nicht mit aufs Bild, aber ein Foto von ihren Blumen darf gemacht werden. „Mein Mann hat gute Erde geholt, er pflanzt und sät“, berichtet sie. Am Zaun hängen Plakate, die über geblieben sind von der Kommunalwahl, für die Manfred Dammann kandidiert hatte. „Dialog statt Hetze“ und „Auf gute Nachbarschaft“ sind darauf zu lesen. Einige junge Leute stehen auf Podesten hinter dem Zaun mit Fotoapparaten in der Hand. Musik wird ausschließlich vor dem Zaun, also von den Demonstranten, abgespielt. Ein schwarz vermummter junger Mann ärgert sich lautstark darüber, dass keiner etwas sagt, als der Zug die wenigen Personen auf dem Hof, die sich zeigen, passiert. Ein paar provozierende Äußerungen fallen, sie bleiben ohne Widerhall. Nach rund einer halben Stunde Aufenthalt tritt der Protestzug den Rückweg an.

Wilfried Mannekes Fazit fällt durchwachsen aus: „Ich bin zufrieden, aber es waren weniger Teilnehmer als sonst.“ Worauf führt er das zurück? „Es kann sein, dass mit der Zeit gewisse Ermüdungserscheinungen eintreten.“