REININGEN. Die Idee erscheint überzeugend: Der Naturschutzbund Deutschland, der sich seit Jahren für den Schutz von Wölfen stark macht, engagiert sich jetzt auch für den Schutz der vom Menschen gehaltenen Beutetiere des Wolfes. Im Rahmen des Projektes „Herdenschutz Niedersachsen“ helfen Ehrenamtliche dabei, Weiden „wolfssicher“ einzuzäunen und andere Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz von Schafen, Rindern und Pferden zu treffen. Ziel der auf drei Jahre angelegten Aktion: Die Akzeptanz für Wölfe soll erhöht werden. Heute stellten die zuständigen NABU-Mitarbeiter gemeinsam mit den ersten Ehrenamtlichen das Projekt auf dem Gestüt von Sabine Oberdieck im Heidekreis vor.

Die Rechtsanwältin züchtet auf ihrem Hof in Reiningen Trakehner. Der Truppenübungsplatz Munster Süd grenzt an die Weide, etliche andere Wolfsterritorien sind nicht weit entfernt. „Wir sind hier mitten in Wolfsgebiet“, erklärt Herdenschutz-Projektleiter Peter Schütte. Der Kontakt zu Sabine Oberdieck kam über den NABU-Arbeitskreis „Pferd und Wolf“ zustande. Obwohl der NABU bei Pferden und Rindern von einer „natürlichen Wehrhaftigkeit“ ausgeht, hat man das Gestüt, um die Schutzmaßnahmen vorzustellen. Denn auch wenn sich erwachsene Tiere gegebenenfalls verteidigen, ist die Situation eine andere, wenn Jungtiere mit dabei sind. „Wir haben schon ein bißchen Angst davor, dass die Mütter ihre Fohlen nicht schützen können“, sagt die Pferdebesitzerin und freut sich über die Unterstützung. In neue Umzäunungen investiere sie jedes Jahr; dieses Jahr habe sie 1000 Euro dafür ausgegeben.

Die praktische Arbeit, unter anderem den Einbau eines Stromgerätes und eine Verbindung von dort zur Fohlenweide sowie das Ziehen einer zusätzlichen Litze 20 Zentimeter oberhalb des Bodens, erledigen die ehrenamtlichen Helfer. Zwei davon sind Gerd Weinmann und Stephanie Borchers. Er arbeite gern draußen und helfe auch bei anderen Projekten auf NABU-Gut Sunder mit, erklärt Weinmann seine Motivation. Stephanie Borchers treibt eher die wissenschaftliche Neugier an. Sie studiert Biologie und schreibt ihre Bachelor-Arbeit über Herdenschutz. „Man kann hier gute Praxiserfahrungen sammeln“, findet die Cellerin.

Wie die Maßnahmen im Einzelnen aussehen, sei sehr unterschiedlich, erklärt Peter Schütte vom NABU. „Jede Weidefläche muss individuell nach verschiedenen Gesichtspunkten wie z.B. Tiergattung, Betriebsabläufe oder Topografie betrachtet werden“, so der NABU-Mitarbeiter. Manchmal müssten Zäune komplett neu gesetzt werden, in anderen Fällen reiche eine zusätzliche Litze oder andere Aufstockungsmaßnahmen. NABU-Projektmitarbeiter beraten Tierhalter auch dahingehend, welche Verbesserungen in Bezug auf wolfsabweisenden Grundschutz notwendig, sinnhaft und machbar seien. Grundsätzlich obliege die Verantwortung für die fachlich korrekte Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen und die Hütesicherheit dem Tierhalter, betont Schütte. Per Gesetz sei er dazu verpflichtet, sich um seine Tiere zu kümmern und der Schutz vor Wölfen gehöre dazu.

Wichtig ist den NABU-Verantwortlichen auch, darauf hinzuweisen, dass das Projekt gerade erst begonnen hat und noch im Aufbau ist. Weitere Ehrenamtliche sind willkommen und werden entsprechend geschult. Peter Schütte ist überzeugt, dass sich reichlich Helfer finden werden. „Viele Ehrenamtliche wollen was machen – und zwar nicht nur Nistkästen aufhängen“, sagt er.

Kontaktaufnahme sowohl für Tierhalter als auch für angehende Helfer ist möglich über www.herdenschutz-niedersachsen.de Natürlich dürfen auch Nicht-NABU-Mitglieder mitmachen.

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