Gasthaus "Zur Post" feiert zehnten Jahrestag der "Wiedergeburt"

Gesellschaft Von Redaktion | am Di., 14.06.2016 - 10:58

SCHARNHORST. Das Gasthaus "Zur Post" in Scharnhorst feiert am 18. Juni den 10. Jahrestag der "Wiedergeburt".  2006 war das Objekt schon seit ca. 2 Jahren zum Verkauf angeboten worden. Es schien den Weg so vieler Kneipen und Veranstaltungsorte gehen zu sollen. Doch der Optimismus und die Tatkraft von zehn beherzten Bürgern ließ aus dem unscheinbaren Objekt eine "Institution" werden. „Heute ist das Gebäude komplett erneuert auf der Höhe der Zeit und es steht wieder stolz und in frischem Glanz da! Im Laufe eines Jahres kommen mehr als 4.000 Gäste zum Feiern nach Scharnhorst", berichtet Rudolf Peters, einer der Scharnhorster Bürger, die das Gasthaus gerettet haben.



Der Niedergang einer weiteren Kneipe mit Saal schien vor zehn Jahren vorprogrammiert: stetig sinkender Umsatz, kein Nachfolger, Krankheit, geänderte Lebensweisen der Gäste. „All das führt seit vielen Jahren überall im Lande zu einem Kneipensterben. Auch das Ende des "Gasthaus zur Post" in Scharnhorst schien besiegelt“, erinnert sich Peters.
Einzig der Stammtisch am Mittwoch sei noch besucht worden. Mal kamen nur vier Leute, hin und wieder waren auch schon mal 12 oder sogar 16 da. Die Angst sei umgegangen, dass es in Zukunft keinen Stammtisch mehr geben würde und auch keine großen Feiern auf dem Saal, der für 199 Personen zugelassen war. Einer der Stammtischbrüder sei schließlich auf die rettende Idee gekommen: "Warum kaufen wir denn nicht den Laden?"

Nach etlichen Wochen der Recherche, Beratungen, Verhandlungen und Werbung um Mitgesellschafter war es so weit: Eine GmbH wurde gegründet: die Scharnhorster Dorf- und Gasthaus GmbH. Die Hälfte des Kaufpreises wurde durch die zehn Gesellschafter gestellt, die andere Hälfte finanzierte eine Bank.

„Allen war klar, dass es ein altes Objekt mit hohem Instandhaltungs- und Modernisierungsstau war“, erinnert sich Rudolf Peters. Dennoch: Es ging erstmal weiter! Die dringendsten Defizite wurden schnell und pragmatisch beseitigt. Der Landkreis Celle und das Bauamt der Gemeinde hätten Geduld und Nachsicht gezeigt, während sich die Gesellschafter ihrerseits alle Mühe gaben, die heutigen Anforderungen an Brandschutz, Fluchttüren etc. zu erfüllen. „Es dauerte nicht lange, da fand sich ein engagierter und begnadeter Hobby-Koch als interessierter Pächter. Hier wollte er einen lange gehegten Traum realsieren: eine Kneipe mit kulinarischen Highlights“, berichtet Rudolf Peters weiter. Die Kreativität und Qualität der Küche im Gasthaus „zur Post“ habe sich langsam rumgesprochen, das Angebot wurde nach und nach angenommen. „Leider reichte der Umsatz auf Dauer trotzdem nicht für den Pächter, um davon leben zu können. Der Pachtvertrag wurde nach drei Jahren aufgelöst und die Gesellschafter verständigten sich darauf, die Kneipe fallweise für kleinere Feiern zu vermieten. Und den Mittwoch-Stammtisch zu pflegen...“, erklärt Peters.

Wesentlich besser entwickelt habe sich die Nachfrage nach dem Saal. Die Gesellschafter und Freunde aus dem Dorf hätten mit sehr viel persönlichem Engagement und materiellen Beiträgen - vom Rollgerüst über Hub- und Frontlader, Anhänger für den Materialtransport, professionelles Handwerkzeug und Fachwissen - den Saal deutlich nach vorn gebracht: die Aussenwände wurden umfangreich wärme- und schallisoliert, die Akustik erheblich verbessert, das Dach neu eingedeckt, eine Gas-Zentralheizung für das ganze Objekt installiert, eine große Raucher-Terrasse angelegt,  Fluchttüren eingebaut, Rauchmelder installiert, neue Theke aufgestellt und last but not least eine website erstellt. Inzwischen haben sich drei Partys fest etabliert: der irische Abend im März, die Scharnhorster Schlagernacht im April und der bayrische Abend im September.

"Damals hielten uns Eltern, Freunde und Bekannten für bekloppte Abenteurer, wir selbst hatten natürlich auch Zweifel. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt", sagt Rudi Peters heute. Die Finanzierung habe man noch nachbessern müssen. Aber mindesens genauso wichtig wie das Geld sei der Glaube an die Zukunft des Objektes und des Dorfes, findet der Scharnhorster
„Wir haben zusammen sehr viel in Eigenarbeit geleistet - durchaus mit unterschiedlichem Engagement). Aber vor allem haben wir ganz großes Glück, dass Doris Dralle die Vermarktung des Saales übernommen hat. Ohne sie wäre das Ganze sicherlich lange nicht so phänomenal gut angekommen. Andererseits bzw gleichzeitig spielte uns das "Kneipensterben" auf dem Lande in die Hände: wir sind hier jetzt eine Art 'Leuchtturm', der auch Gäste aus mehr als 20 Kilometern Entferung anzieht", sagt der Gesellschafter.

Gerade rechtzeitig zum 10jährigen Jubiläum wurde vor 6 Wochen das Dach des Wohnhauses neu eingedeckt, die Fassade wurde renoviert und farblich modernisiert. „Jetzt strahlt das Objekt in neuem, kräftigen Glanz, die Scharnhorster freuen sich gemeinsam über den großen Erfolg dieser langfristige "Rettungsaktion", ist sich Rudolf Peters sicher.

Gefeiert werden soll das „10-jährige“am Sonnabend, 18. Juni, ab ca. 13.00 Uhr bis „open end“. An diesem Tag ist auch Dorffest in Scharnhorst. Außerdem feiert das Tanklöschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Scharnhorst seinen 55. Geburtstag – und ist natürlich voll einsatzbereit! Vorgesehen sind folgende Highlights: Feuerwehr-Musikzug, Löschübung der Jugendfeuerwehr, Ausstellung von Feuerwehrfahrzeugen damals und heute, „…wenn die Musik kommt“ zum Schunkeln& Genießen, Fahrzeugmitfahrten für jung & alt, Kinderbelustigung.
Der Schützenverein Scharnhorst organisiert eine Kaffee- und Kuchentafel, es gibt Schwein vom Grill, „Franks Pizzen“ aus dem Steinbackofen und natürlich Getränke zum Jubiläumspreis! Ausklingen soll der Tag gemütlichen im Biergarten.