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Wandelkonzert auf den Spuren Ernst Schulzes

Gedichte, Briefe, Tagebuchtexte und Musik im Park

20.08.2017 - 08:39 Uhr     CelleHEUTE    0
Foto: Rainer Schiedung

CELLE. Ungewöhnliches war im Park des Landkreises am Freitagnachmittag zu erleben. Nicht Bedienstete der Behörde waren dort beruflich unterwegs und auch nicht Menschen, die ein Amt aufsuchen wollten. Statt dessen gingen Literaturbegeisterte von einem Ort zum anderen, viele mit einem Klappstuhl, setzten sich hin oder blieben auch stehen und hörten Gedichte, Briefe oder Tagebuchtexte des vor 200 Jahren gestorbenen Celler Dichters Ernst Schulze. Umrahmt wurden die Lesungen mit kurzen Musikstücken aus der Zeit Ernst Schulzes, gekonnt gespielt von Schülerinnen und Schülern der Musikschule des CJD Jugenddorfs.

Dass dieses Wandelkonzert unter freiem Himmel stattfinden konnte, war noch kurz zuvor nicht zu erwarten gewesen. Stundenlang hatte es geregnet und die weitere Vorhersage war ungünstig. Aber kurz vor Beginn der Veranstaltung hörte der Regen auf und es kam sogar ein wenig die Sonne durch. Also ging es, vom Kreistagssaal aus, durch den Park. Eingeführt durch Saxophonklänge, stellte Hermann Wiedenroth, bekannter Rezitator aus Bargfeld, vor der Kulisse der hohen Bäume im Park einige Texte vor, mit denen die Zuhörer den Dichter auf Heidewegen begleiten konnten, aber auch nach Göttingen und ins Weserbergland.

Am nächsten Ort, nahe der Trift, vor historischen Gebäuden des Landkreises und in Sichtweite der Ernst-Schulze-Säule, übernahm Uwe Winnacker aus Celle, angetan mit Frack, gelber Weste und hohem schwarzen Hut, nach einem Klarinettenvorspiel die Aufgabe des Rezitators und stellte Texte vor, die von Wanderungen Schulzes im Harz stammen. Unter anderem las er aus einem Brief an den Freund Heinrich Bergmann die Beschreibung der Begegnung mit dem „Brockenmädchen Adelheid“.

Bei einer weiteren Station im rückwärtigen Teil des Parks – hier umrahmt durch ein Querflöten-Duo – rezitierte Hermann Wiedenroth einen Brief Ernst Schulzes an seinen Freund Fritz von Bülow vom 2. September 1810, in dem dieser die Wanderung einer Freundesgruppe von Göttingen zur Burgruine Plesse schildert und dann vor allem ein Rollenspiel als mittelalterliche Gesellschaft mit Minnedienst. Schulze beschreibt sehr vergnüglich, wie er die Rolle des Minnesängers, des Dichters spielt, der die Damen zu unterhalten hatte.

Anschließend ging es dann doch noch in den Kreistagssaal, wo Uwe Winnacker, eingeleitet wiederum von Klarinettenklängen, vornehmlich das Gedicht „Auf dem Hübichenstein“ aus dem April 1816 eindrucksvoll präsentierte, mit seiner schaurigen Stimmung und der Schilderung des Elfs, der traurig klagt: „Und nur die Liebe hab’ ich nicht.“ Hier konnte das Publikum sich zusätzlich daran vergnügen, dass der Rezitator, um die felsige Höhe des Hübichensteins symbolisch anzudeuten, auf eine Leiter stieg und von dort herab las.

Nach erneutem Saxophonspiel konnte Hermann Wiedenroth das Wandelkonzert mit einigen Gedichten abschließen, darunter dem Sonett „Bodenwerder“, in dem Schulze Lebensmaximen poetisch formuliert und das mit den Versen endet:
„Wohl ist der Mensch verstrickt in Schuld und Wahn;
Doch kann der Strahl des Schönen und des Guten,
Wenn auch umwölkt, ihm nimmer ganz entschwinden.“
Die Zuhörer und Mitwandernden des Wandelkonzerts zeigten sich animiert von dem Gehörten und beflügelt von der Atmosphäre dieses Literatur- und Musikerlebnisses in einem angenehmen Park ebenso wie von den Pausen durch den mehrfachen Ortswechsel. Das Empfinden, an einer gelungenen Veranstaltung teilgenommen zu haben, war allgegenwärtig.

 

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