ANNOVER. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) haben die „Gemeine Keiljungfer“ (Gomphus vulgatissimus) zur Libelle des Jahres 2017 gekürt. Sie steht stellvertretend für eine Gruppe von Libellenarten, die sehr stark von intakten Fließgewässern abhängig ist. Bundesweit habe sich die Wasserqualität in Bächen und Flüssen zwar leicht verbessert, doch im Agrarland Niedersachsen sei die Qualität der Gewässer nach wie vor schlecht: Nur 2 Prozent der niedersächsischen Flüsse und Bäche befänden sich in einem guten ökologischen Zustand, so der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND).

Die „Gemeine Keiljungfer“ kommt sowohl in schmalen Bachläufen als auch in großen Flussauen vor. In Niedersachsen findet man sie auch an sandigen Seen wie offen gelassenen Sandgruben mit geeigneter Ufervegetation. Intensive Bemühungen zur Reinhaltung der Gewässer haben dazu geführt, dass die Art in bestimmten Gegenden Niedersachsens wieder häufiger vorkommt. „Sie bleibt jedoch eine Art der sensiblen Ökosysteme und hochempfindlich gegenüber jeglichen Belastungen. Das ‚Umkippen‘ einer Kläranlage könnte beispielsweise den Bestand an einem Bach für mehrere Generationen dahinraffen“, betont Maike Sprengel-Krause, Libellen-Expertin des BUND.

In den sommerkalten Heidebächen kann die Larvenentwicklung im Gewässer bis zu vier Jahre dauern, bis zu vier Generationen könnten somit bei einem Störfall zunichte gehen. In Niedersachsen steht die Art daher seit 1983 auf der Roten Liste (aktuell in der Vorwarnstufe).

Die Libelle des Jahres 2017 gehört zu einer Familie der Großlibellen, den so genannten Flussjungfern („Gomphiden“). Erkennbar sind sie an der schwarz-gelben Körperzeichnung und der besonderen Stellung ihrer Augen. Während bei Kleinlibellen die Facettenaugen weit außen sitzen und sich bei allen anderen Großlibellenarten an einer Stelle treffen, besteht bei den Flussjungfern immer eine kleine Lücke zwischen beiden Augen. Libellen gelten als Bioindikatoren für Qualität und Unterschiedlichkeit der Gewässertypen. Das betrifft ihr langes Larvenleben und ihre perfekt an den Lebensraum angepasste Jagdtechnik. So lebt die Larve der „Gemeinen Keiljungfer“ eingegraben im sandigen Gewässergrund und sucht dort nach ihren Nahrungstieren: Bachflohkrebse, Kaulquappen oder Larven anderer Insekten. Diese erbeutet sie mit ihrer stark verlängerten Unterlippe, der für Libellen typischen „Fangmaske“. Ende April oder Anfang Mai schlüpfen die Libellen, die meist nur bis Mitte August zu beobachten sind. Verwechselt wird die „Gemeine Keiljungfer“ oft mit nahen Verwandten wie der Westlichen oder der Asiatischen Keiljungfer. Von diesen ist sie wegen ihrer durchweg schwarzen Beine zu unterscheiden, die keinen helleren Längsstrich aufweisen.

Seit 2011 küren die Gesellschaft für deutschsprachige Odonatologen (GdO), der Verband der Libellenkundler und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die „Libelle des Jahres“, um auf die Vielfalt der Arten und auf Bedrohungen aufmerksam zu machen. Von den 68 in Niedersachsen heimischen Libellenarten stehen 31 auf der Roten Liste. Vier weitere Arten wurden in die Vorwarnliste aufgenommen.

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