Gemeinsame Sportlerehrung - Verwaltungsausschuss stoppt "Politik-Presse-Nepotismus"

Sport Von Redaktion | am So., 15.09.2019 - 22:06

CELLE. "Eine Hand wäscht die andere" - dieser Spruch gilt im Geschäftsleben wie in der Politik und ist auf den ersten Blick nicht zu beanstanden, wenn es der Sache dient. Eine Zeit lang wurde die Bevorzugung eines lokalen Mediums seitens des Celler Oberbürgermeisters Dr. Jörg Nigge zugunsten positiver Berichterstattung im Celler Rathaus hingenommen und die rechtliche Brisanz ignoriert - doch der neueste Plan ihres Verwaltungschefs ging den Politikern dann doch zu weit.

Vollmundig und mit großen Erwartungen stellte der OB dem Verwaltungsausschuss eine Vorlage aus dem Sportausschuss vor. Zunächst für jeden einsehbar, dann plötzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit im vertraulichen Teil der Sitzung behandelt. Dort erhielt sein Vorhaben nach CELLEHEUTE-Recherchen eine Abfuhr. Darauf angesprochen entgegnete Nigge lediglich: "Es besteht weiterhin Beratungsbedarf." Sein Plan: Eine gemeinsame Ausrichtung der Sportlerehrung der Stadt Celle mit der "CZ". U.a. heißt es in der Vorlage:

"Die Ehrung soll bunter, lauter, aufregender werden. So ist es der Sportverwaltung durch Unterstützung eines Sponsors gelungen, den Ex-Wimbledon-Sieger Michael Stich für die Sportlerehrung im nächsten Jahr zu gewinnen. Nach der Ehrung können sich die Anwesenden u.a. auf ein Meet and Greet und Autogramme freuen."

Für die Umsetzung gebe es "entsprechende Gespräche mit dem Oberbürgermeister und der Führungsebene der 'CZ'-Verlagsleitung. Idee ist nun mit gebündelten Kräften von Stadt und 'CZ' der Ehrung wieder mehr Gewicht und Bedeutung zu verleihen. Dazu soll auch der bisherige Haushaltsansatz von 2.000,- Euro um 5.000,- Euro erhöht werden."

Weiter heißt es: "Mit mindestens  7.000 Euro ist zu rechnen", statt wie bisher 2000 Euro, davon habe die "CZ" nach Auskunft aus Rathauskreisen 1000 Euro beitragen sollen.

Die Vorlage im Wortlaut sehen Sie hier.
"Kostspielige Events ersetzen kein Konzept"

Schon mehrfach hatte Nigge das Blatt unter bewusster Missachtung des Gleichbehandlungsgrundsatzes bevorzugt, ob mit Themen oder finanziell - als "Entgegenkommen für positive Berichterstattung", wie es hinter vorgehaltener Hand, und für LeserInnen seit längerem ersichtlich, heißt. Doch mit diesem Deal habe der OB den Bogen aus Sicht der Politiker überspannt. Sie bemängeln, dass "andere lokale Medien" weder gefragt wurden noch eingebunden werden sollten. Damit schade man schließlich auch den SportlerInnen, da die Auflage der Zeitung und damit die Reichweite seit mehr als zehn Jahren stetig sinke.

Offiziell Stellung beziehen wollte keiner der Zuständigen, weder CDU noch SPD, FDP, WG, AfD, Die Partei oder Die Linke/BSG. Ausnahme: Iris Fiss von den Unabhängigen und Bernd Zobel von den Grünen.  So ist Zobel überzeugt: "Die Grünen halten daran fest, ein tragfähiges Konzept für die zukünftige Sportlerehrung auszuarbeiten. Kostspielige Eventveranstaltungen ersetzen kein Konzept. Wir favorisieren eine Ehrung im Rahmen einer städtischen Veranstaltung." Iris Fiss ergänzt: "Wir sollten sicherlich überdenken, wie wir eine angemessene Sportlerehrung durchführen die auch finanzierbar ist, aber es kann nicht sein, dass wir dies nur mit einem Medienvertreter durchführen. Es wäre auch denkbar, es im Rahmen des Bürgerempfangs, den wir einmal im Jahr veranstalten, zu feiern."