LÜNEBURG. Von Sommerpause keine Spur – die regionale Wirtschaft läuft weiterhin branchenübergreifend rund. In der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg bewerten mehr als 90 Prozent der Betriebe die derzeitige Geschäftslage als gut oder befriedigend. Der Konjunkturklimaindex, der sich aus den Bewertungen von rund 270 Unternehmen zur Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden zwölf Monate zusammensetzt, erreichte mit 121 erneut einen hohen Wert. Weniger gut als die aktuelle Geschäftslage fielen allerdings in einigen Wirtschaftsbereichen die Erwartungen aus: Im Einzelhandel und dem Dienstleistungsgewerbe gingen die Prognosen stark zurück, so dass der Anteil der Unternehmen, die mit Rückgängen rechnen, gegenüber den Unternehmen mit gestiegenen Erwartungen sogar überwiegt. Deutlich optimistischer zeigt sich dagegen die Industrie in ihrer Rolle als konjunktureller Motor. Insbesondere im Auslandsgeschäft werden deutliche Steigerungen erwartet. Aus dem Binnenmarkt sind aufgrund der weiterhin verhaltenen Investitionsbereitschaft dagegen weniger Impulse zu erwarten.

„Bei der Bewertung der Ergebnisse überwiegen aus unserer Sicht die sehr positiven Daten zum laufenden Geschäft in allen Branchen. Die klare Botschaft lautet: Die regionale Wirtschaft läuft. Dennoch gibt es eine ganze Reihe von Themen, die in vielen Betrieben eine gewisse Skepsis nähren“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. Als Risiken nennen die Unternehmen vor allem den anhaltenden Preisdruck, Konkurrenz durch Online-Anbieter, Probleme bei der Personalakquise, Regulierung und Bürokratie und nach wie vor auch die Abschottungstendenzen sowie sonstige Unsicherheiten um diverse Auslandsmärkte. „Bisher schlagen sich die Befürchtungen aber nur in den Erwartungen nieder. Die echten Auftrags- und Umsatzzahlen sprechen bei der Mehrheit der Unternehmen bislang eine sehr viel positivere Sprache“, so Zeinert.

Die starken Schwankungen der Erwartungen sind nach Ansicht der IHK saisonal begründet. „Bei den Erwartungen fragen wir die Einschätzung für die nächsten zwölf Monate ab“, erläutert Zeinert. „Erfahrungsgemäß sind die Antworten aber stark durch aktuelle Ereignisse beeinflusst. Und wegen des frühen Ferienbeginns war das Quartalsende im Konsumbereich durch ein sehr ruhiges Geschäft geprägt. Das dürfte die Zukunftshoffnungen der Einzelhändler und Dienstleister eingetrübt haben.“

Der Indexwert der Industrie stieg von 124 auf 126 Punkte. Die aktuelle Lage ist unverändert gut, die Erwartungen sind im Vergleich dazu zurückhaltend oder zumindest leicht verbessert. Wachstumschancen verspricht das Auslandgeschäft, jeder dritte Industriebetrieb erwartet hier zunehmende Geschäfte. Im Baugewerbe und im Großhandel werden mit 132 bzw. 131 Punkten ebenfalls hohe Indexwerte erzielt. Aufgrund der stark geschwächten Erwartungen musste der Einzelhandel mit einem Wert von 102 Punkten (Vorquartal 119) sowie das Dienstleistungsgewerbe mit einem Wert von 110 Punkten (Vorquartal 124) demgegenüber Verluste hinnehmen.

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