"Gerechtigkeit für meine ermordete Tochter Frederike" - Vater richtet Petition an Justizminister

Von Redaktion | am Mo., 27.07.2015 - 10:03

"Gerechtigkeit für meine ermordete Tochter Frederike: Der Mord muss gesühnt werden können". Der mutmaßliche Mörder von Frederike aus Hambühren ist frei und kann nicht verurteilt werden. Das Gesetz will es so. Doch damit möchte sich der Vater des Mädchens, Hans von Möhlmann, nicht abfinden. Er richtet eine Online-Petition an Bundesjustizminister Heiko Maas und sucht Unterstützer. Mehr als 30000 Unterschriften hat die Petition bisher.

moehlmann-petition"In der Nacht vom 4. November 1981 wurde meine siebzehnjährige Tochter vergewaltigt und brutal ermordet. Frederike war auf dem Weg vom Chor nach Hause und wollte - wie so oft - einige Kilometer nach Hause von Celle nach Hambühren trampen.

Der Angeklagte wurde damals trotz schwerwiegender Indizien freigesprochen. Mehr als dreißig Jahre danach wurde der DNA-Test in der Kriminalistik zur Überführung von Straftätern eingesetzt und die DNA-Proben waren eindeutig: Der damalige Täter ist der mutmaßliche Mörder meiner Tochter, aber weiterhin auf freiem Fuß. Das ist unerträglich für mich.

Es liegt daran, dass der Mann freigesprochen wurde. Nach bestehendem Gesetz ist es nicht möglich, ihn erneut strafrechtlich des Mordes anzuklagen. Mord verjährt aber nicht.

Damit sagt das Gesetz: Dem Staat steht die Gerechtigkeit bei dem schwersten aller Verbrechen immer an erster Stelle! Dann muss es auch möglich sein, in wenigen, klaren Fällen dem Täter mit neuen Beweismitteln den Prozess zu machen.

Deshalb fordere ich Justizminister Heiko Maas auf, § 362 der Strafprozessordnung zu ergänzen. Es muss möglich sein, ein Verfahren wieder zu eröffnen, wenn neue, vom Bundesgerichtshof anerkannte wissenschaftliche Methoden einen freigesprochenen Täter überführen.

Mehrfach wurde mir gegenüber der vielbeschworene Begriff der
“Rechtssicherheit” angebracht - wenn jemand in Deutschland freigesprochen ist, dann soll er auch die Sicherheit haben, dass er nicht erneut angeklagt werden kann. Einmal: Es geht hier aber nur um die ganz wenigen Fälle eines falsch freigesprochenen Mörders. Und dann geht es auch nicht um meine emotionale Betroffenheit, sondern um Gerechtigkeit.

Mir wird gesagt, meine Forderung würde den Rechtsfrieden stören.
Welcher Rechtsfrieden kann herrschen, wenn ein überführter Täter unbehelligt bleibt? Die Ungerechtigkeit ist eine offene Wunde, die andauert.

Die EU-Menschenrechtskonvention sieht vor, dass bei neuen Tatsachen ein Verfahren wieder aufgenommen werden kann. Auch zum Beispiel in Österreich, in England, in Finnland, in Norwegen, in Schweden ist eine neue Gerichtsverhandlung bei neuen Beweismitteln vorgesehen.

Frederike ist tot und von ihr existiert nicht einmal mehr ein Grab. Sie durfte ihr Leben nicht mehr führen, wohl aber der Täter.

Nicht nur für Frederike, sondern für alle Betroffenen bitte ich Sie, Herr Maas, setzen Sie sich mit mir und weiteren Experten an einen Runden Tisch und diskutieren Sie die Änderung des § 362 der Strafprozessordnung."