Gesellschaft zum Schutz der Wölfe erläutert Hintergrund ihrer Klage

Umwelt Von Extern | am Mo., 04.05.2020 - 09:48

RUMELTSAUSEN/HANNOVER. Die bundesweite Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. hat gegen die vom Land Niedersachsen erlassene Ausnahmegenehmigungen zur Entnahme von Wölfen vom 17.04.2020 geklagt. Die Klage mit gleichzeitig beantragter aufschiebender Wirkung hat laut der Gesellschaft dazu geführt, dass die Ausnahmegenehmigungen vom Umweltministerium ausgesetzt wurden. Dazu erläutert die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe jetzt in einer Pressemitteilung: "Die Voraussetzung für eine Ausnahmegenehmigung für die Entnahme einer streng geschützten Tierart wie dem Wolf muss immer eine Ausnahmesituation sein, wie der Name schon sagt. Bei der Entnahme eines Wolfes wegen wiederholter Übergriffe auf Weidetiere müssen zunächst die Herdenschutzmaßnahmen geprüft werden. Laut der offiziellen Risstabelle des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zu den Übergriffen, die zu den Ausnahmegenehmigungen führten, ergibt sich, dass selbst der Mindestschutz in den allermeisten Fällen entweder eingeschränkt oder zumindest unklar war. Bei der Erteilung der Ausnahmegenehmigungen wurden die Informationen der eigenen Fachbehörde aber offenbar nicht berücksichtigt. Die Tatsache, dass die Ausnahmegenehmigungen damit jeglicher rechtlichen Grundlage entbehren, führte zu unserer Klage.

Im Fall des geplanten Abschusses einer Wolfsfähe kommt erschwerend hinzu, dass die Ausnahmegenehmigung ursprünglich nur für vier Wochen ausgesetzt werden sollte. Dies wurde aus Gründen des Tierschutzes so gehandhabt. Die Wolfsfähe wenige Wochen nach der Geburt der Welpen wieder zum Abschuss freizugeben ist aber ein eklatanter Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und damit rechtswidrig. Wenn Herdenschutz mit dem Gewehr betrieben wird, führt das dazu, dass die abwandernden Wölfe aus anderen Gebieten die entstandenen Lücken füllen und die Weidetierhalter erneut in Not bringen. Diese Problematik ist nur durch wirksamen Herdenschutz langfristig zu lösen. Wird Herdenschutz aber mit Hilfe der Politik finanziell und vom Zeitaufwand für die Weidetierhalter machbar (und dazu gehört auch, die Vielzahl von Förderanträgen für Herdenschutzmaßnahmen zeitnah zu bearbeiten und den entstehenden zeitlichen Mehraufwand in die Förderung mit einfließen zu lassen) können die Wölfe lernen, sich ihre Beute im Wald und nicht auf den Weiden bei den Nutztieren zu suchen, das zeigt die langjährige Erfahrung aus anderen Bundesländern. Damit und nur damit ist den Weidetierhaltern dauerhaft geholfen und das ist letztendlich die Aufgabe der Politik."

Zum Verein, seinen Zielen und Aktivitäten teilt die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe mit: "Die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. ist ein bundesweit agierender, anerkannter Naturschutzverband. Sitz der Gesellschaft ist in Wetzlar, der erste Vorsitzende wohnt in Bayern, der zweite Vorsitzende in Sachsen-Anhalt. Seit der Verein vor fast 30 Jahren gegründet wurde, setzen wir uns für Wölfe ein und fördern in diesem Zusammenhang seit dem Auftreten der ersten Wölfe in Deutschland vor ca. 20 Jahren (in Sachsen) auch intensiv Herdenschutzmaßnahmen für Weidetiere.

So war es z.B. die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe, die erste Initiativen für den Einsatz von Herdenschutzhunden ergriff und die Schäfer vor Ort aktiv unterstützte, zu einer Zeit als die Politik das Thema Wolf noch nicht im Fokus hatte. Der Herdenschutz und die Unterstützung der Weidetierhalter ist inzwischen eines unserer wichtigsten Betätigungsfelder. Wir verwenden einen erheblichen Teil der uns zur Verfügung stehenden Gelder aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden in einem Herdenschutzprojekt für diese Zwecke. So betreiben wir z.B. eine in Sachsen-Anhalt stationierte aber bundesweit agierende „Schnelle Eingreiftruppe“ aus kompetenten Herdenschutzexperten, die Weidetierhalter nach Übergriffen durch Wölfe unterstützt. Diese Einrichtung wurde von uns in Zusammenarbeit mit einem Verein von Nutztierhaltern (der Interessengemeinschaft „Herdenschutz plus Hund“) organisiert und bietet schnelle und unbürokratische Hilfe.

Ebenso standen wir auch mit dem Umweltministerium in Niedersachsen in weit gediehenen Verhandlungen, zusammen mit einem landwirtschaftlichen Betrieb in Niedersachsen eine „Schnelle Eingreiftruppe“ für Tierhalter einzurichten. Diese Verhandlungen wurden vom Ministerium jedoch ohne Angaben von Gründen nicht weiterverfolgt. Die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe ist auch Gründungsmitglied der IG „Herdenschutz plus Hund“, deren Mitglieder übrigens nur in seltenen Ausnahmefällen, wie mechanischen Beschädigungen der Zäune, Wolfsübergriffe zu verzeichnen haben und damit beweisen, dass effektiver Herdenschutz funktioniert. Wir sind uns der Schwierigkeiten, mit denen die Weidetierhalter auch durch die Rückkehr der Wölfe zu kämpfen haben, also durchaus bewusst und unterstützen sie nach Kräften."