CELLE. Wieder hat der Deutsch-Polnische Kulturkreis Celle, wie alle zwei Jahre, eine zehntägige Bildungsreise unternommen. Sie führte diesmal nach Nordpolen, entlang der Ostseeküste. Absoluter Höhepunkt war ein Besuch im neuen Solidarnosc-Zentrum in Danzig auf Einladung des früheren polnischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträgers Lech Walesa. Dabei ließ es sich der einstige Gewerkschaftsführer der Solidarnosc nicht nehmen, den Mitgliedern des Kulturkreises über eine Stunde lang persönlich zur Verfügung zu stehen.

In großer Bescheidenheit erinnerte diese Persönlichkeit der Weltgeschichte an die Ursprünge der Solidarnosc-Bewegung und an die Prinzipien, die 1980 die protestierenden Gewerkschafter geleitet hätten. Heute vermisse er vielfach in Europa und insbesondere in Polen die Orientierung an eben diesen Werten. So wie der christliche Glaube auf den nur zehn Geboten aufbaue, so solle sich auch Europa eine solch klare Wertorientierung geben, die dann von allen Ländern unumstößlich einzuhalten sei, meinte Walesa.

Natürlich gäbe es im Leben in Sachfragen auch immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Das sei im Privaten nicht anders als zwischen den Staaten. Aber über Grundwerte dürfe es das nicht geben. Das Wichtigste aber sei, kontinuierlich im Gespräch zu bleiben und sich durch Differenzen nicht vom Dialog abhalten zu lassen. Dazu bedürfe es eines Grundvertrauens zueinander. Dies sehe er derzeit aber in Europa durch nationalistische Alleingänge gefährdet. Die Solidarnosc habe für den Wandel, weg vom zentralistischen Kommunismus, hin zu Frieden in Freiheit gekämpft, nicht aber für den materiellen Kapitalismus. Der dritte Weg, aufbauend auf klaren Werten, müsse das Ziel sein, wenn das Werk der Solidarnosc nicht scheitern solle. Hierzu seien alle zusammen aufgerufen, dies zu ermöglichen.

Im Anschluss an diese Ausführungen stand der Friedensnobelpreisträger noch eine halbe Stunde lang den DPK-Mitgliedern für Fragen zur Verfügung, die er in der ihm eigenen, klaren Art beantwortete. Am Schluss wurde er von der Vorsitzenden des DPK, Ewelina Biermann-Firek, aus Anlass des im nächsten Jahr stattfindenden, zehnjährigen Jubiläums des DPK zu einem Besuch in Celle eingeladen. Er zeigte sich darüber sehr erfreut.

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