HANNOVER. Mit Blick auf die Studie „Demografische Rendite adé“ der Bertelsmann-Stiftung fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eine energische Kraftanstrengung zur Sicherung des Lehrkräfte-Nachwuchses. „Die heute veröffentlichte Studie zeigt eindringlich, was Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitungen und Personalräte an vielen Orten in Niedersachsen und ganz Deutschland erfahren: Es wird immer schwieriger, die steigende Zahl von Schülerinnen und Schülern mit qualifizierten Lehrkräften zu versorgen“, sagte der GEW-Landesvorsitzende Eberhard Brandt. „Es muss jetzt schnell gehandelt werden. Es ist spät, doch nicht zu spät, die Probleme anzugehen. Klar ist jedoch: Ohne mehr Geld für Bildung – für Lehrkräfte, für eine Verbesserung des Studienangebots, für weiteres pädagogisches Fachpersonal sowie die Sanierung und den Ausbau von Schulgebäuden – wird das nicht funktionieren“, mahnte er.

Besonders an Grundschulen, Haupt- und Realschulen sei der Mangel an Lehrkräften gravierend. Die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth fordert deshalb, die Lehrkräfte an allen Schularten gleich gut zu bezahlen. Derzeit verdienen Lehrkräfte an Grundschulen, Haupt- und Realschulen 400 bis 600 Euro weniger als die Gymnasiallehrkräfte. „A 13 Z / E13 für alle muss zum 1.8. 2018 kommen.“ Nur wer dieser Forderung nachkomme, meine es ernst damit, gegen den Mangel an Lehrkräften vorzugehen, sagt Laura Pooth mit Blick auf die Landtagswahlen.

Brandt warnte davor, den Lehrkräftemangel allein auf die Zuwanderung zu schieben. „Die Kinder von Einwanderern – Arbeitsmigrantinnen und –migranten wie Geflüchteten – sind nur ein Baustein in einer komplexen Situation. Insbesondere die Pensionierungswelle, das überdurchschnittliche altersbedingte Ausscheiden vielen Lehrkräfte, ist den Verantwortlichen lange bekannt. Die GEW Niedersachsen hatte bereits im Jahr 2009 eine Studie von Prof. Klaus Klemm vorgelegt, die auf die drohende Personallücke durch die Pensionierungswelle verwiesen. Jährlich waren 4.200 Neueinstellungen nötig, die Zahl der Hochschulabsolventen lag aber nur bei 2.300. Die Regierung Wulff hatte dagegen erklärt: „Die Nachwuchsplanung für Niedersachsen Lehrkräfte ist langfristig abgesichert.“

Die schwarz/gelbe Landesregierung hatte die Anzahl der Studienplätze deutlich reduziert. Diese Fehlentscheidung muss korrigiert werden. „Es wird Zeit, dass in Göttingen und Hannover wieder für alle Schulstufen und Schulformen ausgebildet wird und dass die kleinen Hochschulstandorte (Hildesheim, Vechta und Lüneburg) aufgewertet werden“, erklärt der GEW-Landesvorsitzende. Die Abbrecherquote von 40 Prozent, auf die Prof. Klemm 2009 hingewiesen hatte, ist nach wie vor eine der Hauptursachen für den strukturellen und aktuellen Nachwuchsmangel. „Das Wissenschaftsministerium hat bis heute alle GEW-Vorschläge zur Verbesserung der Studiensituation und der Lehrende im Lehreramtsstudium in den Wind geschlagen.“ kritisiert Eberhard Brandt.

Die heute vorgelegte Studien berücksichtigt nicht den zusätzlichen Personalbedarf für Sprachförderung, Inklusion und Ganztagsangebote. Die GEW warnt vor Abstrichen in diesem Bereich, wie sie der CDU-Spitzenkandidat Althusmann angekündigt hat.

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