HANNOVER/HERMANNSBURG. Viel zu erzählen gab auch heute wieder in der Sendung „Plattenkiste“ bei NDR 1 Niedersachsen. Zwischen 12 und 13 Uhr unterhielten sich Luitgardis Parasie (Northeim), Sabine Hornbostel (Hannover) und Klaus Hampe (Hermannsburg) mit Moderator Michael Thürnau über das Jubiläum der „Gewissensfragen“ im Programm von NDR 1 Niedersachsen. Seit zehn Jahren heißt es immer dienstags um 10.50 Uhr „Gewissensfrage: Darf ich das?“. Hörer und Hörerinnen stellen Fragen, die ihnen am Herzen liegen – die Gewissensexperten der ev. Kirche im NDR antworten: ein bisschen augenzwinkernd, aber immer christlich und ehrlich.

Vor zehn Jahren begann der Journalist Klaus Hampe aus Hermannsburg damit, Gewissensfragen zu beantworten. Die Idee stammt ursprünglich aus einer Radiosendung in den USA, die Radiokirche fand diese Idee interessant und kam damit zum NDR. Über eine Anzeige wurde Hampe aufmerksam auf das neue Projekt und bewarb sich. „Das Gewissen ist ein Biber im Kopf“, sagt Hampe, der als erster mit der Suche nach Antworten begann. Das, was wir Gewissen nennen, sei die Sorge vor Konsequenzen, beschreibt Klaus Hampe und meint, in jeder Kultur sei es gleich mit dem Gewissen, auch wenn es verschiedene Normen gebe.

Luitgardis Parasie ist Pastorin in Northeim und kam als Zweite ins Team. „Gerade als Pastorin ist man besonders anfällig für ein schlechtes Gewissen, es gibt immer jemanden, für den man etwas tun könnte, sagt sie überzeugt“, aber auch mit einem Lächeln. Bei vielen Dingen wäre gesunder Menschenverstand ausreichend, erklärt Parasie, manchmal fallen ihr die Antworten leicht: Darf ich ein Buch, das mir meine Freundin geschenkt hat, heimlich umtauschen? Sie empfiehlt, besagter Freundin ehrlich zu sagen, dass es nicht das richtige Genre ist … Die drei Gewissensexperten tauschen sich aus und verteilen im Gespräch auch die Fragen untereinander. Wenn sie ihre Fragen bekomme, denke sie einige Tage darüber nach, bevor sie sich an die Antwort setze – auch dies durchaus im Austausch mit ihren persönlichen Ansprechpartnern, so Luitgardis Parasie.

Seit Juni 2015 ist die Dritte im Team Sabine Hornbostel, Ehe- und Lebensberaterin in Hannover. Wie bei allen Menschen sei es auch bei ihr, schmunzelt sie: „Jeder sieht zu, mit gutem Gewissen durchs Leben zu kommen. Manche Fragen beschäftigen mich sehr, vor allem wenn ich die Fragen am Hörertelefon persönlich entgegennehme: die weinende Oma, die jeden Kontakt zum Enkel verlor durch einen Streit mit dem Sohn, oder ein besorgter Mann, der den Nachbarn in Frauenkleidern traf – wie soll er mit einer solchen Situation umgehen?“ Sie versucht, mehr Sicherheit und andere Perspektiven oder Sichtweisen zu vermitteln. „Doch jeder muss letztendlich selbst entscheiden, wie er mit seiner Situation umgeht“, darüber ist sich die Gewissensexpertin im Klaren.

Verändert sich das Gewissen im Lauf der Zeit, möchte Moderator Michael Thürnau wissen. Über die vergangenen zehn Jahre hat Klaus Hampe das Thema beobachtet. Er stellt fest, dass wir viele Dinge inzwischen hinnehmen, die wir früher als Konflikt gesehen hätten. Skrupellosigkeit sei salonfähig geworden, es seischick geworden, nicht mehr abhängig zu sein von dem „was man macht“, sagt er in der Sendung. Der Einfluss von Erziehenden vermindere sich auch durch die modernen Medien.

Wer eine Gewissensfrage hat und sie dem Team gern stellen möchte, kann dies über die Internetseite http://www.radiokirche.de tun.

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