Gewölbehalle statt Gotischer Halle – Unmut unter Celler Künstlern

Kunst Von Anke Schlicht | am Fr., 04.09.2020 - 12:27

CELLE. Eine denkbare Umnutzung der Gotischen Halle im Celler Schloss besteht laut dem Niedersächsischen Finanzministerium darin, „dass Wechselausstellungen aus dieser heraus in die mittelalterliche Gewölbehalle verlagert werden, damit die Gotische Halle anderen Zwecken dienen kann, nämlich der Verbesserung der Empfangssituation für Theater- und Museumsbesucher“. Das Finanzministerium ist für Liegenschaften und damit auch für das Celler Schloss, das dem Land Niedersachsen gehört, zuständig.

In Celler Künstlerkreisen hat sich Sorge breitgemacht, die Gotische Halle, die hiesige Künstler seit Jahrzehnten für Ausstellungen nutzen, könnte ihnen genommen werden.

„Wo bleibt die Fürsorgepflicht des amtierenden Celler Verwaltungschefs gegenüber den Künstlern seiner Stadt? Jahrelang haben sie mit ihren Kunstausstellungen zahlende Besucher in die Stadt gebracht. Und in den Zeiten der Pandemie, in der viele Künstler am Rande des Existenzminimums leben, soll ihnen ihre Grundlage, die Präsentation ihrer Kunst in der Gotischen Halle im Celler Schloss, der großartigsten Kunsthalle Niedersachsens, weggenommen werden“, sagt etwa der Celler Maler Horst G. Brune, der auch Mitglied des Bundes Bildender Künstler Celle (BBK) ist.

Das Kulturdezernat hatte dessen Vorsitzenden, Norbert Diemert, sowie den Vorsitzenden des Kunstvereines, Dr. Uwe Kerstan, kontaktiert und über Pläne auf Landesebene informiert, das Schloss umfangreich umzubauen, was möglicherweise eine Veränderung für den Kunstbetrieb nach sich ziehen könnte. Das Dezernat bat um Stillschweigen. Die fehlende Transparenz von Seiten der Verwaltung ließ Gerüchte aufkommen, unter anderem hieß es, der Vertrag zwischen der Stadt und dem Land Niedersachsen über die Nutzung der historischen Räumlichkeit liefe aus. Dieses ist nicht der Fall. „Der Nutzungsvertrag kann frühestens zum 31.12.2029 von einer der Vertragsparteien gekündigt werden“, teilt der Pressesprecher des Finanzministeriums, Karsten Pilz, mit. Landesliegenschaftsfond und Staatliches Baumanagement Niedersachsen seien mit der Stadt und der Deutschen Management Akademie Niedersachsen (DMAN) in Diskussionen um ein groß angelegtes Sanierungskonzept für das Schloss eingetreten, welches auch Umnutzungen verschiedener Art für beide Nutzer des Schlosses vorsehe.

Das Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften teilt auf CH-Anfrage mit, das Land sei an die Mieter des Schlosses herangetreten, um die anstehenden erforderlichen Baumaßnahmen vorzustellen und abzustimmen. Es werde eine Fortschreibung des Konzeptes für die denkmalverträgliche Nutzung des Schlosses angestrebt. Ein abschließendes Ergebnis liege derzeit noch nicht vor.

Die Gespräche stehen noch ganz am Anfang. Nach Aussage des Pressesprechers des Finanzministeriums würden auf Seiten des Landes aber nach derzeitigem Stand keine zwingenden fachlichen Gründe – etwa Denkmalschutz – dafür gesehen, die der Nutzung der Gotischen Halle als Ort für Kunstausstellungen entgegenstünden.