Schadstoffe im Celler Schloss - Ergebnisse mindestens sechs Wochen vorher bekannt

Umwelt Von Redaktion | am So., 26.04.2020 - 11:55

CELLE. Zu den PCB- und Lindan-Messungen im Schloss Celle nimmt das Niedersächsisches Landesamt für Bau und Liegenschaften (NLBL) auf unsere Fragen Stellung. Die Untersuchungsergebnisse seien bereits am 4. März 2020 an das Staatliche Baumanagement Lüneburger Heide übersandt worden. Dieses hat erst sechs Wochen später die Mieter informiert, "da wir zunächst das weitere Prozedere fachgerecht planen mussten", so das Landesamt. Zu den Fragen heißt es, unzensiert und unkommentiert:

Frage 1: Wie ist der aktuelle Stand?

Antwort: Derzeit werden Arbeiten zur notwendigen Reparatur des Daches im Südflügel geplant. Dafür führen wir routinemäßig Prüfungen des Dachwerks durch.
Als „Schlossgebälk“ verstehen wir insbesondere die Holzkonstruktion der Dachstühle. Da diese Dachkonstruktion in weiten Teilen historischen Ursprunges ist, wird diese vor der Sanierung als Grundlagenermittlung vermessen und bauhistorisch dokumentiert.
Bestandteil derartiger vorbereitender Arbeiten ist auch eine Analyse auf mögliche Schadstoffbelastungen, da Holzbauteile bis vor wenigen Jahren oft mit Mitteln behandelt wurden, die sich mittlerweile als gesundheitsgefährdend herausgestellt haben. Daher wurden einige Balken zur Analyse beprobt, was auch im Zusammenhang mit anderen Baumaßnahmen im Schloss regelmäßig erfolgte.
Die Holzproben im Dachstuhl des Südflügels ergaben eine Belastung mit Lindan und PCB, die bei der Bearbeitung dieser Bauteile besondere Schutzmaßnahmen erfordert.
Der Bereich des Dachraums, in dem aktuell höhere Belastungen festgestellt wurden, wird nicht zum Aufenthalt genutzt. Der Dachraum ist aufgrund der offenen Ziegeleindeckung stark durchlüftet. Vor einer Bauausführung führen wir weitere Beprobungen durch, damit eine angemessene Handhabe beachtet werden kann.
Beprobungen in den Dachstühlen der anderen Schlossflügel ergaben bisher keine bzw. deutlich geringere Belastungen mit Lindan und PCB.
Aktuelle Proben an Holzbauteilen des Dachstuhls im Ostflügel, die mit Personenaufenthalt als Museum genutzt und derzeit saniert werden, ergaben keine Belastung mit Holzschutzmitteln.

Frage 2: Seit wann werden diese vermutet?

Antwort: Eine mögliche Schadstoffbelastung muss immer vermutet werden, weswegen routinemäßig vor baulichen Maßnahmen Beprobungen auf Schadstoffbelastungen durchgeführt werden.
Im März 2020 haben Gutachter die Ergebnisse der Holzproben im Südflügel vorgelegt, die eine erhöhte Belastung mit Lindan und PCB ausweisen und entsprechend Schutzmaßnahmen bei der Bearbeitung erfordern.

Frage 3: Welche Werte sind es konkret in diesem Fall und welche Werte sind es in den anderen Flügeln? Welches sind die Grenzwerte und um wieviel wurden sie überschritten?

Antwort: Es wurden zwei Holzmischproben aus der Oberfläche der Holzkonstruktion des Dachstuhls genommen, deren PCP-Gehalt mit 472 bzw. 507 mg/kg und deren Lindangehalt mit 35 bzw. 11 mg/kg nachgewiesen wurden.
Grenzwerte der Belastung aus Holzschutzmitteln sind für Aufenthaltsräume festgelegt. Bei den genommen Proben handelt es sich hingegen um Proben aus der Dachkonstruktion. Die festgestellten Werte lassen keinen unmittelbaren Rückschluss auf den Grad einer möglichen Belastung in nahegelegenen Aufenthaltsräumen zu.

Frage 4: Welche Gefahren gehen von diesen Stoffen aus?

Antwort: Bis Anfang der 90er-Jahre wurden derartige Holzschutzmittel (Abwehr von Schädlingsbefall bzw. Feuchtepilzbefall) eingesetzt, die PCP und auch Lindan beinhalteten. Diese Stoffe sind heute nicht mehr zulässig, da diese seit 1989 als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. (PCP wird als krebserregend in die Kategorie 2 eingestuft, PCP und Lindan sind starke Zellgifte.)
Zur fachgerechten Bewertung ziehen wir die „Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCP-belasteter Bauteile in Gebäuden“ (PCP-Richtlinie) heran. Diese PCP-Richtlinie ist das anerkannte Regelwerk zur Handhabe dieser heute nicht mehr gebräuchlichen Holzschutzmittel, die eine gesundheitliche Belastung von Wohnräumen bzw. Aufenthaltsräumen mit längerer Verweildauer (regelmäßig länger als acht Stunden) unterbinden sollen.

Frage 5: Wobei wurde das bemerkt und warum nicht vorher?

Antwort: Die Schadstoffbelastung haben wir durch gezielte Beprobung im Rahmen der Arbeitsvorbereitung festgestellt. Eine vorherige Beprobung war nicht erforderlich, da keine Nutzung zum Aufenthalt im stark durchlüfteten Dachraum vorgesehen war und nach wie vor nicht ist.

Frage 6: Welche Maßnahmen ergreifen Sie? 

Antwort: Durch die Feststellung der erhöhten Schadstoffbelastung werden direkte Beprobungen der vermutlich sekundär belasteten gelagerten Akten veranlasst. In Aufenthaltsräumen neben oder unterhalb des Dachraums werden die gemäß PCP-Richtlinie empfohlenen Staubproben genommen und ggf. nachfolgend Raumluftmessungen vollzogen. 

Frage 7: Wurden konkret unsere Büroräume direkt neben den stark belasteten Balken untersucht? Falls ja, mit welchem Ergebnis? 

Antwort: Die im Südflügel des Schlosses Celle zum Aufenthalt vorgesehenen Räume hat  das Land Niedersachsen als Eigentümer an die Deutsche Management Akademie vermietet. Im Untermietverhältnis sind Räume an CELLEheute vermietet. Nach unserer Kenntnis handelt es sich dabei ausschließlich um zum Aufenthalt vorgesehene Räume im Süd-West-Turm des Schlosses Celle.
Diese Räume wurden aktuell noch nicht untersucht. Eine Beprobung dieser wie auch anderer Aufenthaltsräume unter bzw. neben dem Dachraum im Südflügel bereiten wir derzeit vor.