HERMANNSBURG. „Gottes Mission ist unkaputtbar“, so Pastor Dr. Volker Keding am Sonntag in der Hermannsburger Kreuzkirche im Abschlussgottesdienst zum Missionsfest des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen (ELM). Davon konnten sich rund 600 Christinnen und Christen aus dem In- und Ausland am vergangenen Wochenende bei herrlichem Sommerwetter und einem abwechslungsreichen Programm im Park der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg (FIT) ein Bild machen.

„Mission ist aber wandelbar“, betonte Keding, stellvertretender Direktor des ELM und Leiter der Abteilung „Globale Gemeinde“. In seiner Predigt zum neutestamentlichen Text aus Johannes 17,18-21 schlug er eine Brücke zwischen denen, die den Verlust der wortverkündigenden Missionsarbeit vergangener Tage betrauerten und denen, die darin imperialistische Züge sehen und die Aspekte Partnerschaft und Entwicklungsarbeit hervorhöben. Bezogen auf das Motto des Missionsfestes „Befreit durch das Wort“, unterstrich Keding, dass das Eine ohne das Andere in der missionarischen Arbeit nicht denkbar sei. „Glauben weckende und vertiefende Verkündigung ist unverzichtbar, sie erübrigt sich nie. Sie bleibt wichtig“, so Keding. Aber sie werde begleitet von Heilungsprozessen. „Heilen“ müsse dabei weit verstanden werden: Diakonie, Entwicklung, Ádvocacy – „das sind keine Gegensätze zur Mission, sondern unverzichtbare Aspekte von Gottes großer Sendung“.

An einem die Mission symbolisierenden Regenschirm demonstrierte er mit einer Schere, was passiere, wenn einzelne Teile herausgeschnitten würden. Mission wirke immer nur als Ganzes. Dabei müsse es in der Beziehung zu den Partnern auch einen Wechsel von Gefälle zu Augenhöhe geben. „Wenn Mission nicht ein Geben und Nehmen wäre, dann wäre Schluss“, so Keding.

Das Mission wandelbar ist, davon konnten die Gäste des Missionsfestes einen Eindruck gewinnen. Es zeigte sich, dass unter dem Regenschirm Mission mehr und mehr junge Gesichter das Bild des Festes prägen. So wurden am Samstag 40 junge Erwachsene im Rahmen des ELM-Freiwilligenprogramms „Seitenwechsel“ in sozialdiakonische Projekte in Indien, Lateinamerika und ins südliche Afrika entsendet. Das Besondere: Ihren Reisesegen erhielten sie von den so genannten Süd-Nord-Freiwilligen, jungen Erwachsenen u.a. aus eben diesen Regionen, von denen zurzeit zwölf ihrerseits als „Seitenwechsel“-Freiwillige einen Dienst in Deutschland leisten. Darüber hinaus ließen es sich rund 40 ehemalige Freiwillige nicht nehmen, zum diesjährigen Missionsfest zu kommen. Aber auch viele treue Missionsfreundinnen und –freunde zeigten wieder reges Interesse an interkultureller Begegnung im „Weltdorf“, an den Gottesdiensten, unter anderem mit der Festpredigt von Dr. Karl-Hinrich Manzke, Bischof der Ev.-luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe, gemeinsamem Singen und Gebet, inhaltlicher Diskussion in Workshops und Gesprächsgruppen – und an der Arbeit des ELM, wie sie u.a. auf der Länderstraße in Pavillons zu Indien, Südafrika und Russland exemplarisch dargestellt wurde. Und auch für die kleinen Gäste haben sich die Organisatoren unter anderem mit Musikpastor Matthias George sowie Bastel- und Spielaktionen ein buntes Kinderprogramm einfallen lassen, sodass das Missionsfest zu einem generationenübergreifenden Erlebnis wurde.

Musikalisch stimmte bereits am Freitagabend der südafrikanische Akasia Kirchenchor aus Pretoria mit mitreißenden geistlichen und traditionellen Liedern auf die kommenden Festtage ein. Diese wurden in den Gottesdiensten außerdem von den vereinten Posaunenchören Hermannsburgs unter der Leitung von Dorothee Räbiger sowie am Klavier von Eike Formella aus Unterlüß begleitet.

Pastor Dr. Volker Keding zeigt in seiner Predigt an einem Schirm: Nur als Ganzes wirkt die Mission. Foto: Dirk Freudenthal

Pastor Dr. Volker Keding zeigt in seiner Predigt an einem Schirm: Nur als Ganzes wirkt die Mission.
Foto: Dirk Freudenthal

Pause zwischen den Programmpunkten auf dem Festgelände Missionsfest 2017

Reisesegen für die neuen Freiwilligen des ELM-Programms „Seitenwechsel“. Foto: Dirk Freudenthal

Reisesegen für die neuen Freiwilligen des ELM-Programms „Seitenwechsel“. Foto: Dirk Freudenthal

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