Mit Graffiti gegen Edeka-Werbung: Pastor protestiert

Gesellschaft Von Peter Fehlhaber | am So., 02.02.2020 - 20:24

NIENHAGEN. "Was haben eure Werbetreibenden eigentlich geraucht?" Pastor Uwe Schmidt-Seffers kann seine Empörung nicht verbergen, nicht nur mit Worten, sondern auch Taten. Vor laufender Kamera lässt er sich bei einer mutmaßlichen Straftat filmen, um seinen Unmut gegen die aktuelle Edeka-Werbung auszudrücken. Den zog das Mindener Unternehmen bereits in der vergangenen Woche auf sich: Hunderte Landwirte demonstrierten gegen den Slogan "Essen hat den billigsten Preis verdient" - war es hier noch wahrscheinlich ein Missverständnis, Nahrungsmittel mit dem gleichnamigen Ort zu verwechseln, ist es für den stellvertretenden Superintendenten damit nicht getan.

Das Video sehen Sie auf LOKALHEUTE.TV (bitte klicken)

"Werbeaktion aus der Zeit gefallen"

Das Video beginnt freundlich: "Ich möchte euch zum Geburtstag gratulieren, 100 Jahre, eine tolle Geschichte", so Schmidt-Seffers. "Meine Frau und ich kaufen gern beide Edeka ein, aber [...] habt ihr total geschlafen?", um am Ende das Werbeplakat mit dem Schriftzug "Bauern haben fairer Preise verdient" zu besprühen. 

Gegenüber CELLEHEUTE erklärt der Pastor seine Motivation: "Seit Wochen erleben wir den Protest der Bauern. Landwirte leben teilweise am Existenzminimum und sind bereit, darauf aufmerksam zu machen. Meine Aktion verstehe ich als Solidarität für sie, die ich persönlich kenne und die zu meiner Gemeinde gehören. Wie Werbekampagne von Edeka finde ich so aus der Zeit gefallen, dass man sich wirklich nur wundern kann."

Das Video spaltet unsere LeserInnen in den sozialen Kanälen. Neben viel Lob und Anerkennung für den Mut mischt sich auch Kritik. "Darf der das?" Jemand ist überzeugt: "Das wird ein Nachspiel haben." "Der Regelverstoß ist mir bewusst", weiß Schmidt-Seffers, doch er hält den Schaden für vertretbar: "Ich würde nie auf Hauswände sprayen - aber das ist Papier, das schon bald wieder überklebt wird." 

Auch der Kritik, dass viele Menschen auf billige Nahrungsmittel angewiesen seien, kann er nicht viel abgewinnen: "Dieses Argument kommt merkwürdigerweise nur im Kontext mit Lebensmitteln auf", stellt der Nienhäger fest. Deutschland ist mit Abstand das Land mit den niedrigsten Lebensmittelpreisen, es täte vielen gut, über ihre eigenen Essgewohnheiten nachzudenken und: "Muss es jeden Tag Fleisch sein?"