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Celle - Übung - Immelmann-Kaserne - DSK - Green Griffin - Luchtmobilen Brigade

Großübung „Green Griffin“ kurz vor Abschluss: Deutsche und niederländische Soldaten üben Luftlandeoperationen

21.05.2019 - 17:45 Uhr     Externer Autor    0
Fotos: Volker Schubert, Michael Küster/DSK


CELLE. Seit Juli 2016 beheimatet die Immelmann-Kaserne in Celle das Ausbildungs- und Übungszentrums Luftbeweglichkeit des Deutschen Heeres. Das Zentrum bildet als zentrale Ausbildungseinrichtung des Heeres vor allem Verbände und Einheiten der luftbeweglichen Kräfte des Heeres für den luftbeweglichen Einsatz aus. Zielgruppe sind vor allem Soldatinnen und Soldaten für die Division Schnelle Kräfte (DSK) und die niederländischen 11. Luchtmobilen Brigade (LMB). Genau diese Kräfte üben jetzt im Raum Celle während einer Großübung unter der Bezeichnung „Green Griffin“ Luftlandeoperationen. Noch bis zum 23. Mai dauert die Übung an. Dazu teilt die Division Schnelle Kräfte mit:



„Der Übung lag ein Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung zu Grunde. Denn, ob Gemeinde-, Kreis-, Landes- oder Bündnisgrenzen, oft orientieren sich diese an markanten Geländeverläufen. Nicht selten sind Flüsse auch gleichzeitig Grenzlinien. Da Gewässer grundsätzlich für die Mobilität von militärischen Kräften ein Hemmnis oder Hindernis darstellen können, sind sie stets von strategischer Bedeutung. Rund 140.000 Brücken gibt es in Deutschland. Ist eine beschädigt oder zerstört, schränkt es die Bewegungen der eigenen oder auch gegnerischen Kräfte ein, Umwege müssten in Kauf genommen werden.

Feindlichen Kräften den Zugang und das Halten von Schlüsselgelände wie Brücken zu verwehren, ist demzufolge eine entscheidende Fähigkeit in der Landes- und Bündnisverteidigung (nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags). Ein derartiges Szenario lag der Übung Green Griffin 2019 zu Grunde. Daher galt es für niederländisch-deutsche Air Manouvre Task Force (AMTF) in der in der dreiwöchigen bi-nationalen Volltruppenübung Brücken entlang des Elbe-Seitenkanals vom Feind zu befreien, zu halten und Brückenköpfe zu bilden.

Brigadegeneral Andreas Hannemann, Kommandeur Division Schnelle Kräfte, zur Bedeutung der Übung: ‚Die Division Schnelle Kräfte ist auf die Nutzung der Luftbeweglichkeit zur Landkriegsführung ausgelegt. Dies reicht vom Fallschirmsprung über den selbstständigen Einsatz von Kampf- und Transporthubschraubern bis zur Integration dieser Elemente. Dies ist die hohe Schule, die wir hier üben. Dies ist bei uns in der Zusammenarbeit zwischen Niederländern und Deutschen gelebte Routine. Die auch integrierten Flächenflugzeuge werden dabei zum Absetzen von Fallschirmspringern und zur Luftnahunterstützung genutzt. Damit stellen wir unserer Führung ein schnelles und gut skalierbares Mittel für außen- und sicherheitspolitische Zwecke zur Verfügung. Natürlich sind wir zudem in der Lage bei Katastrophen zu unterstützen, wenn erforderlich, da dort in Großlagen ähnliche Fähigkeiten gefordert sein können.‘

Celle als Dreh- und Angelpunkt

In der Luftfahrzeughalle V des Ausbildungs- und Übungszentrums Luftbeweglichkeit in der Celler Immelmann-Kaserne laufen die Fäden zusammen: Hier ist der Gefechtsstand der AMTF/Luftlandebrigade 1 eingerichtet und es geht entsprechend betriebsam zu. Im Februar wurden in einer Planübung die Grundsteine gelegt, nun geht es an die praktische Umsetzung. Die Planungsabläufe sind „time-driven“ – zeitgesteuert – und müssen exakt koordiniert ineinandergreifen. ‚Luftbewegliche Operationen sind aufgrund ihrer Komplexität besonders herausfordernd, die Kohäsion der Truppe ist entscheidend‘, erklärt Oberst Jörn Rohmann, der Kommandeur des Ausbildungs- und Übungszentrums Luftbeweglichkeit.

Bis zum 23. Mai wird noch geübt, und das nicht nur in Celle. Auf dem Standortübungsplatz in Nienburg wurden Luftlandekräfte mithilfe von niederländischen CH-47F Chinook-Hubschraubern abgesetzt. Dort galt es, den Feind zu bekämpfen und das Gelände zu gewinnen. Nach nur vier Stunden und einer erfolgreichen Operation erfolgte durch niederländische Transporthubschrauber die Extraktion. Diese Ausbildungseinheit hatte den Zweck, das Zusammenwirken von niederländischen und deutschen Heeresfliegereinheiten mit deutschen und niederländischen Fallschirmjägerkräften zu festigen. Insgesamt operiert aus Celle heraus eine beachtliche Luftfahrzeugflotte: Zehn NH90, sechs Kampfhubschrauber TIGER, sechs AH-64 APACHE, fünf CH-47 CHINOOK sowie eine C-130H HERCULES.

‚Landes- und Bündnisverteidigung ist Kernauftrag der Bundeswehr und die Erfüllung dieses Auftrags ist nur im multinationalen Rahmen denkbar‘, unterstreicht Oberst Rohmann die Bedeutung der binationalen Zusammenarbeit: ‚Das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit zeigt sich im Zuge der Übung ‚Green Griffin‘ 2019 wiederholt als verlässlicher Partner in diesem multinationalen Umfeld.‘

Deutsch-niederländische Zusammenarbeit

Die Verbesserung der Interoperabilität und der Abläufe wurde beim Üben unterschiedlicher luftbeweglicher Operationen mit Hubschraubern und Flugzeugen direkt umgesetzt: Deutsche Soldaten wurden auf niederländische und niederländische Soldaten auf deutsche Luftfahrzeuge eingewiesen. Zudem setzten die Pioniere der Luftlandepionierkompanie 270 aus Seedorf Militärfahrzeuge mit einer sogenannten Jet-Float-Fähre bei Barme über die Weser über. Das System ‚Jet-Float‘ besteht aus Hohlkörpern, die unkompliziert und schnell zu Fähren und Brücken zusammengesetzt werden können. Nicht zuletzt wurde auch der Transport von Außenlasten geübt: Niederländische und deutsche Hubschrauber verbrachten Lasten wie den Waffenträger Wiesel 1, den MUNGO oder niederländische Fahrzeuge. Der NH90 kann bis zu 4 t und die CHINOOK bis zu 10,5 t als Außenlast transportieren.

Von der Qualität der bi-nationalen Zusammenarbeit konnten sich auch der Kommandeur Division Schnelle Kräfte (DSK), Brigadegeneral Andreas Hannemann, der stellvertretende Kommandeur der DSK und Leitende für die Übung, der niederländische Brigadegeneral Hans Hoogstraten überzeugen. Der Kommandeur der deutschen Luftlandebrigade 1, Brigadegeneral Dirk Faust, führte seine Truppen von vorne in den Einsatz.

Bei der Übung sind zeitweise über dreißig deutsche und niederländische Luftfahrzeuge im Einsatz – ein derartiger Kräfteansatz erinnert ein wenig an die Zeiten, als in Celle noch dauerhaft Hubschrauber stationiert waren und das Flugaufkommen sehr viel höher war. Zur Gewährleistung des Auftrags hat die Truppe einen hohen Übungsbedarf. Das Ausbildungs- und Übungszentrum bündelt die Interessen für Luftlande- und Heeresfliegerkräfte gleichermaßen: Flugplatz, Übungsgelände und Infrastruktur sind schon vor Ort. Luftfahrzeugbesatzungen und Infanterie können so ein realistisches gegenseitiges Verständnis für Abläufe und Verfahren entwickeln.

‚Durch Simulationsanteile kommen wir in den Übungen mit vergleichsweise wenig Flugstunden aus. Aber Simulation kann den Gefechtsdienst nur vorbereiten und unterstützen, niemals ganz ersetzen. Helm auf, Waffen in die Hand, Gesicht getarnt – das ist der Abschluss der Übungsdurchgänge‘, erklärt Oberst Rohmann und ergänzt: ‚Unser Ausbildungs- und Übungskonzept verspricht durch seine Synergien Zeitersparnis, Entlastung der Truppe und Kosteneffizienz. Dennoch sind wir ein aufwachsender Standort – die Vorhaben werden mehr, nicht weniger. Sie sind die grundlegende Voraussetzung, um unserem hoheitlichen Auftrag der Landes- und Bündnisverteidigung – und damit unser aller Sicherheit – gerecht werden zu können.‘ Die Simulation ist eine Option des Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit, wurde bei Green Griffin aber nicht eingesetzt.

Text: Hfw Andrea Neuer, Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit





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