WIETZE. Unter dem  Tagesordnungspunkt „Bereitstellung zusätzlicher Mittel“ beschäftigte sich der Infrastrukturausschuss des Wietzer Gemeinerates in seiner jüngsten Sitzung u.a. mit dem brisanten Thema „Kostensteigerungen bei der Hallenbad-Sanierung“ in Wietze. In seiner Beschlussvorlage informierte Bürgermeister Wolfgang Klußmann die Ausschussmitglieder darüber, dass die aktuelle Kostenverfolgung Mitte Mai ergeben habe, dass die eingeplanten Gesamtausbaukosten von ca. 1,9 Mio Euro zum jetzigen Stand um bereits ca. 94.000 Euro überschritten seien.

Nicht eingerechnet in diesen Betrag seien Kosten für bereits ausgeführte Arbeiten wie Geo-Thermie/Erdsonden, Spülwasserrückgewinnung, Filtersanierung und Badewassertechnik, die zu dem bereits ermittelten Fehlbetrag hinzu gerechnet werden müssten, sodass sich ein Defizit von insgesamt ca. 300.000 Euro ergebe.

Teile der durchgeführten Arbeiten waren nicht Bestandteil der Planungen des ausführenden Ing.-Büros, sondern wurden in Zusammenarbeit zwischen dem Förder- und Betreiberverein und der Gemeinde veranlasst. Eine räumliche Vergrößerung der an der Südseite der Schwimmhalle wurde nachträglich durch den Gemeinderat beschlossen. Als Grund für die anderen aufgetretenen Kostensteigerungen im Planbereich nennt Bürgermeister Klußmann die erhöhten Ausschreibungsergebnisse gegenüber den Kostenschätzungen, sowie auftretende Überraschungen während der Baumaßnahme: z.B. Abbruch einer nassen alten Dachhaut und Ersatz der Isolierung, eine neue Dampfsperre und eine durch morsche Holzkonstruktionen bedingte statische Ertüchtigung. Wegen der noch fehlenden Schlussabrechnung einzelner Gewerke ist eine genauere Kostenentwicklung nach Auskunft des Bürgermeisters derzeit nicht absehbar.

Mit Kopfschütteln und merklichem Unwillen wurde bei der Grünen-Gemeinderatsfraktion die Nachricht aus der Beschlussvorlage aufgenommen, dass aufgrund von Zweifeln an der Qualität der vorgelegten Planungen des beauftragten Planungsbüros für Gebäudeausrüstungen, seit einem Jahr, ohne Information und ohne Wissen des Infrastrukturausschusses bzw. des Gemeinerates, ein zweites, auf Schwimmbadtechnik spezialisiertes Planungsbüro mit einer Überprüfung der Wirtschaftlichkeit der Prozesskomponenten und der eventuellen Ausarbeitung von optimierten Varianten beauftragt wurde. „Darüber wird noch im Verwaltungsausschuss zu reden sein, zumal es zu den zusätzlichen Kosten bisher keine Auskünfte gibt“, erklärt Ausschussmitglied und Fraktionsvorsitzender der Grünen, Claus-Friedrich Schrader.

Im Zuge seiner Arbeiten seien durch den Prüfer eine Reihe von offensichtlichen Planungsfehlern erkannt worden, deren Beseitigung in der Folge weitere Kostensteigerungen nach sich zögen. Ein bereits in Betrieb genommener 500 KW-Heizkessel ist überdimensioniert und muss ersetzt werden. Bei der Ausschreibung des Planungsbüros wurden für die Steuerung der Anlage erforderliche Komponenten „vergessen“ und müssen nachträglich beschafft werden. Die Fläche der Absorberanlage (Solarthermie) muss um mindestens 300 m² vergrößert werden, um im Freibad wirksame Leistungen während der kühleren Jahreszeit erbringen zu können. Ein bereits verbautes Blockheizkraftwerk ist unterdimensioniert. Es sollte nach Ansicht des Zweitgutachters um ein zweites BHKW oder ein größeres mit Speicher ersetzt werden, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen.

Für die Behebung der aufgetretenen Planungsfehler veranschlagte der Prüfgutachter einen Kostenaufwand von ca. 235.00 Euro, sodass sich nach jetzigem Kenntnisstand ein Fehlbetrag von insgesamt ca. 535.000 Euro ergibt, den die Gemeinde im Haushalt bereitstellen muss.

Da ohne zur Verfügung stehende Deckungsmittel im Haushalt von der Gemeinde keine Aufträge ausgelöst werden können, empfahl der Infrastrukturausschuss dem Gemeinderat auf Vorschlag der Verwaltung mehrheitlich, zur Verfügung stehende, nicht in Anspruch genommene, freie Investitionsmittel aus dem Jahr 2016 zu verwenden. Diese Mittel stehen zur Verfügung und die Bereitstellung nimmt laut Verwaltung keine Zeit in Anspruch.

Claus-Friedrich Schrader, der Grünen-Vertreter im Infrastrukturausschuss, hat sich der Meinung der Verwaltung und seiner Ausschusskollegen nicht angeschlossen. Im Auftrage seiner Fraktion stimmte er gegen die Bereitstellung neuer Finanzmittel. „Die Grünen-Fraktion hatte bereits in der letzten Legislaturperiode die Sanierungsplanungen wegen fehlender Alternativplanungen und wegen der geplanten finanziellen Aufwendungen abgelehnt. Sie sieht sich heute weder in der Lage noch in der Verantwortung für eine unerwünschte Sanierungsmaßnahme zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung zu stellen! Wer sich die Suppe eingebrockt hat, muss sich auch öffentlich zu den Folgen bekennen“, so Schrader vor dem Ausschuss. Daher das „Nein!“ der Fraktion.

 

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