Hanna, Sophie und Louisa sind Heldinnen des Alltags: Polizei bedankt sich für Zivilcourage

Gesellschaft Von Redaktion | am Mi., 25.09.2019 - 19:23

CELLE. „Beherztheit, Charakter, Furchtlosigkeit und Haltung sind Synonyme für Zivilcourage“, beschreibt Christian Riebandt, Präventionsbeauftragter der Polizeiinspektion Celle, die Charaktereigenschaften der „drei jugendlichen Heldinnen des Alltags“. In der vergangenen Woche hatte die Polizei Celle nach den drei bis dahin unbekannten Mädchen, Sophie, Hanna und Louisa, gesucht, die einem gestürzten Radfahrer Hilfe leisteten, während viele andere weggeschaut hatten (CELLEHEUTE berichtete). Daniel Dahlke, Leiter des zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Celle, fügt an: „Einen solchen Dank sprechen wir nicht oft aus, aber heute wollen wir unbedingt drei Mädchen unserer Stadt loben, die Zivilcourage leben“.
Am 12.09. fiel den drei Schülerinnen in der Zöllnerstraße im Innenstadtbereich ein am Boden liegender, offensichtlich gestürzter Radfahrer auf, dem sie Hilfe leisten wollten. Die drei Mädchen versuchten, Geschäftsleute und weitere Passanten der Straße auf die Person aufmerksam zu machen und um Hilfe zu bitten. Trotz intensiver Bemühungen kam keine Person dem Gestürzten zu Hilfe. Erst an der Stechbahn reagierten zwei Mitarbeiterinnen der Schloss-Apotheke, Stefanie Poth und Olga Schmunk, und unterstützten die Mädchen.

„Wir sahen von Weitem, dass der Radfahrer am Boden lag, eine Frau war schon bei ihm und bat uns, Hilfe zu holen. Wir haben sofort reagiert“, beschreibt Sophie die Situation. „Wir haben in die Menge gerufen, es hat aber keiner reagiert“. Als die drei in die Apotheke kamen, schienen sie sehr aufgelöst. Mit Poth und Schmunk ging es dann im Dauerlauf zur Unfallstelle. „Wir sind dabei an bestimmt 150 Personen in den Gaststätten oder Touristengruppen vorbeigekommen. Ich war so sauer, dass niemand vorher den Mädchen geholfen hatte“, erklärt Poth.

Am Ort des Geschehens angekommen, war die Polizei bereits eingetroffen und ein Rettungswagen traf kurz darauf ein. Während der gesamten Zeit sei ein einziger Anruf bei der Polizei eingegangen, der die Polizei über das Geschehen informierte. Für Riebandt unverständlich: „Wir erleben es immer öfter, dass weggeschaut wird, anstatt zu helfen. Die Gesellschaft kann sich ein Beispiel an den Schülerinnen nehmen. Es fängt schon im Kleinen an - man ist zur Hilfeleistung gesetzlich verpflichtet“.

Der Polizei ist es umso wichtiger gewesen, die drei Mädchen, zu finden. Poth hatte am darauffolgenden Tag die Erlebnisse der Polizei geschildert. „Sie wussten nicht, ob der Mann verstorben war oder überlebt hatte. Uns ist es wichtig, zu sagen, dass der Mann lebt, und kein schlimmes Gedankengut an den Mädchen haften bleibt“, betonte der Präventionsbeauftragte.

Die Schülerinnen der zehnten und elften Klassen hätten genau richtig gehandelt. Derzeit will die Polizei mit der Initiative „Zivilcourage zeigen - www.aktion-tu-was.de" für mehr Zivilcourage werben. Die sechs Grundpfeiler für Zeugen und Helfer fasst die Polizei so zusammen:
Hilf, aber bring dich nicht in Gefahr
Ruf die Polizei unter 110
Bitte andere um Hilfe.
Präg dir Tätermerkmale ein.
Kümmer dich um Opfer.
Sag als Zeuge aus.