CELLE. Im Landkreis Celle sind derzeit 2.733 Menschen trotz Arbeit auf Hartz IV angewiesen. Diese Zahl nennt der Deutsche Gewerkschaftsbund, Region Nord-Ost Niedersachsen. Eine große Zahl der Aufstockenden arbeite in geringfügiger Beschäftigung. So hätten 1.004 Aufstockende nur einen Minijob.

„Es ist untragbar, dass so viele Menschen im Landkreis Celle trotz guter wirtschaftlicher Lage von ihrer Arbeit nicht leben können.“ erklärt Matthias Richter-Steinke, Geschäftsführer der DGB Region: „Ein besonderes Problem sind die Minijobs. Der Minijob ist keine Brücke in reguläre Beschäftigung, sondern ein Armutsrisiko.“ Besonders für Frauen nach der Familienphase, die den Wiedereinstieg in sozialversicherte Arbeit suchten, würden Minijobs zur Sackgasse. Minijobs böten keine Perspektive auf Qualifizierung und Aufstieg im Beruf. Hinzu komme, dass keine oder nur eingeschränkte Ansprüche für die gesetzliche Sozialversicherung erworben werden und dies oft über viele Jahre. Oftmals klebe das Etikett „Minijob gleich Aushilfe“ an den geringfügig Beschäftigten.

„Es ist deshalb dringend notwendig, dass das Jobcenter Celle sich für die Beschäftigten im Leistungsbezug engagiert.“ stellt Richter-Steinke klar: „Wer sich in einer beruflichen Einbahnstraße befindet, braucht mehr Unterstützung statt Druck und Sanktionen.“ Dazu seien Angebote der aktiven Arbeitsmarktpolitik nötig, insbesondere Angebote einer beruflichen Qualifizierung müssten voran gebracht werden. „Wissenschaftliche Studien bestätigen regelmäßig, dass viele Menschen in Minijobs gerne mehr arbeiten würden.“ Für Richter-Steinke ist deshalb klar: „Unser Ziel ist, dass mehr Minijobs in sozialversicherte Arbeit umgewandelt werden. Der DGB hat dazu einige Vorschläge gemacht!“

Aber auch Land und Kommune sieht Richter-Steinke in der Verantwortung: „Weit über die Hälfte der geringfügig Beschäftigten bundesweit, die aufstocken müssen, sind Frauen. Viele von ihnen leisten Familien- und Pflegearbeit, so dass sie nur eine begrenzte Anzahl von Stunden arbeiten können. Deshalb müssen wir die Infrastruktur so ausbauen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter zu meistern ist.“

Zwar ist laut DGB bundesweit die Zahl der Aufstockenden in den letzten zwölf Monaten geringfügig um rund 50.000 gesunken, mit fast 1,2 Millionen Betroffenen sei sie aber immer noch sehr hoch. Zum Jahresbeginn 2015 wurden 100.000 Minijobs in sozialversicherte Beschäftigung umgewandelt. „Das geht auf das Konto des Mindestlohns!“, weiß Richter-Steinke. „Der Mindestlohn wirkt, allen Unkenrufen zum Trotz. Aber auch die Jobcenter sind in der Pflicht, sich verstärkt um die Aufstockenden zu kümmern. Arbeit muss vor Armut schützen und da gibt es noch einiges zu tun.“

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