„Den Haupt gibt es noch“ – Haupt Bürosysteme mit neuem Konzept

Wirtschaft Von Anke Schlicht | am Di., 24.03.2020 - 14:00

CELLE. Kein Fachwerk, keine aufwändig dekorierten Schaufenster, reine Zweckarchitektur weit und breit – nur ein Logo wirkt altbekannt, und eine Jahreszahl fällt hier, wo die Historie erst in den 70igern des 20. Jahrhunderts beginnt, aus dem Rahmen: „Seit 1771 klassisch Haupt“ ist an der Auffahrt zur Firma „Haupt Bürosysteme GmbH“ im Westerceller Gewerbegebiet entlang der Hannoverschen Straße zu lesen. Und trotz derzeitiger Corona-Krise darf er als Großhändler - noch - weiter ausliefern. 
„Nächstes Jahr feiert die Firma Ludwig Haupt 250-jähriges Bestehen“, sagt Frank Chruscinski. Liegt es an der schwierigen Schreibweise dieses Namens oder an der Bescheidenheit des Trägers? Als Inhaber der Firma tritt der Mittfünfziger kaum in Erscheinung. 

TRADITION VERPFLICHTET
„Wir waren immer zusammen“, erklärt der Unternehmer dieses Phänomen. „Der Kunde soll beim Haupt kaufen“, benennt er die übereinstimmende Philosophie des Schreibwarengeschäftes im Herzen der Celler Altstadt und des großflächigen Betriebes für Büroausstattung im Gewerbegebiet. Im Jahr 2009 kaufte der aus Braunschweig stammende Chruscinski diesen Bereich der Firma Ludwig Haupt jr. von Wolfram Matthes. Genau genommen ist er ein eigenständiger Betrieb, doch der neue Inhaber hat die Verbindung zum alteingesessenen Celler Unternehmen nie durchtrennt, sondern, im Gegenteil, gerne aufrechterhalten. „Ein solches Traditionshaus ist Verpflichtung“, sagt er. Nur ein Grund, das Logo beizubehalten. „Das Grün unterscheidet sich ein klein wenig. Wir verwenden Maigrün“, erklärt er lachend.

Aus diesem im Jahr 1771 vom Celler Buchbinder Ludwig Haupt gegründeten Stammhaus gliederte Wolfram Matthes den Bedarf für Großkunden aus Industrie und Handel im Jahr 1973 aus und errichtete am Rande der Stadt ein „Büro-Einkaufs-Zentrum“. Mit der heutigen Firma hat dieses kaum noch etwas gemeinsam. Zu rasant haben sich Technik und Unternehmenskultur verändert und weiterentwickelt. „Wir haben uns seitdem zweimal um uns selbst gedreht, mit 4,3 Millionen Euro den Umsatz verdoppelt. Vertrieb und Außendienst sind nicht mehr vergleichbar mit früheren Zeiten“, beschreibt Chruscinski den Wandel. 

ZUKUNFT BRAUCHT HERKUNFT
Die Inhalte der drei Säulen Bürobedarf, Büroeinrichtungen sowie moderne Druck- und Kopiersysteme bestehen aus weit mehr als bloßem Verkauf. Der Technikbereich wurde ab 2009 von Grund auf neu aufgestellt. Chruscinskis Leidenschaft für seinen Beruf kommt deutlich zum Vorschein, wenn er Aussagen trifft wie, „Wir können unseren Kunden Systemlösungen anbieten“, oder, „Optimale Flächennutzung, überzeugende Raumwirkung – wir schneiden individuell auf unsere Kunden zu“. Bürosysteme in jeder Form und Farbe und inhaltlichen Ausgestaltung sind das Thema des gelernten Groß- und Außenhandelskaufmanns. 

Er muss nachrechnen, wie lange er schon dabei ist, und kommt auf 38 Jahre, bei einem Mittfünfziger länger als das halbe Leben. Beratungskompetenz ist ein Schlüsselwort der Arbeit des Betriebs. „Der Trend geht wieder zur Dienstleistung plus Fachkompetenz, Industrie und Fachhandel begegnen sich auf Augenhöhe“, erläutert der Chef von 23 Mitarbeitern. Er ist stolz darauf, dass es bei ihm so gut wie keine Fluktuation gibt. „Der Mensch ist das größte Kapital, ich alleine kann nichts“, sagt der Verfechter eines kooperativen Führungsstils. „Ich muss heute meinen Mitarbeitern das Gefühl geben, dass sie gleichberechtigt sind.“ Er geht offen mit den Unternehmenskennziffern um, das heißt, er informiert die Angestellten regelmäßig über alle wichtigen Werte und steigert die Effizienz, indem er sein Augenmerk richtet auf die Stärken seiner Mitarbeiter, sie zu fördern und an der richtigen Stelle zum Einsatz kommen zu lassen. „Das ist vielleicht ein bisschen mein Talent“, sagt der Braunschweiger. 

Seine Branche ist gekennzeichnet von steter technischer Neuerung, da gilt es, Schritt zu halten. Chruscinski fällt dieses leicht. „Wir sind Innovationsnutzer“, sagt er. Innovation ist für ihn eine feste Größe, aber der Unternehmer vergisst darüber nicht den Menschen, nicht nur in Gestalt seiner Mitarbeiter, sondern auch als Geschäftspartner. „In dem Moment, wo Geschäft und Geschäftsanbahnung keinen Spaß macht, wird es kein gutes Geschäft“, oder, „Ein Geschäft wird mit Menschen gemacht, zu denen man Vertrauen hat“, sind typische Aussagen. Frank Chruscinski setzt auf klassische Werte und hat Zukunft und Vergangenheit gleichermaßen im Blick: „Zukunft hat mit Herkunft zu tun. Innovation geht nicht ohne Tradition.“ Er ist mittlerweile in der Residenzstadt verwurzelt, besonders im Wirtschaftsleben, seinen Wohnsitz in Braunschweig hat er jedoch nicht aufgegeben. Dort betreibt er eine Niederlassung. „Der Braunschweiger kauft nur vom Braunschweiger“, aber „der Stammbetrieb ist hier, und der trägt uns.“ 

NEUE SORTIMENTSTRUKTUR UND PRÄSENTATION
Und dieser wird sich im laufenden Jahr noch erweitern und etwas wieder aufleben lassen, was mit der Schließung des Schreibwarengeschäftes in der Altstadt im Dezember des vergangenen Jahres für beendet erklärt wurde. Das Ehepaar Matthes fand keine Nachfolger für den Laden in der Zöllnerstraße und gab ihn daher auf. Keineswegs erlosch damit die Firma Haupt, die Wolfram Matthes‘ Vater, Heinz, im Jahr 1937 gekauft hatte. Der gewerbliche Zweig blieb unter Führung von Frank Chruscinski bestehen. Und dieser eröffnet nun das Fachgeschäft für Bürobedarf und Schreibgeräte aller Art neu auf dem Gelände in Westercelle. Die Umbauarbeiten werden – abhängig vom Verlauf der Corona-Krise – noch in diesem Jahr beginnen. „Hier wird ein Schaufenster integriert“, erläutert der Unternehmer eine der umfangreichen Maßnahmen. Die Einweihung soll möglichst in diesem Jahr stattfinden. Wie kaum anders zu erwarten, hat er in puncto des wichtigsten Kapitals vorgesorgt: „Eine langjährige Mitarbeiterin aus der Zöllnerstraße wird diesen Bereich betreuen“. 

Frank Chruscinski fühlt sich der Celler Geschäftshistorie verpflichtet. Ein Statement ist ihm wichtig. Es hatte immer Gültigkeit, wird allerdings beginnend mit dem Start des neuen Konzepts und im nächsten Jahr anlässlich des 250-jährigen Jubiläums an Substanz noch ein wenig zugelegt haben: „Den Haupt, den gibt es noch!“