OLDENBURG/CELLE. Den Anfang machten bereits Anfang März die feinen, weißen Stangen von einzelnen beheizten Feldern direktvermarktender Betriebe. In diesen Tagen beginnt die Spargelernte in ganz Niedersachsen. Den aktuellen Wetterprognosen zufolge werden die Erntemengen relativ schnell zunehmen, berichtete die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Zum Saisonstart stand in diesem Jahr weniger Spargel zur Verfügung als 2017. Dennoch rechnet die Kammer landesweit mit guten Erträgen.

Der nasse Winter hatte vielerorts zunächst dazu geführt, dass Flächen nicht befahrbar waren. Dank der Frostperiode und des trockenen Wetters ab März wurde das wieder gut möglich. Viele Flächen konnten so rechtzeitig bearbeitet werden. Dass voraussichtlich bald überall reichlich Spargel geerntet wird, hat nach Ansicht der Fachleute der Landwirtschaftskammer zwei Gründe: Zum einen werden voraussichtlich weitere Anlagen gegen Ende April in die Ernte kommen. Zum anderen war der Winter ausreichend kalt für einen gleichmäßigen Austrieb. Bis Ende März waren die Temperaturen in der Tiefe der Spargelkronen vielerorts noch im einstelligen Bereich. Erst wenn dort, in etwa 20 Zentimeter Tiefe, Temperaturen von zwölf Grad und mehr herrschen, treibt der Spargel aus. Dafür werden die kommenden warmen Tage sorgen.

Dass die Erntemengen voraussichtlich schnell zunehmen werden, hängt nicht nur mit dem Wetter, sondern auch mit modernen Anbaumethoden zusammen: Viele Betriebe haben in den zurückliegenden Jahren in zusätzliche Folientechnologie investiert. Mit deren Hilfe lässt sich das Wachstum des Edel-Gemüses beschleunigen und besser steuern.

Neben der Abdeckung der Spargeldämme mit einer Lage Folie und den Feldern mit einem zusätzlichen transparenten Folientunnel über den Dämmen setzen Spargelbauern verstärkt auf eine Dreifachabdeckung: Dabei wird über die Tunnel, in denen die Dämme mit schwarzer Folie abgedeckt sind, noch eine weitere Folie aufgelegt. Dadurch erwärmen sich auch noch die Laufwege zwischen den Tunneln und speichern zusätzlich die Wärme. Tunnel und Folie lassen sich neuerdings auch maschinell abheben – das spart Zeit und schont die Pflanzen.

Rund 400 Betriebe setzen in Niedersachsen auf den Anbau von Spargel. Nach Angaben des Statistischen Landesamts in Hannover wurden 2017 auf rund 5.200 Hektar (2016: 4.929 Hektar, + 5,2 Prozent) genau 29.962 Tonnen (2016: 26.465 Tonnen, + 13,2 Prozent) des Saisongemüses geerntet. Außerdem kamen vergangenes Jahr noch knapp 1.000 Hektar Spargel-Neuanpflanzungen hinzu. Zu den Zentren des niedersächsischen Spargelanbaus zählen die Regionen rund um Nienburg, Lüneburg, Uelzen sowie das Osnabrücker Land.

Steigen die Temperaturen nach dem Winter an, treiben die Spargel-Wurzelstöcke weiße Sprosse aus. Ab einer Temperatur von zwölf Grad Celsius beginnt der Spargel in den Erddämmen nach oben zu wachsen. Mit schwarzer Folie erreichen die Bauern eine möglichst starke Erwärmung, das Wachstum beschleunigt sich. Wird es im Damm zu warm, werden die Folien auf die stark reflektierende, weiße Seite gewendet. Das verhindert eine Überhitzung und bremst die Entwicklungsgeschwindigkeit, damit der Spargel möglichst über mehrere Wochen hinweg gestochen werden kann.

Die meisten Spargelbetriebe nutzen alle drei Folien-Abdeckungs-Methoden, um die Ernteperiode möglichst weit auszudehnen. Häufig ist es so, das 50 Prozent der Anbauflächen im Betrieb verfrüht – also mit technischer Hilfe in der Entwicklung beschleunigt – werden. Ein Teil der Flächen wird mit Lochfolie oder Vließ, Minitunnel und Schwarzfolie dreifach bedeckt, um möglichst früh mit der Ernte beginnen zu können. Danach starten dann die zweifach bedeckten Flächen, die mit Minitunnel und schwarzer Folie ausgerüstet sind. Diese werden schließlich von den einfach mit schwarzer Folie bedeckten Flächen abgelöst. Gegen Ende der Saison, die traditionell am Johannistag (24. Juni) endet, schließen dann die einfach weiß bedeckten Flächen ab.

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