LINGEN. Eine Frau in Feuerwehruniform liegt hilflos auf dem Boden, mitten in den Emslandhallen in Lingen. Ihr Gesicht ist hochrot, sie atmet schwer. „Mir ist so heiß!“ bringt sie mit Mühe hervor. Sechs Minuten bleiben den fünf Jugendlichen, die um sie herum stehen, die Situation zu erfassen und der Frau adäquat zu helfen.

Ganz klar: die Frau, die helfen wollte, ist nun selbst in eine Notfallsituation geraten. Offensichtlich hat sie einen Sonnenstich. Einen Hinweis darauf geben die Sträucher, die rings um die Frau drapiert sind und der gleißende Strahler, der genau auf sie gerichtet ist. Die fünf Schüler und Schülerinnen des Ernestinums zögern nicht lange: Die Frau wird schnell von ihrer Uniformjacke befreit, mit Hilfe einer Rettungsdecke wird ein Sonnenschutz improvisiert, Gesicht und Handgelenke  werden mit nassen Tüchern gekühlt und ein Notruf abgesetzt.

Foto: Maren Danz

Foto: Maren Danz

Jedes Jahr gestaltet das DRK ein neues Motto für den Wettbewerb für Schulsanitäter in Lingen. Diesmal drehte sich alles um den Katastrophenalarm. Eine kurze Einführung zu Beginn der Veranstaltung machte den über hundert Schülergruppen aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen anschaulich klar, wie viel Bedeutung die Arbeit von ehrenamtlichen Helfern im Falle einer tatsächlichen Notlage hat. Um für mögliche zukünftige Herausforderungen bestens zu wappnen, waren auch die Aufgaben, die den Teilnehmern anschließend im Wettbewerb gestellt wurden, passend gestaltet.

Eine beachtlich große Anzahl von 15 Schulsanitätern und Mitgliedern der Erste-Hilfe-AG des Ernestinums startete früh am Morgen von Celle aus in Richtung Lingen zu einem perfekt organisierten Wettbewerbstag. In drei Gruppen mit jeweils fünf Schülern eingeteilt mussten sich die engagierten Ersthelfer einen ganzen Tag lang an fünfzehn verschiedenen Stationen beweisen. Mit Namensschildern und genauen Ablaufzetteln ausgestattet ging es um zehn Uhr los. Immer bis zu acht Gruppen bearbeiteten eine Station gleichzeitig. Es mussten nicht Notfallsituationen und sehr echt gestaltete Unfallszenarien gemeistert, sondern auch Geschicklichkeit und Sportlichkeit unter Beweis gestellt werden. Jeweils sechs Minuten hatten die Gruppen Zeit, um Patienten zu versorgen oder knifflige und/ oder sportliche Aufgaben zu lösen. Schiedsrichter nahmen die errungene Punktzahl auf. Nur eine kurze Pause wurde den Gruppen gegönnt, bevor es dann weiter zur nächsten Station ging.

Zum Glück gab es auch einige längere Pausen, in denen man sich über den Gebrauch eines Defibrillators oder das Beatmen eines Patienten informieren konnte, aber auch die Möglichkeit hatte, etwas Leckeres zu essen oder in einem sich drehenden Auto einmal auf dem Kopf zu stehen.

Am Ende wurde es dann wie immer spannend: alle Gruppen versammelten sich, um an der Siegerehrung teilzunehmen. Auch die Ernestiner warteten gespannt, da die Schüler an den Stationen oftmals ein positives Feedback bekommen hatten. Am Ende reichte es dann aber leider doch nicht für einen der begehrten ersten fünf Preise.

Es ist beachtenswert, dass so viele Schüler des Ernestinums jedes Jahr bereit sind, einen langen Tag und die recht weite Anreise nach Lingen auf sich zu nehmen, um sich in humanitärer Hilfe zu erproben. Allen hat es wie immer sehr viel Spaß gemacht. Auch ohne Preis können die Jugendlichen jedes Jahr etwas mit nach Hause nehmen: neue Erfahrungen im Umgang mit Notfallsituationen und das sichere Gefühl, dass man in der Lage ist, Menschen in Not zur Seite zu stehen und zu helfen.

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