BURGWEDEL/CELLE.  1928 raste Fritz von Opel über die Berliner Avus und stellte mit 238 km/h einen deutschen Geschwindigkeitsrekord auf – ermöglicht durch 24 Feststoffraketen. Knapp 20 km/h mehr schaffte der Nachfolger auf einer Schienenstrecke zwischen Celle und Burgwedel.

Damals war das Rüsselsheimer Unternehmen, aus heutiger Sicht schwer vorstellbar, die Nummer 1 in Deutschland. Einst Hersteller von Fahrrädern und Nähmaschinen wollte die Familie mit neuartigen Antrieben und Rekorden ihren Führungsanspruch auch im Autobau unterstreichen – der Marktanteil damals: satte 37,5 Prozent. Gründerenkel Fritz von Opel, Hobbyastronom und Privatpilot, träumte von Reisen ins Weltall und zündete dafür schon auf Erden die ersten Raketen.

Gemeinsam mit dem Astronomen Max Valier und Friedrich Wilhelm Sander entwickelte von Opel in wenigen Monaten einen Prototypen. Am 11. April 1928 „schoss“ das erste Raketenauto, der Opel RAK 1, auf dem werkseigenen Testgelände in acht Sekunden auf rund 100 km/h. Das vom Rennfahrer Kurt Volkhart gesteuerte Auto wäre vielleicht noch schneller gewesen, wenn nicht nur sieben der insgesamt zwölf Raketen gezündet hatten. Es folgten zwei weitere Versuche, ehe Fritz von Opel am 23. Mai 1928 auf der Avus zum großen Rennen ansetzte. Zehntausenden Zuschauer waren dabei, als die „RAK 2“ zum Weltrekord fuhr.

Als Chassis diente der Opel „Personenwagen Typ 10/40 PS“ – darauf montierten die Autobauer eine 4,88 Meter lange und 1,20 Meter hohe zigarrenförmige Karosserie. Mit ihren seitlichen Stabilisierungsflossen kam sie auf satte drei Meter Breite. Das gerade einmal 560 Kilo schwere Fahrzeug rollte auf 20-Zoll-Speichenrädern. Das Elementare jedoch: 24 Raketen mit insgesamt 120 Kilo Sprengstoff, die anschließend paarweise und zeitversetzt per Fußpedal elektrisch gezündet wurden, sorgten für eine Schubkraft von sechs Tonnen. 24 Sekunden benötigte das Geschoss für fast zwei Kilometer: 238 km/h – deutscher Rekord für Landfahrzeuge.

Genau einen Monat später dann der große Moment in unserer Region. Der Rekord sollte diesmal auf Schienen gebrochen werden, ohne Fahrer im Auto. Dazu hatten die Opel-Ingenieure ein einfaches Fahrgestell mit zwei starren Achsen auf vier Laufrädern gebaut. Zehn ferngezündeten Raketen sollten genügen. Zwei weitere Raketen im Frontbereich sollten für das Abbremsen sorgen. Am 23. Juni 1928 startete der „Opel RAK 3“ vor erneut zigtausenden Zuschauern auf der Schienenstrecke zwischen Celle und Burgwedel und stellte mit 256 km/h einen neuen Weltrekord für Schienenfahrzeuge auf.

Nach einigen erfolglosen Versuchen mit Schienenfahrzeugen und einer Bruchlandung mit einem ebenfalls raketengetriebenen Hochdeckerflugzeug beendete General Motors die „Höhenflüge“ des Opel-Enkels „Raketen-Fritz“, wie er damals genannt wurde. Im März 1929 schluckte der amerikanische Konzern den deutschen Autobauer. 1968 übergab Opel einen rekonstruierten Rekordwagen Opel RAK 2 an das Deutsche Museum in München. Dort steht er noch heute.



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