Hilfe zur Selbsthilfe – Erster Tag der Selbsthilfe vor dem Allgemeinen Krankenhaus

Wissenschaft Von Redaktion | am So., 15.09.2019 - 21:30

CELLE. Hanni Klindworth-Reincke verdankt dem Tag der Selbsthilfe viel, damals fand er noch in der City statt: „Ich bin per Zufall drauf zugelaufen, es war ein Glücksfall“, berichtet die am Lympödem leidende junge Frau. „Es stärkt das Selbstbewusstsein, wenn man sich mit Menschen austauschen kann, die das gleiche Problem haben wie man selber“, sagt sie, bevor sich ihre Mitstreiterinnen am Stand vor dem Allgemeinen Krankenhaus (AKH) einklinken und zahlreiche weitere Gründe für Selbsthilfegruppen anführen, z.B. die Information, welche Rechte man habe, nützliche Tipps wie, welches Sanitätshaus das Beste sei, und vieles mehr. Mittlerweile ist Hanni Klindtworth-Reincke selbst Teil einer Gemeinschaft zur Selbsthilfe, den „Lily Turtles“, die eine der insgesamt 19 beteiligten Gruppen des Tages der Selbsthilfe am Samstag sind.
Zum ersten Mal findet er nicht in der City, sondern vor dem AKH statt. „Der direkte Kontakt zu Patienten soll hergestellt werden“, begründet der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes, Steven Breuer, den Ortswechsel. Und die Verantwortliche des veranstaltenden KIBIS Celle (Kontakt-Information-Beratung im Selbsthilfe-Bereich), Ursula Grudniok, ergänzt: „Es geht darum, die Betroffenen, auch Menschen mit Migrationshintergrund, die die Strukturen hier noch nicht kennen, abzuholen“. Aus diesem Grund wird die Veranstaltung sowohl auf Russisch als auch Französisch moderiert. „Hier kommt eine ungeheure Kompetenz zusammen“, sagt Breuer in seiner Begrüßungsansprache, „die Erkrankten wissen genau, wovon sie sprechen.“ Die Aufgabe des Gesundheitsamtes ist es, Gesundheitsfürsorge zu leisten. „In diesem Zusammenhang unterstützen wir die Veranstaltung. Das Gefühl, dass man nicht alleine mit einem Problem ist, ist enorm wichtig. Immer einen Ansprechpartner – über Ärzte hinaus – zu haben, kann eine große Hilfe sein.“ Die Familie sei im Falle von Erkrankungen von Bedeutung, aber „es sind keine Betroffenen“. Breuer bereitet es Sorge, dass der Altersschnitt in den insgesamt 102 Selbsthilfegruppen in Stadt und Landkreis über 50 Jahre liegt. „Sie müssen erhalten bleiben und damit sie im Gespräch bleiben, veranstalten wir diesen Tag der Selbsthilfe“, hebt Steven Breuer hervor.

„Lichtblick – eine Initiative für Eltern mit psychisch erkrankten Jugendlichen“ gibt es erst seit April dieses Jahres, daher ist es für sie eine Premiere, dabei zu sein. Depressionen, Essstörungen, Selbstverletzung – nur ein Ausschnitt der psychischen Probleme, von denen junge Leute heimgesucht werden können. Kathrin Gehrmann und Anja Michalski haben Lichtblick auf der Basis eigener Erfahrung gegründet. Und nun machen sie unmittelbar dort, wo eventuell Eltern erkrankter Kinder ihre Schützlinge besuchen, Werbung für „Lichtblick“.

Suchterkrankungen werden am ehesten in Verbindung gebracht mit dem Thema Selbsthilfe. Manfred Hoeke, Reiner Hoffmann und Achim Becker stehen gemeinsam hinter einem Stand, obwohl jeder eine Gemeinschaft vertritt. „Wir haben uns kurzerhand zusammengetan“, erläutert Hoeke für die Vereinigungen „Der neue Weg“, „Das Blaue Kreuz“ der Evangelischen Kirche sowie „BKE – Suchtselbsthilfe“. „Wenn man ein Suchtproblem hat, ist es wichtig, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen, welche ist erstmal egal“, sagt Reiner Hoffmann vom BKE. „Mach den Schritt, das hilft“, bringt sich Achim Becker ins Gespräch ein. Mit Nachdruck artikulieren alle drei Herren diese Sätze, sie sind engagiert, sie wollen weitergeben, unbedingt helfen. „Gerade Alkohol ist oft ein verstecktes Problem“, berichtet Hoeke. „Wir möchten, dass die Betroffenen aus dem Dunkel herauskommen“, formuliert Reiner Hoffmann einen eindringlichen Satz, der anlässlich dieses Selbsthilfetages, wie alle anderen Infoangebote der unterschiedlichen Gruppen auch, Gelegenheit hatte, Wirkung zu entfalten.