„Hinter Kasernenmauern verstecken wäre das falsche Signal“ - Interview mit Oberst Georg v. Harling zum Tag der Bundeswehr

Gesellschaft Von Redaktion | am Fr., 07.06.2019 - 20:43

FASSBERG. Vom 13. bis 15. Juni dreht sich in Faßberg alles um „70 Jahre Luftbrücke“ und den Tag der Bundeswehr. Ein Spotter-Day für fotografierende Flugzeugenthusiasten, ein feierliches „Fly in-Barbecue“ für Bürger, Veteranen und Zeitzeugen der Luftbrücke, Open Air-Benefizkonzert mit der Big Band der Bundeswehr auf dem Schützenplatz, Gedenkveranstaltungen zur Luftbrücke und der Tag der Bundeswehr auf dem Fliegerhorst sollen Bürgerinnen, Bürgern und Besuchern einen Blick in die Geschichte und Gegenwart des Faßberger Fliegerhorstes und darüber hinaus in den Alltag der Bundeswehr ermöglichen. CELLEHEUTE hat den Standortältesten und Kommandeur des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe, Oberst Georg v. Harling, nach seinen persönlichen Highlights im Programm befragt. Aber auch dazu, warum es den Tag der Bundeswehr gibt.

CH: Herr Oberst v. Harling, hat die Bundeswehr finanziell und personell die Kapazitäten, solch ein Event auf die Beine zu stellen oder müsste sie nicht erst mal ihre internen Angelegenheiten bearbeiten?

v. Harling: Wir haben auf jeden Fall das Geld für so ein Event und es wäre zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen falsch, nicht in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Wir sind dankbar dafür, dass das Thema Bundeswehr mehr präsent ist in der Öffentlichkeit als in den letzten Jahren. Zweitens ist das natürlich auch eine Maßnahme, bei der wir Nachwuchs für die Bundeswehr werben möchten. Wenn wir uns hinter Kasernenmauern verstecken würden, wäre das genau das falsche Signal. Ja, wir haben Zusatzausgaben. Die halten wir aber, soweit es geht, in Grenzen und wir verbinden damit in der Vorbereitung durchaus auch einen Übungseffekt für unsere eigenen Leute.

Wenn die Werbung so wichtig ist für die Bundeswehr - wen wollen Sie mit der Veranstaltung ansprechen?

Menschen von 8 bis 80. Die gesamte Bevölkerung wollen wir ansprechen, jeder Bürger und jede Bürgerin hat ein Recht darauf hat, zu erfahren, was die Bundeswehr tut.

Sie suchen aber auch Nachwuchs?

Ja wir sind ein Unternehmen mit 250.000 Mitarbeitern und suchen natürlich ständig Nachwuchs. Aber auch beim Nachwuchs ist unsere Strategie inzwischen so, dass wir nicht nur zwischen 18 und 20 schauen, sondern dass wir auch so genannte Seiteneinsteiger suchen, die aufbauend auf ihre berufliche Erfahrung bei uns ein breites berufliches Spektrum finden. Das heißt, wir stellen auch Menschen, welche die entsprechende Qualifikation mitbringen durchaus auch mit 40, 45 oder 50 Lebensjahren als Zeitsoldaten oder zivile Mitarbeiter ein.

Kann man bei einer solchen Veranstaltung ein realistisches Bild der Bundeswehr vermitteln?

Was ist realistisch? Wir sind ein Arbeitgeber, der eine Viertel Million Menschen beschäftigt. Und sie können immer - ganz egal wo sie hinschauen -  nur Teilaspekte zeigen. Ich kann natürlich hier nicht alles darstellen. Aber ich kann versuchen, ein möglichst breites Spektrum darzustellen, und ich kann Menschen darstellen, die als Gesprächspartner an den verschiedenen Stationen stehen und ehrlich Auskunft geben. Wir freuen uns, dass wir Luftfahrzeuge sowohl am Boden als auch in der Luft, wie auch Landfahrzeuge der Bundeswehr zeigen können. Wir wollen aber kein potemkinsches Dorf aufbauen. Auch werde ich mich nicht hinstellen und irgendwas beschönigen, aber ich werde auch nichts schlecht reden.

Was für Menschen wünschen Sie sich als Interessenten für die Bundeswehr. Was sollten sie mitbringen?

Sie sollten Interesse an der Arbeit bei der Bundeswehr mitbringen. Sie sollten bereit sein, sich für unsere Wertegemeinschaft einzusetzen. Und sie müssen zwingend auf dem Boden unserer Verfassung stehen. Wir wollen weder von rechts noch von links Menschen haben – und da schauen wir sehr genau hin – die dies nicht tun. Von den Einsatzbereichen her bieten wir ein breites und abwechslungsreiches Spektrum, von Bürotätigkeiten über die Technik bis zum Infanteristen oder dem Piloten.

Am Tag der Bundeswehr bieten Sie ein umfangreiches Programm. Was sind für Sie persönlich die Highlights, was würden Sie den Besuchern ans Herz legen?

Man sollte auf keinen Fall die Flugvorführungen verpassen und zwar insbesondere die, wo wir in ein komplexes Szenario zeigen: Was heißt humanitäre Hilfe heute? Denn wir verbinden ja den Tag der Bundeswehr mit dem Luftbrückenjubiläum und sagen ganz bewusst, die Luftbrücke nach Berlin war eine einmalige humanitäre Hilfsleistung, aber auch wir als Bundeswehr haben - zwar nicht in der Größenordnung -, aber immer wieder auch unterstützt: Kurdenhilfe, Luftbrücke nach Sarajewo, Hungerhilfe in Afrika bis hin zur Waldbrand- und Hochwasserbekämpfung. Das zeigen wir auch in unserem Programm. Und man sollte auf jeden Fall den Abflug der Rosinenbomber sehen.

2017 hat der Fliegerhorst Faßberg zuletzt einen Tag der Bundeswehr ausgerichtet. Was haben Sie daraus gelernt und vielleicht optimiert?

Wir haben daraus gelernt, dass es einen Riesenspaß macht, mit 2500 zupackenden Menschen mehr als 30.000 Gäste zu begrüßen und zu informieren. Das war eine tolle Erfahrung für uns alle. Für das diesjährige Event haben wir Details verbessert. Bogenschießen bieten wir nicht mehr an wegen der Unfallgefahr. Zudem waren in 2017 der Eingangs- und Ausgangsbereich getrennt, das haben wir in diesem Jahr zusammengelegt, um Irritationen zu vermeiden.

Wird es in zwei Jahren wieder einen Tag der Bundeswehr in Faßberg geben?

Ich hoffe nicht (lacht). Die Luftwaffe ist generell mit zwei Standorten mit von der Partie. Es gibt in diesem Jahr insgesamt 14 Standorte. Normalerweise ist man alle vier oder sechs Jahre dabei. Wie hatten jetzt diesen engen Abstand gewählt, weil wir das 70. Luftbrückenjubiläum feiern wollten. Um ein attraktives Programm für beides bieten zu können, müssen wir's zusammenlegen. Und auch um die Organisation zu optimieren. Es hat den Vorteil, dass wir ein Team haben, das eingespielt ist, aber es ist natürlich schon ein erheblicher Zusatzaufwand. Und wenn wir danach dann erst mal durchatmen könnten, sind wir nicht unglücklich.