Hölty-Gymnasium wird „HaLT-Schule“

Gesellschaft Von Redaktion | am Di., 28.11.2017 - 20:00

CELLE. Bereits seit Jahren gehört die Suchtprävention als fester Bestandteil zur Schulausbildung am Celler Hölty-Gymnasium. Bis zum vergangenen Jahr mussten die Schülerinnen und Schüler, die jeweils in Klasse sieben mit dem „HaLT-Programm“ (Hart am LimiT – ein Alkoholpräventionsprogramm von Stadt, Landkreis, Polizei und der Psychosozialen Beratungsstelle der Diakonie) starten, hierfür in die BBS III an der Bahnhofstraße fahren. In den vergangenen Wochen wurden nun auch Zehntklässlerinnen und Zehntklässler des Hölty-Gymnasiums zu Mulitplikatoren ausgebildet, die heute erstmals ihre Mitschüler der 7. Klassen selbst durch den „KlarSicht-Parcours“ des „HaLT-Programms“ führten.
In drei über mehrere Wochen verteilten vierstündigen Blöcken waren die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 unter Leitung von Frauke Ristau, Suchtprävention bei der Stadt Celle, zu Auswirkungen und Risiken von Alkohol- und Zigarettenkonsum ebenso geschult worden, wie zu Moderationstechniken, die sie in den Gesprächen mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern anwenden können. „Ganz wichtig ist bei dem Präventionsprogramm, dass die Jugendlichen in dem Alter, in dem sie erstmals Kontakt mit Alkohol oder Zigaretten haben, lernen, selbst verantwortungsvoll und kritisch mit den legalen Drogen umzugehen. Niemand will hier mit dem erhobenen Zeigefinger kommen oder etwas verbieten“, erklärte Thomas Jakob vom Jugendschutz der Stadt Celle.

Fünf Stationen ließen die frisch ausgebildeten Multiplikatoren die Siebtklässler im „KlarSicht-Parcours“ heute Morgen durchlaufen. Wie funktioniert Werbung, was suggeriert sie einem? Wie sieht die Welt im Rausch aus? Wieviel Teer enthält eine Zigarette? Wieviel Gramm Alkohol sind in einem Glas Wein, Bier, Schnaps oder Biermischgetränk? Und was genau passiert im Körper, wenn Alkoholmissbrauch betrieben wird? Diesen und anderen Fragen konnten die Jugendlichen mit Hilfe ihrer Mitschüler aus der 10. Klasse spielerisch und interaktiv auf den Grund gehen.

An Station drei, der sogenannten „Talkshow“, sollten die 12- bis 13-jährigen Schülerinnen und Schüler mit kleinen Bildern eine Geschichte zusammenstellen, in der es um Alkohol und/oder Drogen ging. Saskia Rosenthal und Mirja Pache aus der Klasse 10 d hörten genau zu und hinterfragten dann: „Wie hätte man vermeiden können, was in eurer Geschichte durch den Alkoholmissbrauch passiert ist? Würdet ihr das auch machen, um cool zu sein? Habt ihr selbst schon Erfahrungen mit Alkohol und Rauchen gemacht?“. Die ihnen gegenübersitzenden Siebtklässlerinnen machten sich eine Menge Gedanken, diskutierten untereinander und schilderten eigene Erlebnisse. Ihr Fazit nach der Diskussion mit den älteren Mitschülerinnen: „Wir können uns nicht vorstellen, dass wir Alkohol oder andere Drogen mal so gern mögen werden“.

„Es geht wirklich darum, dass die Multiplikatoren mit den Schülern ins Gespräch kommen. Wenn sie dann an dem Thema, das die jüngeren Mitschüler interessiert, dran bleiben, bleibt das denen auch lange im Gedächtnis“, erläuterte Ristau. Auf dem Flur probierten die Siebtklässler sogenannte „Rauschbrillen“ aus, die das Gefühl eines Rausches vermitteln sollen. Schnell wurde ihnen klar, dass selbst einfache Tätigkeiten im Rausch nicht mehr gut funktionieren. Nach insgesamt 90 Minuten Parcours mit vielen Informationen und Anregungen zum Nachdenken konnten die Siebtklässler eine Menge neuer Erkenntnisse mit nach Hause nehmen, die die Multiplikatoren durch den intensiven Umgang mit dem Thema bereits verinnerlicht haben. „Die Leute in meinem Alter wissen oft viel zu wenig darüber - sie denken, Trinken und Rauchen sind cool. Da ich inzwischen die Gefahren kenne, halte ich mich definitiv mit Alkohol und Zigaretten zurück“, so Annegrit Finke, Multiplikatorin aus der Klasse 10 d. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde den ausgebildeten Mulitplikatoren ein „KlarSicht-Koffer“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit den wichtigsten Utensilien für den „KlarSicht-Parcours“ übergeben, damit dieser auch von zukünftigen siebten Klassen am Hölty-Gymnasium durchlaufen werden kann.

Text: Angela Siems