ESCHEDE. Nach CELLEHEUTE-Informationen ist der in der vorwiegend von der rechtsextremen Szene genutzte Hof Nahtz in Eschede an den NPD-Landesverband Niedersachsen verkauft worden. Der Landkreis bestätigt auf Nachfrage:

„Nach bestätigten Informationen ist eine Veräußerung des Hofgrundstückes Nahtz in Eschede im Landkreis Celle erfolgt. Der bisherige Eigentümer hat sich mit dem Niedersächsischen Landesverband der NPD bereits im Februar 2019 auf eine Veräußerung geeinigt. Es muss davon ausgegangen werden, dass die in der Vergangenheit auf dem Hofgrundstück durchgeführten rechtsextremistischen Veranstaltungen auch zukünftig ausgerichtet werden. Auf dem Hof Nahtz fanden in den vergangenen Jahren wiederholt Sonnenwendfeiern, Erntedankfeste und andere Veranstaltungen der rechtsextremistischen Szene statt. Um auch künftig die Einhaltung der Rechtsordnung sicherzustellen, werden alle beteiligten Behörden unmittelbar zusammenwirken.“

Am Wochenende werden dort die alljährlichen sogenannten „Sonnendwend-Feiern“ stattfinden, gegen das erneut ein Bündnis demonstrieren möchte (CELLEHEUTE berichtete).

Für das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus kommentiert Wilfried Manneke den Verkauf wie folgt:

„Erst drei Stunden alt ist die Nachricht: Der Hof Nahtz in Eschede ist an die NPD-Niedersachsen verkauft worden. Wie CELLEHEUTE berichtet, hat der Verkauf bereits im Februar stattgefunden.

Somit werden die rechtsextremen Treffen auf dem Hof Nahtz in Eschede noch lange stattfinden. Immerhin fand ja schon im vergangenen Jahr der NPD-Landesparteitag Niedersachsen auf dem Hof statt. Die NPD hatte dafür ein Zelt aufstellen lassen, da sie inzwischen große Schwierigkeiten hat, noch irgendwo in Niedersachsen einen Saal anmieten zu können. Zur morgigen „braunen Sonnwendfeier“ auf dem Hof Nahtz lädt die NPD erneut ein, gemeinsam mit ihrer Jugendorganisation JN und den Düütschen Deerns, eine rechtsextreme Frauenorganisation aus Schneverdingen. Sie bezeichnen das  morgige Fest als ‚Brauchtumsfeier‘. Ihr eigentliches Ziel ist es aber, auf Zusammenkünften wie diese Kontakte zu pflegen, Termine abzusprechen und neue Aktionen vorzubereiten. Somit sind diese Sonnwendfeiern alles anderes als harmlos.

Für uns – Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus – werden die Demos gegen die „Brauchtumsfeiern“ auf dem Hof Nahtz in Eschede ab morgen eine neue Qualität haben. Es ist nämlich schon ein Unterschied, ob ein verirrter Landwirt seinen Hof für solche Treffen zur Verfügung stellt oder der Hof selbst Eigentum der NPD ist. Es stellt sich für uns auch die Frage, was die NPD mit dem Hof vor hat?

Unwillkürlich müssen wir an zwei Orte in unserer Region denken, wo Rechtsextreme sich schon ‚mal sehr breit gemacht haben:

Hetendorf 13
Das Neonazi-Zentrum „Hetendorf 13“ (Landkreis Celle) hat der Rechtsanwalt und Bundesvize der NPD, Jürgen Rieger, von 1978 bis 1998 betrieben. Es war mit 300 Betten das größte rechtsextreme Schulungszentrum in deutschsprachigen Raum. Rieger führte dort politische Schulungen, Pfingstlager  und Wehrsportübungen durch. „Hetendorf 13“ war auch Zentrum der Wiking-Jugend, eine Nachfolge-Organisation der Hitler-Jugend und des Bundes Deutscher Mädel. 1997 war auch Beate Zschäpe in Hetendorf. Erst 1998 hat das Land Niedersachsen das Zentrum in Hetendorf wegen Verfassungswidrigkeit geschlossen.

Landhotel Gerhus
Auf Anweisung von Jürgen Rieger besetzten Mitglieder der Neonazi-Kameradschaft 73 aus Celle 2009 das „Landhotel Gerhus“ in Niederohe bei Faßberg. Sie hatten die Schlösser aufgebohrt und das Gebäude gesetzwidrig eingenommen. Rieger wollte aus dem Hotel mit 50 Zimmern und 200 Betten erneut ein Schulungszentrum für Neonazis machen und den angrenzenden Campingplatz als Lagerplatz der rechtsextremen Jugend nutzen. Das Landgericht Lüneburg ordnete jedoch schon kurze Zeit später an, dass die Nazis das Hotel sofort räumen müssten. Im Dezember 2009 wurde es schließlich versteigert, an eine Unternehmerin aus Celle, die daraus ein Heim für Suchtkranke machte.

Hof Nahtz
Hat die NPD vor, den Hof Nahtz zu einem größeren Zentrum auszubauen? Soll daraus vielleicht sogar eine Neuauflage von „Hetendorf 13“ werden? Vorstellbar ist es. Immerhin liegt der Hof völlig isoliert am Rand von Eschede. Er ist drei Kilometer von der L 281 entfernt, nur über einen Sandweg zu erreichen. Es gibt auch keine weiteren Höfe oder Häuser in der Nähe. Der Hof ist nicht einsehbar. Ein idealer Ort also für Gruppen, die unerkannt bleiben und sich nicht in die Karten schauen lassen wollen.

Morgen: Demo gegen rechtsextreme Sonnwendfeier der NPD am Sonnabend, dem 22. Juni 2019, in Eschede.

• Beginn der Demo um 13.00 Uhr, nördlich des Bahnhofs, Hermannsburger Straße
• Kundgebung ab 13.45 Uhr an der Abbiegung zum Hof Nahtz, an der L 281, Kreuzung „Am Dornbusch / Zum Finkenberg“.

Kommen Sie morgen zur Demo nach Eschede! Lassen Sie uns ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen. Wegzuschauen wäre das völlig falsche Signal. Dort, wo Neonazis ungestört handeln können, machen sie sich breit. Ihre Szene verfestigt sich und sie nutzen die Gelegenheit, besonders junge Leute in ihre Kreise zu ziehen.“

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