Knallbunt, schräg und böse – Spitzer Zeichenstift im Schaufenster

Kunst Von Anke Schlicht | am Fr., 16.10.2020 - 12:36

CELLE. Was macht Celle um 17 Uhr, genauer gesagt, zu dem Zeitpunkt, wenn der Turmbläser die Treppen des Kirchturms erklommen hat und die Citybesucher mit seinem Trompetenspiel kurz zum Innehalten einlädt?

Üben für die Weihnachtsfeier im Finanzamt unter Anleitung von Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Tütü, Walkend Kröten ins Jenseits befördern, traumatisierte IS-Heimkehrer therapieren oder Prozessieren zu Ehren von Herzogin Eléonore. Von seinem Atelier in der Celler Altstadt aus nimmt Maler Horst G. Brune den Alltag seiner Mitmenschen im Umfeld einiger Aushängeschilder der Residenzstadt offenbar aus einem besonderen Blickwinkel wahr. Landgestüt, Dammaschwiesen, Allerwehr und Schloss sind die Schauplätze für Brunes spitzen Zeichenstift. In Acryl auf Leinwand hat er die vier Celler Sequenzen gebannt und präsentiert sie nun weder in Galerie noch Gotischer Halle – in einem Schaufenster sorgen die knallbunten Szenen für Aufmerksamkeit. „Was hat denn das mit Leder und Taschen zu tun?“, mag sich mancher Citybesucher fragen, sobald er den Brandplatz/Ecke Rabengasse passiert.

Der Inhaber von „sacks’n’bags“, Alexander Rabe, möchte bei der Präsentation seines Warensortiments neue Wege gehen. Da kam ihm das Atelier seines früheren Lehrers, Horst G. Brune, in der Nachbarschaft gerade recht. Kurzerhand knüpfte er an die Idee der Veranstalter von „Kunst hier auch“ an und dekorierte die große Schaufensterfläche mit Werken, die in der Celler Altstadt geschaffen wurden…