CELLE. 

Als „völlig unverhältnismäßig und rechtlich fragwürdig“ hat der 
Vorsitzende der Ratsfraktion Die Linke/BSG, Oliver Müller, die Verfügung
der Stadt Celle zur sofortigen Räumung des Campingplatzes Silbersee
 bezeichnet (CELLEHEUTE berichtete ausführlich). „Ich habe mir nachmittags vor Ort von Betroffenen ihre
 Situation schildern lassen. Es ist mir völlig unverständlich, wie die 
Verwaltungsspitze hier mit Menschen umgeht, die zum Teil seit 
Jahrzehnten hier ihren festen Wohnsitz haben. Die Menschen sind
 verzweifelt.“

*Aktualisiert* CHTV: „Ich bin jetzt Penner“ – Campingplatz-Bewohner auf der Straße

Die Art des Vorgehens erscheine ihm nicht durch eine tatsächliche 
Gefahrensituation hervorgerufen, sondern eher als Versuch, die
 Bewohner zu überrumpeln. Müller: „Dass es für sie am 
Freitag Nachmittag viel schwerer ist, sich Rechtsschutz zu besorgen und
 ggfs. noch eine einstweilige Verfügung gegen die Räumung zu erreichen, 
weiß auch die Verwaltung. Die Art und Weise, wie die Verfügungen
zugestellt wurden, z.B. einfach an die Haustür geklebt, und die 
Behauptung ihrer Wirksamkeit am Zustellungstag erscheint mir zudem
 rechtlich sehr fragwürdig. Viel schlimmer aber ist, dass man die 
Menschen nicht ernst nimmt, sondern über ihre Köpfe hinweg über ihr
 Leben entscheidet. Ich schäme mich für die bürokratische Härte, die die
 Stadt hier an den Tag legt.“

Müller ist der Auffassung, dass es für die Brandgefahren alternative
 Wege zur Verbesserung der Situation gibt: „Bewohner sagen mir, dass die 
Feuerwehr das Gelände jedes Jahr einmal prüft und sich seit der letzten
 Prüfung nichts geändert hat. Und man kann doch nicht ernsthaft einen 
Feuerkorb als Bedrohung hinstellen. Wer das tatsächlich gefährlich 
findet, soll eine Auflage machen, dass das nicht verwendet werden darf.“

 Und selbstverständlich hätten Bürger in dieser Situation
 erwarten dürfen, dass sie in Entscheidungen einbezogen werden. „Die Leute
 sollen sich von ihren Tieren trennen, weil in den angebotenen 
Ersatzunterkünften Tierhaltung nicht möglich sei. Es ist offensichtlich,
 dass es für all das keine vernünftige Begründung gibt.“ 

Dass Bewohner jetzt mutmaßen, dass hier für „künftige Investoren die
 Drecksarbeit gemacht“ würde, ist vor diesem Hintergrund für Müller 
nachvollziehbar.

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