IGS: Offener Brief an den Schulausschuss des Landkreises

Leserbeiträge Von Peter Fehlhaber | am Do., 07.11.2019 - 17:30

Sehr geehrte Damen und Herren des Schulausschusses, 

nach dem letzten Elternabend zu dem auch der Landrat Herr Wiswe eingeladen war, bin ich sehr verwundert nach Hause gefahren. Es ging um die von vielen gewünschte gymnasiale Oberstufe an der IGS hier bei uns in Celle. Warum, möchte ich gerne kurz erläutern:

Vor fünfeinhalb Jahren gründete sich die IGS in Celle und ob zum heutigen Zeitpunkt alle Gremien und „Mitendscheider“ damit einverstanden waren, oder auch nicht: diese Schule existiert jetzt. 


Es ist eine Schule für ALLE Kinder.  Sie bekommt  das hin, was uns in unserer heutigen Gesellschaft so oft fehlt: ein MITEINANDER und ein "FÜREINANDERDASEIN". Die Kinder helfen einander, sie lernen Rücksicht zu nehmen auf  leistungsschwächere Kids  oder umgekehrt auch auf leistungsstärkere Kinder, die vielleicht in anderen Bereichen ihre Schwierigkeiten haben. Oft kann der kleine Paul, der sehr gut in Mathe ist nämlich nicht über den Bock in der Turnhalle springen und benötigt dabei die Hilfe und das sportliche Talent von Jeremy-Pacall. Jedes Kind kann nämlich irgendwas besonders gut und diese Schule hat es sich zur Aufgabe gemacht genau das in den einzelnen Schülern zu sehen und zu fördern. Wenn man in dem gefördert wird, was einem liegt und seine eigenen Stärken erkennt, dann weiß man auch eher, was man später beruflich machen möchte und traut sich mehr zu. Egal, ob man Elektriker*in, studierter Neurowissenschaftler oder Eisverkäufer wird. Wenn es das ist was der /die Einzelne gut kann und es ihn oder sie glücklich macht. Unsere Gesellschaft braucht glückliche zufriedene und vor allem soziale Menschen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen und das Gegenüber verstehen wollen. Darin sind wir uns doch alle eine oder? 


Ein weiterer Punkt wäre das digitale Lernen. Was kann es besseres geben? Ein digitales Können wird auch in den nächsten Jahren von diesen Kindern im Berufsleben verlangt. Die Schüler bereiten regelmäßig Präsentationen vor und lernen vor großen Gruppen, teilweise vor der ganzen Schule zu sprechen. Sie werden fit gemacht für die späteren Arbeitsfelder mit innovativen neuen Lern-und Lehrmethoden. Sie lernen, durch wöchentliche Feedbackgespräche sich und ihr Arbeitsverhalten  zu reflektieren. Selbstreflexion, eine Eigenschaft, die so wichtig ist. Wer von uns ist schon im Beruf oder auch privaten Umfeld gern von Menschen umgeben,  die sich  allzu häufig  besser darstellen und einschätzen  als sie sind, weil sie zu selten ein ehrliches Feedback von außen bekommen haben. Gerade in der heutigen Zeit, wo die sogenannten Helikopter-oder Curlingeltern ihre Kleinen  allzuoft für Selbstverständlichkeiten über den Klee loben, so dass ihre Zöglinge in allen Lebenslagen denken sie wären die Größten. Wir brauchen  Menschen, die sich und ihr Können selber gut einschätzen können. Und wenn eine Schule dies durch neue Methoden fördert, frage ich mich: WARUM WIRD DIESE SCHULE IN IHREM VORANKOMMEN NICHT UNTERSTÜTZT?


So wie ich die IGS-Celle kennengelernt habe liegt es dieser Schule fern sich mit klassischen Gymnasien zu vergleichen. Darum geht es ihr nicht. In keiner Veranstaltung habe ich je gehört, dass andere Schulformen schlecht gemacht wurden. Ganz im Gegenteil. Jede Schule hat Stärken und Schwächen.
Eher geht es hier um den Wunsch ÜBERHAUPT als vollständige integrative Gesamtschule existieren zu dürfen. Denn ohne gymnasiale Oberstufe klaut man dieser Schule ein Stück ihrer guten Seele. Dann kann der Jeremy-Pascall nämlich dem kleinen Paul nicht mehr helfen über den Bock zu springen und Paul kann dem Jeremy nicht zeigen, dass Mathematik gar nicht so schwer ist, wenn man es ein wenig anders lernt als nur durch einen erwachsenen Lehrer. 


Ich kann und darf das sagen, weil ich vier Kinder habe, die diese Schule besuchen. Alle vier hätten wir, begründet durch ihren Notendurchschnnitt auch an einem klassischen Gymnasium anmelden können. Eines unserer Kinder wird inklusiv beschult und wurde sogar von ihren Mitschüler*innen als Klassensprecherin gewählt. Mir gibt das Hoffnung. Ihr gibt das Hoffnung. Die Kinder fühlen sich an genau dieser Schule wohl, weil sie so ist, wie sie ist. 
Fakt ist jedoch auch: hätte ich damals nicht die Hoffnung gehabt, dass unsere Kinder ihr Abitur an dieser Schule absolvieren können, hätte ich sie dort nicht angemeldet. So wird es vielen anderen Eltern in Zukunft auch gehen. 
Und in einem Punkt sind wir uns hoffentlich alle einig: Nur weil etwas schon immer so war, bedeutet es doch nicht, dass es nicht auch anders gut geht. Besser möchte ich hier gar nicht sagen, sondern nur anders gut. Wir, die wir für eine gymnasiale Oberstufe sind, wollen doch niemandem etwas wegnehmen oder damit ausdrücken, dass unsere Kinder besser lernen. Wir wollen doch einfach nur entscheiden dürfen, wie wir unsere Kinder beschulen lassen und vielleicht einen anderen alternativen  Weg wählen, der   zu unseren Kindern passt. Jedem sollte zugestanden werden, den Schulweg für sein Kind zu wählen, der zu dem jeweiligen Sprössling passt. Für die  einen ist es das Hölty das HBG oder das KAV-Gymnasium oder eine Celler Ober-,Haupt-oder Förderschule  und für uns ist es halt die  integrative Gesamtschule. Es soll  nicht bedeuten dass es der bessere Weg ist, sondern nur ein anderer guter Weg.


Bitte enttäuschen sie uns und unsere Kinder nicht und zeigen sie, dass sie offen sind auch andere neue Wege  neben den alten, bewährten Wegen zu beschreiten. Stellen sie sich vor das hätte in der Vergangenheit nie jemand so gemacht und gedacht…

Stephanie F., Celle