CELLE. Nach Prüfung der Unterlagen schätzt die IHK Lüneburg-Wolfsburg das AllerCenter in Groß-Hehlen als bedingt vertretbar ein. Die Stadt Celle hatte der IHK trotz mehrfacher Nachfrage über einen Zeitraum von acht Monaten Einzelheiten zu den Planungen des AllerCenters vorenthalten. „Wir sind Herrn Dr. Nigge dankbar, dass er uns diese Informationen nun zur fachlichen Prüfung zur Verfügung gestellt hat“, sagt Tobias Hannemann, Leiter der Celler Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg. Der geplante Bau sei nachteilig für die Innenstadt, es müsse aber auch berücksichtigt werden, dass die mit dem bestehenden Bebauungsplan ohnehin zulässigen Sortimente zum Teil nicht ausgeschöpft würden. „Bei einigen innenstadtrelevanten Sortimenten wurden leichte Überschreitungen der maximalen Verkaufsfläche genehmigt, die aber durch Unterschreitungen an anderer Stelle wieder ausgeglichen wird“, erklärt Hanneman.

Insgesamt unterschreitet das geplante Bauvorhaben die durch den Bebauungsplan zulässige Verkaufsfläche von 3.430 Quadratmeter im nahversorgungsrelevanten Sortimentsbereich um 35 Quadratmeter, da deutlich weniger Lebensmitteln (-585 m²) zugunsten von mehr Kosmetik- und Drogerieartikel (+450 m²) genehmigt wurden. Im
innenstadtrelevanten Sortimentsbereich, z.B. Elektrokleingeräte, Leuchten, Optik und Datenträger (+120 m²) sowie Bücher und Schreibwaren (-311 m²), wurden von den insgesamt zulässigen 4.330 Quadratmetern Verkaufsfläche nur 2.844 Quadratmeter in Anspruch genommen. Auch der Rahmen der nicht zentrenrelevanten Sortimenten wurde nicht ausgenutzt (1.430 m² zulässig / 748 m² genehmigt).

„Solange insgesamt eine solche Reduzierung sichergestellt werden kann, sind die genehmigten Überschreitungen in den Teilsortimenten aus Sicht unserer IHK im Sinne der Raumordnung vertretbar“, sagt Hannemann. „Unsere aktuelle Bewertung gilt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die bisher nicht ausgeschöpften – aber nach dem Bebauungsplan zulässigen – Verkaufsflächen auch zukünftig nicht in Anspruch genommen werden“, betont Hannemann. „In diesem Kontext haben wir der Stadt Celle empfohlen eine Vereinbarung mit dem  Grundstückseigentümer zu treffen, um zu gewährleisten, dass es zu keinen weiteren Sortimentserweiterungen kommt,
die die Innenstadt und bestehende Versorgungsstrukturen schaden.“ Die IHK hat das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz über die Bewertung informiert.

Generell hätten Einkaufzentren dieser Größe nicht nur Auswirkungen auf die Innenstädte, sondern wirkten räumlich auch weit über das Stadtgebiet hinaus. Daher sei eine frühzeitige, transparente Beteiligung der unteren Landesplanungsbehörde und anderer Träger öffentlicher Belange – wie der IHK – erforderlich. Die IHK ist die
einzige Organisation der gewerblichen Wirtschaft, die bei der Aufstellung von Bauleitplänen und zu großflächigen Einzelhandelsprojekten von den planenden Kommunen gehört werden muss. Diese besondere Form der Einbindung sei auf die gesetzliche Verpflichtung der IHK als Gesamtinteressenvertretung für die örtliche Wirtschaft zurückzuführen. So könne sich die IHK für die Belange der Mitgliedsbetriebe einsetzen. „Unserer IHK geht es dabei vor allem darum, Innenstädte und Ortskerne als Einzelhandelsstandort zu erhalten und eine Grundversorgung in der Fläche zu sichern“, sagt Hannemann.

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